Hier ist für das Vieh nicht mehr viel zu holen: Auf ausgetrockneten Weiden müssen Kühe aktuell vielerorts durchkommen, auch in Ostwestfalen-Lippe. - © picture alliance
Hier ist für das Vieh nicht mehr viel zu holen: Auf ausgetrockneten Weiden müssen Kühe aktuell vielerorts durchkommen, auch in Ostwestfalen-Lippe. | © picture alliance

Bielefeld/Stemwede Dürrefolgen: Dem Vieh geht das Grünfutter aus

Vorläufige Erntebilanz für 2018: Die Erträge beim Getreide sind in Westfalen-Lippe um 13,8 Prozent niedriger als im langjährigen Mittel. Das Grünland ist weitgehend ausgetrocknet. Was das bedeutet, erläutern Experten.

Bielefeld/Stemwede. Joachim Schmedt ist besorgt. „Das, was wir bislang geerntet haben, reicht nicht im entferntesten ans Vorjahr heran", berichtet der stellvertretende Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke. Gemeint sind die Erträge beim Mais in der nördlichsten Region Ostwestfalen-Lippes. An diesem Tag, rund sechs Wochen früher also sonst, werden sie auch auf dem Betrieb seines Sohnes in Stemwede gehäckselt. Standen im vergangenen Jahr noch 40 bis 60 Tonnen Ertrag pro Hektar beim Mais zu Buche, so sind es dieses Jahr gerade einmal 8 bis 35 Tonnen, berichtet Schmedt. „Das sind komplett neue Erfahrungen", fügt er hinzu. Zudem habe sich die Heuernte auf dem Betrieb seines Sohnes im Vergleich zum Vorjahr halbiert. „Die Situation ist angespannt", sagt Schmedt und meint damit die Futterversorgung für das Vieh. Auf dem Familienbetrieb werden 250 Stück Mastvieh im Stall gehalten. Hinzu kommen 220 bis 230 Tiere auf der Weide. Doch dort sieht es derzeit aus wie in der Steppe. „Trotz vereinzelter Niederschläge ist es noch mal trockener geworden." Immerhin konnte der Betrieb von einem benachbarten Hof Mais als Viehfutter erwerben. „Das verursacht allerdings Kosten", sagt Schmedt und rechnet mit einem hohen fünfstelligen Betrag. Konnte der Betrieb in anderen Jahren 60.000 bis 70.000 Euro aus dem Verkauf von Heu erwirtschaften, falle diese Einnahme nun mangels Masse aus. „Ich kann mir vorstellen, dass das für den einen oder anderen Betrieb durchaus dramatisch ist", fasst Schmedt die Lage der Bauern im Kreis Minden-Lübbecke aufgrund der langanhaltenden Trockenheit zusammen. Finanzielle Hilfe für Landwirte werden Mittwoch entschieden Mittwoch will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) entscheiden, ob aufgrund dieser Entwicklung eine bundesweite Notsituation vorliegt und es zu finanziellen Hilfen des Bundes und der Länder kommen wird. „Das Land ist bereit, sich an gemeinsamen Hilfsmaßnahmen zu beteiligen", sagt die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU). „Ziel muss es sein, den unmittelbar in ihrer Existenz bedrohten Betrieben zu helfen." Das ist eine Marschroute, mit der sich Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbands, durchaus anfreunden kann. „Wenn es Härten gibt, die man realistisch nachweisen kann", ist Beringmeier für staatliche Hilfen. Eine Subventionierung nach dem Gießkannenprinzip für alle findet er hingegen nicht zielführend. Die Folgen des Dürre-Jahres 2018 müssten sich stattdessen „in Milch- und Fleischpreisen widerspiegeln". Gleiches gelte für die Kartoffeln. Bei dieser Ackerfrucht erwartet das NRW-Landwirtschaftsministerium Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent in Regionen, die nicht extra bewässern. „Dazu kommen Qualitätsprobleme und Schwierigkeiten bei der Ernte aufgrund ausgetrockneter Böden", so das Ministerium. Folge seien hohe Einbußen für die Betriebe. Schlechte Aussichten für die Ernte von Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln Laut Statistikbetrieb IT NRW wurden in diesem Bundesland im laufenden Jahr 3,57 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais) geerntet. Das sind 12,6 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017. „Bei der Getreideernte stehen wir im Ländervergleich noch gut da", analysiert Heinen-Esser. „Das ist im langjährigen Mittel zu verkraften", ist auch Beringmeier überzeugt. „Schlecht sieht die Erntesituation dagegen bei Grünland, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln aus", sagt die Landwirtschaftsministerin und bestätigt damit Beobachtungen aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Bei der Bilanz der Getreideernte ist Westfalen gegenüber dem Rheinland im Nachteil, wie die Statistiker errechnet haben. So liegt der Ertrag in Westfalen 2018 hier bei rund 2,47 Millionen Tonnen und damit 13,8 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Im Landesteil Nordrhein hingegen wurden 1,1 Millionen Tonnen Getreide eingefahren; ein Minus von nur 9,7 Prozent.

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