Die Windräder im Windpark Lichtenau-Asseln. - © Marc Köppelmann
Die Windräder im Windpark Lichtenau-Asseln. | © Marc Köppelmann

Energie Ex-Umweltminister wirft CDU-Politiker "Amoklauf gegen den Klimaschutz" vor

Der CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann will mehr Abstand zwischen Windrädern und Wohngebieten. Auch die SPD als Koalitionspartner kritisiert das Vorhaben scharf

Carina Schmihing

Bielefeld. Ostwestfalen-Lippe ist Hochburg der Windenergie. Doch der weitere Ausbau der erneuerbaren Energieform droht wegen eines Streits der großen Koalition ins Stocken zu geraten. CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann befeuert die Kontroverse nun: „Wir wollen beim weiteren Ausbau der Windenergie an Land einen besseren Ausgleich zwischen der Erneuerbaren-Branche und den Anwohnerinteressen".  "Linnemann will Windenergie tot machen" Linnemann fordert, die Abstände von neuen Windkraftanlagen zu Wohngebieten zu vergrößern und eine Privilegierung im Baurecht abzuschaffen. Sein Wahlkreis Paderborn ist Vorreiter in Sachen Windenergie – und damit Schauplatz hitziger Debatten. Im Juni wurde hier erstmals so viel grüner Strom erzeugt, wie insgesamt verbraucht wird, teilt der Landesverband Erneuerbare Energien OWL mit. Vorstand Kerstin Haarmann meint, Linnemann wolle die Windenergie mit seinen Forderungen „tot machen". „Mehr Abstand bringt erwiesenermaßen nicht mehr Akzeptanz", sagt Haarmann. „Wenn wir den Abstand vergrößern, gibt es kaum noch Flächen für neue Anlagen. Das macht ein Erreichen der Ziele unmöglich." Forderung verstößt gegen Koalitionsvertrag Bernd Westphal, Sprecher der Arbeitsgruppe Energie und Wirtschaft der SPD im Bundestag, kritisiert Linnemann scharf: „Gerade als Politiker sendet er das falsche Signal." Linnemann stehe auf der Bremse und sei nicht mutig, sagt Westphal. Union und SPD hätten sich im Koalitionsvertrag für Windkraft ausgesprochen. „Kollege Linnemann macht hier Kommunalpolitik. Aber wir sitzen im Bundestag und müssen bundes- und europapolitisch verantwortungsvolle Politik machen." NRW-Wirtschaftsminister begrüßt  mehr Abstand Ex-NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) bezeichnet Linnemanns Forderung als „Amoklauf gegen den Klimaschutz": „Er erklärt nicht, woher die Energie sonst kommen soll", sagt Remmel. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, brauche Deutschland deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart begrüßt den Vorstoß Linnemanns : „Um die Akzeptanz zurückzugewinnen, streben wir eine verbindliche Abstandsregelung von 1.500 zu reinen und allgemeinen Wohngebieten an." Aus der Seele spricht Linnemann auch dem Vorsitzenden des Regionalbündnisses Windvernunft, Heinrich Brinkmann. Er ist davon überzeugt, dass die Windkraft „nur ein Bestandteil" in der Energieproduktion sein kann. Sie sei nicht konstant genug, aber dennoch stören die Anlagen das Landschaftsbild und durch Lärm. „Der Frust bei den Menschen wächst unheimlich."

realisiert durch evolver group