Die Ditib-Zentralmoschee in Köln, der Hauptsitz des Verbandes in Deutschland. - © picture alliance / Rainer Jensen/dpa
Die Ditib-Zentralmoschee in Köln, der Hauptsitz des Verbandes in Deutschland. | © picture alliance / Rainer Jensen/dpa

Herford/Mönchengladbach Kinder in Soldatenuniform: Neue Aufnahmen aus weiteren Ditib-Moscheen

Auch in Ulm und Wien soll es ähnliche Veranstaltungen gegeben haben

Jobst Lüdeking
Björn Vahle

Herford/Mönchengladbach. Kinder, die in Soldatenuniformen und mit türkischen Fahnen eine Kriegsszenen nachspielen. Diese Bilder aus einer Ditib-Moschee in Herford, die Mitte April auftauchten, sind offenbar kein Einzelfall. Das Online-Magazin Buzzfeed-News hat Video-Aufnahmen der Ditib-Zentralmoschee in Mönchengladbach veröffentlicht, die ähnliche Bilder wie aus der Herforder Moschee zeigen. Kinder in Armee-Uniformen halten eine türkische Fahne hoch, weitere marschieren über eine Bühne. Mädchen spielen offenbar Frauen, die gefallener Soldaten gedenken. Dem Magazin zufolge steht das Stück in Mönchengladbach unter der Leitung des Imams Mülayim Bayindir, der Angestellter des türkischen Staates sein soll. Ditib steht unter der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Diese untersteht wiederum direkt dem Amt des Ministerpräsidenten. Integrationsminister: "Verstörend und inakzeptabel" Das Video aus der Herforder Ditib-Moschee hatte in der vergangenen Woche bereits die Politik beschäftigt. NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hatte die Aufnahmen als "verstörend" und "völlig inakzeptabel" bezeichnet und den Ditib-Landesverband aufgefordert, mitzuteilen, ob es weitere solche Aufführungen gegeben habe. "Der Vorfall bestärkt uns in unseren Befürchtungen, dass die Ditib in NRW im politischen Interesse der türkischen Regierung agiert", sagte Stamp. Der Europaabgeordnete Arne Gericke (Freie Wähler) sagte: "Hier werden Kinder politisch instrumentalisiert." Herfords Bürgermeister Tim Kähler hatte die Ditib-Verantwortlichen einbestellt und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die städtische Gelder erhält, öffentlich infrage gestellt. Die Verantwortlichen der Gemeinde haben "personelle Konsequenzen" angekündigt. "Das ist ein No-Go und sollte so nicht passieren", sagte der Herforder Ditib-Vorstand Necati Aydin, der die Veranstaltung einen "Fehler" nannte. Weitere Aufführungen, auch in Österreich Die Aufführungen sind offenbar noch weiter verbreitet, als bisher belegt war. Buzzfeed-News berichtet, man sei auf Bilder aus einer Ulmer Ditib-Moschee gestoßen, die eine ähnliche Veranstaltung zeigen. Gezeigt werden diese Bilder nicht. Österreichische Medien, darunter der ORF, berichten über "Übungen in Tarnanzügen", die sich in einer Wiener Moschee des hiesigen Ditib-Pendants "Atib" ereignet haben sollen. Hintergrund der Aufführungen ist nach Angaben des Herforder Ditib-Vorstands Necati Aydin ein militärischer Sieg in Zusammenhang mit Mustafa Kemal, dem späteren türkischen Staatsgründer Atatürk, der als General des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg in der so genannten Schlacht von Gallipoli mit dem verbündeten Deutschen Reich britische, australische, neuseeländische sowie französische Einheiten besiegte. Die Schlacht ist für viele Türken wichtiger Bestandteil der Gründungsgeschichte der heutigen Türkei. Schon die jungtürkische Kommittee-Regierung betrachtet Gallipoli als die Schlacht, mit der die islamische Welt vor dem "imperialistischen Westen" gerettet worden sei. Seit einigen Jahren spielt in der Türkei, beeinflusst durch die Regierung Erdogan, im Gedenken an die Schlacht von Gallipoli die Betonung religiöser Aspekte eine große Rolle. So gelten die gefallenen Soldaten als Märtyrer. Sie hätten gegen die Feinde des Islam gekämpft. Dort sei es bis heute nicht unüblich, Kinder zum Gedenken in Soldatenuniformen zu kleiden, sagte eine Türkei-Kennerin gegenüber nw.de.

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