Unterschriftenübergabe: Sigrid Beer (v. l.), Thomas Hüvelmeier, Minister Andreas Pinkwart, Johannes Wiemann-Wendt und Fritz Buhr. - © Guido von Wiecken
Unterschriftenübergabe: Sigrid Beer (v. l.), Thomas Hüvelmeier, Minister Andreas Pinkwart, Johannes Wiemann-Wendt und Fritz Buhr. | © Guido von Wiecken

Bad Lippspringe/Düsseldorf Bürger in NRW wollen den Nationalpark Senne

Überraschend: Umweltverbände stellen das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vor. Demnach wollen
85 Prozent der Befragten in NRW das Umweltprojekt. Minister Pinkwart (FDP) sieht die Region gefordert.

Matthias Bungeroth
Florian Pfitzner

Bad Lippspringe/Düsseldorf. Die Gründung eines Nationalparks Senne stößt in der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens auf große Zustimmung. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Bielefelder Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid im Auftrag von vier großen Umweltorganisationen durchgeführt hat. Demnach finden 85 Prozent der Befragten die Einrichtung eines solchen Nationalparks gut, nur 8 Prozent finden dies schlecht. „Ich erwarte, dass sich die Landesregierung in dieser Frage auch noch bewegt", sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu NRW, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage in Bad Lippspringe. Kurz zuvor hatten in Düsseldorf Vertreter mehrerer Umweltorganisationen dem NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) eine Liste mit mehr als 15.000 Unterschriften für den Nationalpark übergeben. Der FDP-Politiker würdigte das große Interesse in der Region, sieht die Verantwortung jedoch zunächst bei den Kreis- und Stadträten. „Wir haben die Schutzwürdigkeit der Senne im Landesentwicklungsplan (LEP) genau so vorgesehen, wie es vorher der Fall war", sagte Pinkwart. Ob sich dies am Ende in einem Nationalpark niederschlagen soll, liege in der Hand der Region. „Dort liegen aber noch keine einheitlichen Haltungen dazu vor, deshalb wollen wir als Land dem nicht vorgreifen." Umweltschützer Johannes Wiemann-Wendt sagte, „die Kommunen nehmen nach und nach Stellung". Die Unterschriftenaktion zeige, dass die Region einen Nationalpark wünscht. „Wir hoffen, dass der Minister solche Signale hört." Pinkwart will nach OWL kommen Dem Vernehmen nach soll Pinkwart einer Einladung zu einem Besuch in der Senne zugestimmt haben. Alle großen Naturschutzorganisationen in NRW, so auch die Landesgemeinschaft Naturschutz (LNU) und der BUND, hatten sich in einer ungewöhnlich breiten Allianz für das Projekt „Nationalpark Senne" stark gemacht. Denn am 15. Juli endet die Frist, innerhalb derer Einwendungen zum neuen LEP-Entwurf gemacht werden können. Die Landesregierung will den Nationalpark als konkretes Ziel aus diesem Plan streichen, denn diesem Projekt „fehlt die erforderliche breite Akzeptanz in der Bevölkerung der Region", wie die Landesregierung in einer Stellungnahmen geschrieben hatte. „Das hat uns keine Ruhe gelassen", so Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL. Großen Rückhalt hat das Projekt auch in OWL, wo es immerhin eine Mehrheit von 75 Prozent für den Nationalpark gibt. „Trotz aller Auseinandersetzung sind drei Viertel aller Menschen dafür", so Otte. Bemerkenswert aus seiner Sicht: Auch 80 Prozent aller CDU-Anhänger finden dieses Projekt gut. Otte: „Wissen die Parteioberen das nicht?" Bei den SPD-Anhängern ist laut Umfrage die Zustimmung für den Nationalpark mit 91 Prozent landesweit noch größer. Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: 81 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Bürger von einem Nationalpark Senne profitieren würden, weil er neue Möglichkeiten des Naturerlebnisses bieten würde. Nur 13 Prozent sind davon nicht überzeugt. „Ein Nationalpark bringt auch für das Bruttoinlandsprodukt einiges", sagte Erdmute von Voithenberg, Vorsitzende des Fördervereins Nationalpark Senne-Eggegebirge, auch Vertreterin der LNU. Ein Fachgutachten habe errechnet, dass alle 16 Nationalparks in Deutschland rund 2,8 Milliarden Euro Bruttoumsatz im Jahr erwirtschafteten und das Image der jeweiligen Region kräftig aufpolierten. So wollen die Umweltschützer ihr Ziel weiter intensiv verfolgen. Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND NRW sagte dazu: „Wir sehen noch Bewegungsmöglichkeiten."

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