Umstritten: Photovoltaikanlagen sollen in der Senne aufgestellt werden dürfen. - © picture alliance / Robert Schlesinger
Umstritten: Photovoltaikanlagen sollen in der Senne aufgestellt werden dürfen. | © picture alliance / Robert Schlesinger

Paderborn Zoff um mögliche Solartechnik im Naturparadies Senne

Heiße Debatte: Der Paderborner Kreistag will das Gelände des Truppenübungsplatzes Senne für die Nutzung der Photovoltaik freigeben. Umweltschützer laufen dagegen Sturm. Sie sehen Gefahr für geschützte Arten

Matthias Bungeroth

Paderborn. Die Naturlandschaft auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Senne ist europaweit einzigartig. Auf einer Fläche von 11.600 Hektar, das entspricht rund 16.250 Fußballfeldern, leben tausend in ihrem Bestand gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Genau dort soll es nach dem Willen des Paderborner Kreistags künftig möglich sein, Photovoltaikanlagen aufzustellen. Hintergrund sind Änderungen im Landesentwicklungsplan (LEP) durch die schwarz-gelbe Landesregierung. "Das ist eine ganz schlimme Entwicklung", klagt Fritz Buhr vom Umweltschutzverein Pro Grün in Paderborn, im Gespräch mit dieser Zeitung. Werde ein solcher Plan Realität, würde dieses Naturschutzgebiet "in seiner Einmaligkeit letztlich zerstört", wie Buhr betont. So sieht es auch Carsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz Ostwestfalen-Lippe aus Hiddenhausen. "Wir sehen ganz klar, wie wichtig es ist, gewissen Lokalpolitikern den Einfluss auf unser nationales Naturerbe zu entziehen", wettert Otte gegen den Beschlussvorschlag des Kreistags, der am kommenden Montag verabschiedet werden soll. Würden tatsächlich Solaranlagen auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes aufgestellt, "hätte dies vernichtenden Einfluss auf die dort lebenden bedrohten Arten". Deshalb hätten solche Anlagen auf diesem Gebiet auch nichts zu suchen, wie Otte unterstreicht. Alle Naturschutzverbände der Region sind seit Jahren bestrebt, das Gebiet der Senne als Nationalpark ausweisen zu lassen. Die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat dieses Ziel jedoch aus dem LEP entfernen lassen. Angesichts des nun vorgelegten Planes des Paderborner Kreistags wittern die Naturschutzverbände in OWL hinter dem politischen Richtungswechsel in dieser Sachfrage nun eine neue Strategie. Otte: "Alle Nationalparkgegner scheinen nichts anderes zu wollen, als mit der Senne Geld zu machen." Um ein solches Ansinnen zu verhindern, müsse im Gegenteil die Ausweisung der Senne wieder mit neuem Nachdruck vorangetrieben werden, fordert Otte. Dafür sammeln die Naturschützer aktuell Unterschriften (www.unsere-senne.de). "Wir hatten immer das Gefühl, dass die Senne für Drittplanungen geöffnet werden soll", sagt Erdmute von Voithenberg, Vorsitzende des Fördervereins Nationalpark Senne-Eggegebirge, auf Anfrage dieser Zeitung. Dieser Verdacht bestätige sich nun. "Das darf einfach nicht passieren", appelliert von Voithenberg. Denn dadurch werde die Wertigkeit des Gebietes als Nationales Naturerbe gefährdet. Im Übrigen dürfe man auch die ökonomischen Vorteile nicht unterschätzen, die ein Nationalpark mit sich bringe. Alternative zur Windkraft Dazu Fritz Buhr: "Paderborn wäre nicht nur für Tagestouristen ein attraktives Urlaubsziel mit seinen Sehenswürdigkeiten und seinem reichen Kulturangebot. Der Mehrwert für Hotellerie, Gastwirtschaft und Einzelhandel wäre beträchtlich." Diese Erkenntnis gebe es an allen Standorten der bundesweit bereits 16 Nationalparks. Dennoch zeichnet sich für die Ansiedlung großflächiger Photovoltaikanlagen in der Senne auch im Paderborner Kreistag eine Mehrheit ab, nachdem der Bauausschuss des Kreises den Plan bereits mehrheitlich durchgewunken hat. Der Standortübungsplatz Auf der Lieth in Paderborn hat eine Fläche von 380 Hektar. Die Ausweitung der Photovoltaikflächen wird auch mit zunehmendem Widerstand gegen die Windkraft begründet. Bernhard Wissing, Vorsitzender der CDU-Mehrheitsfraktion im Paderborner Kreistag, ist bemüht, Zündstoff aus der Debatte zu nehmen. Was Montag verabschiedet werde, sei eine "Anhörung", so Wissing. Mit dem Thema inhaltlich habe man sich noch nicht beschäftigt. "Wir gehen weiter von einer militärischen Nutzung des Truppenübungsplatzes aus", so Wissing.

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