Während der Proteste am Hambacher Forst hilft ein Polizist den Demonstrantinnen Lena (l.) und Merle (r. hinter dem Bäumchen). - © Alex Krause
Während der Proteste am Hambacher Forst hilft ein Polizist den Demonstrantinnen Lena (l.) und Merle (r. hinter dem Bäumchen). | © Alex Krause

Kerpen Hambacher Forst: Polizist hilft Demonstrantin aus Bad Oeynhausen beim "Aufbäumen"

Kerpen. Die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forsts und die Räumung der Baumhäuser gehen weiter. Zwischen den Fronten von Ordnungskräften und Demonstranten gibt es aber auch friedliche Szenen: Ein Polizist hilft zwei jungen Aktivistinnen beim Pflanzen eines Baumes. Seit Jahren besetzen Aktivisten den von der Rodung für den Braunkohle-Tagebau gefährdeten Hambacher Forst. Die am vergangenen Donnerstag gestartete polizeiliche Räumung der Baumhäuser im Wald führt teilweise zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Auch rund um das "Wiesencamp" ziehen immer wieder Demonstranten auf und ebenso Polizeikräfte. Dabei kommt es zum Teil zu Handgreiflichkeiten und Ausschreitungen. So auch am vergangenen Wochenende, als tausende Demonstranten den Erhalt des Waldes forderten. Vom Waldspaziergang zum "Aufbäumen" Mit dabei war auch die aus Bad Oeynhausen stammende Merle Niederwemmer, um gegen den Braunkohle-Tagebau und für den Hambacher Forst zu demonstrieren. Die junge Frau studiert in Bonn Theologie. Sie hatte sich ihrer Nachbarin Lena angeschlossen und mit auf den Weg zum Tagebau gemacht. Während der Proteste, an denen rund 6.000 Menschen beteiligt waren, begegneten die beiden dem Protestzug der "Aktion Unterholz". Dessen Teilnehmer beschäftigen sich mit dem "Aufbäumen". Sie pflanzen Bäume auf den Äckern rund um den "Hambi". Es ist eine der friedlichen Protestformen. Als sie die Aktion beobachteten, bemerkten Merle und Lena ein vergessenes Bäumchen. Ihn wollten sie direkt neben einem Polizei-Wagen einpflanzen. Ein Loch war schnell gegraben, doch der Jutebeutel zum Schutz des Wurzelballens ließ sich einfach nicht abreißen. Zeichen der Deeskalation Kurzerhand fragten sie die Polizisten im Wagen nach einem Messer. Zur Überraschung von Merle Niederwemmer half der angesprochene Beamte direkt bei der kleinen Pflanzaktion. Ein Fotograf hielt den Augenblick im Bild fest, an dem die beiden Demonstrantinnen und der Polizist den Baum setzten. "Es war uns in dem Moment gar nicht so bewusst, dass uns ein Beamter half, wir waren total konzentriert darauf, den Baum zu pflanzen und haben uns einfach über die Hilfe gefreut", sagt Merle. Das die Drei für einen außergewöhnlichen Moment gesorgt hatten, bemerkten sie erst als umstehende Demonstranten applaudierten. Merle Niederwemmer hat am Montag einen Beitrag mit dem Bild bei Facebook eingestellt, zuvor war es bereits hundertfach ohne die Entstehungsgeschichte geteilt worden, unter anderem auch das Bild, auf dem der Beamte ein Stück Kuchen gereicht bekommt. "Das ist erst nach der Aktion entstanden und ein Dankeschön an den Polizisten", betont Merle. Ihr geht es um den Symbolwert des Moments, in dem ein positives und friedliches Signal gesetzt worden sei. Besonders für den gewaltlosen Protest. Polizist spricht Einladung zum Hambacher Forst aus Einige Kommentatoren im Netz befürchten dienstliche Konsequenzen für den Beamten, da er eigentlich der Neutralität verpflichtet ist. Doch seitens der Polizei gibt es positive Signale für die persönliche und deeskalierende Geste. Sie sei Ausdruck "des guten Verhältnisses der eingesetzten Polizisten zum friedlichen Protest" gewesen, erklärt die Aachener Polizei. Auch die umstehenden Beamten hätten die Aktion positiv gesehen, bestätigt Niederwemmer. Mit dem Polizeibeamten steht Merle weiter in Kontakt, er hatte sich auf den Beitrag in den sozialen Netzwerken hin gemeldet. Sie tauschen sich über Zeitungsartikel, Facebook-Beiträge und Kommentare rund um ihre Aktion aus. Auf das Bäumchen habe der Beamte auch ein besonderes Auge, wenn er am Hambacher Forst im Einsatz ist. "Er hat schon danach geschaut, hat er mir gesagt", freut sich die junge Frau. Außerdem habe er die beiden eingeladen: "Er sagte, wir sollten uns auf jeden Fall melden, wenn wir nochmal zum Demonstrieren zum Hambi fahren", sagt Merle Niederwemmer. Sie will sich weiter gegen den Tagebau einsetzen.

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