Die Polizei NRW wünschst sich mehr Anstrengungen vom Land, um gegen organisierte Kriminalität vorgehen zu können. - © picture alliance / Bernd Thissen/dpa
Die Polizei NRW wünschst sich mehr Anstrengungen vom Land, um gegen organisierte Kriminalität vorgehen zu können. | © picture alliance / Bernd Thissen/dpa

Bielefeld Kampf gegen organisierte Kriminalität: Drogenhandel erreicht Rekordniveau

2017 wurden gut acht Tonnen Kokain sichergestellt. Banden arbeiten mit hoher Professionalität. Die Polizeigewerkschaft fordert mehr Schlagkraft

Matthias Bungeroth

Bielefeld. Die organisierte Kriminalität (OK) arbeitet zunehmend mit professionellen Methoden. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen fordert deshalb vom Land mehr Anstrengungen ein, um dieser Gefahr die Stirn bieten zu können. „Es muss besser werden, personell und auf technischem Gebiet", sagt Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), dieser Zeitung. „Für Experten wie IT-Techniker muss man auch mal in die Tasche greifen. Wir brauchen die besten", fügt Mertens hinzu. Von den rund 500 pro Jahr neu einzustellenden Polizeibeamten sollten rund 100 dem Bereich der hoch qualifizierten Fachkräfte zuzuordnen sein, so Mertens. „Das Bedrohungs- und Schadenspotenzial bleibt unverändert hoch." Das sagt der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. Ein Feld mit hohem Handlungsbedarf sei der internationale Kokainhandel. „Im Jahr 2017 wurden in Deutschland mehr als acht Tonnen Kokain sichergestellt (2016: 1,9) – ein absoluter Rekordwert", heißt es im Bericht. Darin zeige sich die hohe Transnationalität vieler Delikte. „Rund 80 Prozent der OK-Verfahren weisen internationale Bezüge auf." Mertens fordert daher eine bessere europaweite Zusammenarbeit und die Harmonisierung der Rechtsgrundlagen. „Es kann nicht sein, dass Messenger wie Whats App für uns nicht abhörbar sind und damit zum Schutzraum von Verbrechern werden." Horst Seehofer: "Organisierte Kriminalität bedroht Staat und Wirtschaft" Die Ermittlungsbehörden lassen sich auch nicht von der Tatsache blenden, dass die Zahl der OK-Verfahren 2017 mit 572 nur geringfügig höher ist als im 2016 (563). Auch die Tatsache, dass die Gesamtschadenssumme im gleichen Zeitraum von rund einer Milliarde Euro auf rund 210 Millionen Euro gesunken ist, wird nicht als Anlass zur Entwarnung gesehen. Denn 2016 habe es einige wenige Fälle von Wirtschaftskriminalität gegeben, die jeweils einen dreistelligen Millionenschaden verursacht hatten. „Die Organisierte Kriminalität bedroht Staat und Wirtschaft. Sie ist international vernetzt und findet sich in vielen Lebensbereichen unserer Gesellschaft", sagt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Um der Bedrohung durch diese Taten zu begegnen, hat das BKA die „Koordinierungsstelle Organisierte Kriminalität" gegründet. Es gibt die Option internationaler Ermittlungsgruppen. Bei Einbruchsdelikten verzeichnete NRW von 2016 bis 2017 einen Rückgang von 25,7 Prozent. Die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg im gleichen Zeitraum um 6,8 Prozent in der allgemeinen Kriminalitätsstatistik.

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