Die nach Beobachtung von Experten zunehmende Radikalisierung junger Muslime ist erstmals Gegenstand eines Forschungsprojekts der Unis Bielefeld (Bild) und Osnabrück. 
- © Jens Reddeker

Die nach Beobachtung von Experten zunehmende Radikalisierung junger Muslime ist erstmals Gegenstand eines Forschungsprojekts der Unis Bielefeld (Bild) und Osnabrück.

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Bielefeld/Osnabrück Unis Bielefeld und Osnabrück erforschen radikalen Islam

Zweijähriges Projekt: Gewaltforscher und Islamwissenschaftler gehen der Frage nach, ob die religiöse Orientierung junger Muslime zur Radikalisierung beiträgt

Bielefeld/Osnabrück. Die nach Beobachtung von Experten zunehmende Radikalisierung junger Muslime ist erstmals Gegenstand eines Forschungsprojekts. Wissenschaftler der Universitäten Bielefeld und Osnabrück wollen herausfinden, ob junge Muslime aufgrund ihrer religiösen Orientierung besonders empfänglich für extreme Botschaften sind. Einfluss von Religion auf Radikalisierung "In der Forschung kursieren zwei Thesen: ,Der Islam hat sich radikalisiert' und die These, es gebe eine Islamisierung der Radikalität", sagt Andreas Zick, Direktor des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, auf Anfrage. "Diese Thesen wollen wir prüfen an Einzelfällen, Biografien, Gruppendynamiken radikaler Personen, aber auch weniger stark radikalisierten jungen Menschen, die sich für radikale Botschaften interessieren", beschreibt Zick das Prozedere. Es gehe zentral um die Frage, welchen Einfluss die Religion auf die Radikalisierung habe. "Wir analysieren dazu Textsorten, führen Interviews und wir beobachten Online-Netzwerke." Unterschied zwischen Männern und Frauen Ein weiterer Aspekt der Forscher ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Zick: "Wir möchten untersuchen, ob sich junge Frauen von jungen Männern im Verhältnis zu religiösen Fragen unterscheiden." Auch wollen die Forscher herausfinden, ob Moscheegemeinden mit ihrer Bildungsarbeit als Korrektiv wirken können. Das zweijährige Forschungsprojekt werde eine sehr hohe Relevanz für die in Bund, Ländern und Kommunen laufenden Präventionsprogramme haben. Davon sind Zick und sein Kollege Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück, das ebenfalls am Projekt beteiligt ist, überzeugt. Das Bundesfamilienministerium fördert die Arbeit der Forscher mit insgesamt knapp 400.000 Euro. Über 5.000 Postings analysiert Die beiden Universitäten haben das Forschungsnetzwerk Radikalisierung und Prävention gegründet, das bereits im vergangenen Sommer eine Studie zur dschihadistischen Jugendszene in Deutschland vorgelegt hat. Darin wurden knapp 5.800 Postings von Jugendlichen analysiert, die einer dschihadistischen Gruppe zugerechnet werden. Dabei zeigte sich letztlich, "dass die Gruppenmitglieder offenkundig nur über rudimentäre oder gar keine Islamkenntnisse verfügen", wie es im Abschlussbericht der Studie heißt. Selbst die Gestaltung einfachster ritueller Alltagshandlungen, wie etwa die Verrichtung des Pflichtgebets, sei Teilen der Gruppenmitglieder nicht bekannt gewesen.

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