Der ehemalige Bundespräsident Gauck erinnert in Stukenbrock an sowjetische Kriegsopfer. - © Andreas Zobe
Der ehemalige Bundespräsident Gauck erinnert in Stukenbrock an sowjetische Kriegsopfer. | © Andreas Zobe

Schloß Holte-Stukenbrock Stalag 326: Land will Stukenbrocker Gedenkstätte stärker fördern

Der NRW-Kulturstaatssekretär spricht von einer „internationalen Bedeutung“ des Ortes.

Lothar Schmalen

Schloß Holte-Stukenbrock. Die NRW-Landesregierung ist bereit, bei der Weiterentwicklung der Dokumentationsstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock zu einer größeren Gedenkstätte Unterstützung, auch finanzieller Art, zu leisten. Das hat Klaus Kaiser (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Kulturministerium, im Gespräch mit dieser Zeitung zugesichert. „Dieser Ort hat nationale und internationale Bedeutung. Es ist sehr sinnvoll, hier Erinnerungsarbeit zu leisten und Geschichte im Sinne historischer und politischer Bildung darzustellen“, sagte Kaiser. Er reagiert mit diesen Äußerung auch auf eine Initiative von Landtagspräsident André Kuper (CDU, Rietberg), der in einem Lenkungskreis alle wichtigen Personen und Institutionen versammelt hat, um das Projekt Gedenkstätte Stalag 326 voranzubringen. Der hochkarätige Lenkungskreis trifft sich am Donnerstag, 11. Januar, im Rathaus von Schloß Holte-Stukenbrock zum zweiten Mal. Die zum Kulturministerium gehörende Landeszentrale für politische Bildung fördert die von einem Förderverein seit 1997 betriebene Dokumentationsstätte in Stukenbrock-Senne seit mehreren Jahren. Für 2018 ist der Ansatz noch einmal um 75.000 Euro erhöht worden, wie Hans Wupper, Leiter des Referats Gedenkstättenförderung in der Landeszentrale für politische Bildung, erläuterte. Der Staatssekretär betonte, dass als nächste Schritte ein Gesamtkonzept über die museale Arbeit und die daraus resultierenden baulichen Erfordernisse sowie eine Verbreiterung des wissenschaftlichen Fundaments erforderlich seien. Ein erster Schritt zu Letzterem ist eine große wissenschaftliche Tagung an der Universität Bielefeld, die zurzeit vom Historiker Thomas Welskopp vorbereitet wird. Das Symposium soll den historischen Kontext des Stammlagers 326 durchleuchten. Stalag 326 mit dem dazugehörenden Friedhof war das größte Lager für sowjetische Kriegsgefangene auf dem Boden des ehemaligen Deutschen Reiches. Die Kriegsgefangenen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion waren nach den Juden die zweitgrößte Opfergruppe des zweiten Weltkriegs. In dem Symposium geht es um den generellen Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des „Unternehmens Barbarossa“, dem Vernichtungskrieg gegen die UdSSR. Das Alleinstellungsmerkmal der Gedenkstätte Stalag 326 in Stukenbrock bestehe darin, dass die Leiden, Misshandlungen und das willkürliche Verhungern-Lassen der sowjetischen Kriegsgefangenen bis heute keinen anderen würdigen Gedenkort von überregionaler Bedeutung in Deutschland gefunden hat, sagt der Historiker Welskopp. Der Westfälische Heimatbund mit dem Vorsitzenden Matthias Löb an der Spitze plant außerdem einen Aufruf an alle 550 Heimatvereine mit ihren insgesamt 130.000 Mitgliedern. Der Aufruf richtet sich an Zeitzeugen, die über den Einsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen aus Stukenbrock in der Wirtschaft oder über andere Aspekte des Umgangs mit den sowjetischen Kriegsgefangenen berichten können. Auch die Dokumentationsstätte unter der Leitung von Fördervereinsgeschäftsführer Oliver Nickel dehnt ihre Arbeit weiter aus. Bislang geht es bereits um pädagogische Angebote für Schülergruppen, Vorbereitungen für ein Gesamtkonzept und Archivarbeiten. Zum Jahresbeginn hat eine weitere Kraft ihre Arbeit aufgenommen. Sie befasst sich um die Aufarbeitung der Nachfolgenutzung des Stukenbrocker Geländes als Flüchtlingslager nach dem Krieg.

realisiert durch evolver group