Künstlerische Freiheit oder Zensur: Michaela Rehm (v.l.), Uwe Scheffler und Sabine Andresen debattieren. - © jonek-fotografie.de
Künstlerische Freiheit oder Zensur: Michaela Rehm (v.l.), Uwe Scheffler und Sabine Andresen debattieren. | © jonek-fotografie.de

Bielefeld Debatte: Wann sollte Kunst zensiert werden?

#MeToo: Experten diskutieren an der Universität Bielefeld über die künstlerische Freiheit. Die Meinungen gehen auseinander. Inwieweit darf Kunst Frauen zu Objekten machen und Missbrauch bagatellisieren?

Bielefeld. „Keinen Bock mehr auf Cro" plädierte zuletzt das AStA-Gleichstellungsreferat der Universität Bielefeld als der Rapper Cro als Headliner beim Campus-Festival auftreten sollte. Die Songtexte würden Frauen zum konsumierbaren Objekt machen, hieß es in der AStA-Stellungnahme. Dafür ernten die Studierendenvertreter Kritik: Die Mehrzahl der Kommentatoren meint, dass die Sexismus-Vorwürfe gegen Cro übertrieben sind. Diese Diskussion zeigt, wie vielfältig die MeToo-Debatte ist. Gilt bei der Musik wie von Cro die künstlerische Freiheit oder sollen diese zensiert werden? Und wo ist die Grenze? Eine Diskussion im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld befasst sich genau mit dieser Frage. Dabei polarisieren die Meinungen der Diskussionspartner. Strafrechtler Uwe Scheffler von der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder hält die Debatte für übertrieben: „Wenn diese Debatte ernst genommen werden würde, dürfte man alle Werke von Pablo Picasso oder Michael Jackson nicht mehr zeigen." So würden die größten Kunstwerke der Geschichte im Verborgenen bleiben. Kunst dürfe auch kriminelle Dinge zeigen, solange die Würde eines Menschen nicht verletzt werde, sagt Scheffler. „Sonst haben wir die Kunst nicht verstanden". „Frauen dürfen nicht zu Objekten gemacht werden" Anderer Meinung ist Pädagogin Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt: „Ich kann nicht mehr entspannt Filme von Woody Allen schauen." Dem Filmregisseur wird Kindesmissbrauch vorgeworfen. Die Freiheit der Kunst sei ein hohes Gut, das man wahren müsse, aber Kunst dürfe Straftaten nicht bagatellisieren. Man müsse bedenken, welche Wirkung Kunst hat, mahnt Andresen. Die Film-Reihe „Der weiße Hai" löste beispielsweise eine regelrechte Jagd nach dem Tier aus. „Außerdem dürfen Frauen und Jugendliche nicht zu Objekten gemacht werden", ergänzt Andresen, die in der MeToo-Debatte hervorhebt, dass nun endlich die Opfer gehört und ihnen Glauben geschenkt wird. „Bei der Diskussion müssen wir allerdings differenzieren, wie mit einzelnen Kunstwerken und wie mit verurteilten Künstlern umgegangen werden soll." Dabei müsse jeder einzelne Fall neu betrachtet werden. „Diese Diskussion muss geführt werden." Moderatorin Michaela Rehm von der Universität Bielefeld knüpft an die Aussagen von Pädagogin Andresen an: „Die MeToo-Debatte ist nicht vorbei, konkrete Fragen müssen nun weiter thematisiert werden."

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