An einem Radio wird DAB+ dargestellt. - © Verwendung weltweit
An einem Radio wird DAB+ dargestellt. | © Verwendung weltweit

Bielefeld Der OWL-Lokalfunk setzt auf 5G

Weichenstellung: Die Hörfunknutzung wird sich in Zukunft stark ändern. Deswegen wollen die Privatsender Radio auf UKW, im Mobilfunknetz und dem Internet

Dirk-Ulrich Brüggemann

Bielefeld. Die Radionutzung wird sich in der Zukunft stark verändern. Die junge Generation verfügt zuhause über kein herkömmliches Radio mehr. „Diese Generation erreichen wir nur noch über die Mobilgeräte", sagt Peter Beinke, Technischer Leiter von Audio Media Service in Bielefeld. Die ams – Radio- und MediaSolutions stellt den sieben Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im angrenzenden Kreis Warendorf die Studios und die Sendeanlagen für den Lokalfunk zur Verfügung. Deswegen setzen die Fachleute in dieser Produktionsgesellschaft auch eher auf den zukünftigen Übertragungsstandard 5G als auf DAB+ ( Digital Audio Broadcasting). „Wir sehen 5G als Alternative für DAB", sagt Beinke und betont, dass die Ultrakurzwelle (UKW) aber für die nächsten zehn Jahre auf jeden Fall noch der Übertragungsmodus für die Lokalradios in der Region sein wird. „DAB+ wird sich bei den Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe nicht durchsetzen können, weil die Reichweiten zu groß sind. Für Radio Hochstift wird sich beispielsweise kaum ein Hörer in Rahden interessieren", erklärt Beinke. Der Zuschnitt der Programme der ostwestfälischen Lokalradios entspricht der Kreisebene und zielt daher auf die Hörer in den Kreisen Höxter, Paderborn, Gütersloh, Herford, Minden-Lübbecke und der kreisfreien Stadt Bielefeld. DAB+ würde aber in der Senderreichweite eher der Region des Regierungsbezirkes Detmold entsprechen. DAB+-Anlagen müssen in OWL noch gebaut werden Deswegen geht Beinke auch davon aus, das UKW für in der Region weiter der einzige Übertragungsstandard bleiben wird, zumal die UKW-Sendeanlagen für Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe für DAB+ noch nicht existieren und erst gebaut werden müssen. Die ams ist Eigentümerin der Sendeanlagen, über die das Programm der ostwestfälischen Lokalradios und auch das des Campusradios Bielefeld ausgestrahlt wird. Zudem stellt sie den Redaktionen die Technik und die Studios zur Verfügung. Laut Peter Beinke ist die Verbreitung von DAB-Empfängern noch eher gering. Gerade einmal 20 Prozent der Radiohörer nutzen solch ein Empfangsgerät bundesweit. Würde UKW abgeschaltet, so bedeute dies, dass 80 Prozent der UKW-Radiobesitzer kein Programm mehr empfangen könnten. Die Landesanstalt für Medien (LfM) mit Sitz in Düsseldorf hat sich ebenfalls mit dem Einsatz von DAB+ beschäftigt. Sie hat die Marktforscher von Goldmedia beauftragt, wie sich das Mediennutzungsverhalten in den nächsten fünf Jahren verändern wird und wie die Entwicklung bis 2028 weitergeht. Diese Experten haben vier Szenarien überprüft, alle unter der Voraussetzung, das UKW nicht abgeschaltet wird. Sinkende Werbeerlöse ab 2022 Danach sinkt der Marktanteil von UKW von heute 88 Prozent auf bis zu 33 Prozent im Jahr 2028. DAB+ erreicht maximal 20 Prozent Marktanteil. Die Online-Nutzung steigt laut Meinung der Goldmedia-Experten von heut acht Prozent auf bis zu 56 Prozent. Zudem ergab die Untersuchung, dass die Werbeerlöse auf dem UKW-Markt schon 2022 deutlich sinken werden. LfM-Direktor Tobias Schmid prognostizierte ein starkes Interesse an DAB+ in NRW. Ziel der LfM sei es, möglichst flächendeckend vielfältigen Hörfunk in NRW zu ermöglichen, bei dem Lokale und regionale Inhalte „besonders willkommen"seien. So fordert Schmid die Lokalfunksender auf, zu entscheiden, ob sie sich an DAB+ beteiligen wollen oder nicht. Zugleich warnte er: Ausschließlich auf UKW zu setzen, sei „eine endliche Geschichte". Die ostwestfälischen Lokalradios setzten nicht nur auf UKW, „sondern wir erhoffen uns von der Einführung von 5G in den nächsten 5 Jahren eine technisch sinnvolle Lösung. Die Formel heißt dann: Wir machen Radio in UKW, 5G und dem Internet", sagt Peter Beinke.

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