Mittellandkanal Lashorst - © Joern Spreen-Ledebur
Mittellandkanal Lashorst | © Joern Spreen-Ledebur

Marode Schleusen Stop-and-go für Binnenschiffe auf NRW-Kanälen

Nordrhein-Westfalen hält seit langem den unrühmlichen Titel Stauland Nr. 1.
Bislang galt das bloß auf dem Asphalt. Jetzt staut es sich auch schon auf den Wasserstraßen in NRW – bis zu zwölf Stunden

Carina Schmihing

Marode Infrastruktur lässt nicht nur die Autobahnen in Nordrhein-Westfalen verstopfen, sondern zunehmend auch die Wasserstraßen. Die Hauptwasserstraße des Ruhrgebiets, der Wesel-Datteln-Kanal, habe bereits 50 Prozent seiner Leistungsfähigkeit eingebüßt, antwortete Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) auf eine Anfrage aus der SPD-Landtagsfraktion. „Je nach Wochentag führt diese Einschränkung zu Wartezeiten von bis zu zwölf Stunden vor den Schleusen. Der Binnenschifffahrt entstehen durch die Wartezeiten erhebliche Mehrkosten." Akute Versorgungsengpässe der am Kanal ansässigen Großindustrie seien der Landesregierung aber nicht bekannt. Alte Poller sind schuld Verursacher des Engpasses sind brüchige alte Poller, die gesperrt werden mussten, weil sie die schweren Güterschiffe nicht mehr halten können. „Es ist abzusehen, dass sich die Situation nach der Inbetriebnahme des Uniper-Kraftwerks in Datteln und den damit einhergehenden zusätzlichen Transporten voraussichtlich verschlechtert", stellte Wüst in seiner jetzt veröffentlichten Antwort fest. Schnelle Abhilfe sei nicht in Sicht. Für Reparatur und Ersatz der Poller in den sechs Schleusen fehle Fachpersonal in den Wasser- und Schifffahrtsämtern. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe es nicht geschafft, beim Bund die erforderlichen Ressourcen durchzusetzen, kritisierte Wüst. Erst jetzt seien neue Ingenieurstellen für NRW in Aussicht. Der Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt spricht von „Mangelverwaltung in höchster Vollendung". Der Mittellandkanal ist frei Für den Mittellandkanal, der unter anderem durch Minden verläuft, gibt Lukas Brodersen, Sachbereichsleiter bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Minden, jedoch Entwarnung. „Auf dem Mittellandkanal gibt es keinen Stau." Das habe vor allem drei Gründe, wie Brodersen erklärt. Der Mittellandkanal sei erst spät ausgebaut worden. Deshalb seien die Anlagen des Mittellandkanals nicht so marode wie die der anderen Kanäle in Westdeutschland. Generell gäbe es aber auch viel weniger anfällige Schleusen, die zu Engpässen führen könnten. „Man kann vom Dortmund-Ems-Kanal bis Hannover ohne Schleuse durchfahren", erklärt Brodersen. Im Verlauf des Gewässers gebe es sehr wenig Auf- und Abstiegsbauten. Zuletzt sei das Verkehrsaufkommen hier auch ein anderes. „In den anderen Kanälen ist mehr Musik drin." (Mit Material der dpa)

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