Das sind die Botschafter für NRW. - © Dpa
Das sind die Botschafter für NRW. | © Dpa

Düsseldorf Landesregierung NRW lässt Promis den Begriff "Heimat" erklären

Vom Sternekoch bis zum Schauspieler haben alle genaue Vorstellungen – mal enger gefasst, mal weiter

Florian Pfitzner
15.12.2017 | Stand 15.12.2017, 10:49 Uhr

Düsseldorf. Erst hat die NRW-Regierung für die „Heimat" extra ein eigenes Ministerium eingerichtet, jetzt lässt sie große Persönlichkeiten für den gefühligen Modebegriff werben. Auf der Liste, die dieser Zeitung vorliegt, stehen die Namen nordrhein-westfälischer Prominenter aus Kirche, Sport und Kultur sowie Wirtschaft und Politik. Brigitte Mohn über Heimat Einer, der sich in Düsseldorf zuhause fühlt, erklärte sich sofort bereit, als ihn das Ministerium angerufen hat: Volksmusikstar Heino. „Heimat ist da, wo meine Freunde und Familie sind", sagt er: „Wenn ich Heimatluft schnuppere, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt." Aus Ostwestfalen-Lippe hat unter anderem Brigitte Mohn zugesagt, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Heimat heißt für sie, sich „an einem Platz zuhause und geborgen zu fühlen". Die westfälische Präses Annette Kurschus verortet Heimat da, „wo die Menschen nicht fragen, wie bedeutsam oder erfolgreich du bist, sondern wo sie dich mögen und lieben, weil du so bist wie du bist". Botschafter sollen Begriff Heimat mit Leben füllen Vor lauter Globalisierung und Digitalisierung sehnt man sich zunehmend nach Halt, glaubt die schwarz-gelbe Landesregierung. „Die Welt ist unübersichtlich geworden", erklärt Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU). „Umso mehr mögen die Menschen das Regionale." Die „Heimatbotschafter" sollen den strapazierten Begriff mit Leben füllen. „Heimat ist vielfältig", sagt Scharrenbach, „sie grenzt niemanden aus, sondern vereint." Mithat Gedik, muslimischer Schützenkönig aus Werl, dessen Glaube seinem Amt zunächst im Weg stand, schlägt vor, Verkrustungen aufzubrechen. „Wenn Gesetze oder Vorgaben nicht mehr zeitgemäß sind und Menschen so das Heimatgefühl genommen wird, ist es an der Zeit, etwas zu ändern." Hans Sarpeis Heimat ist die Welt Wie die Ministerin sieht Landtagspräsident André Kuper aus Rietberg eine komplexere Welt, geprägt von Schnelllebigkeit und Anonymität. Er stellt deshalb auch eine gewisse Rückbesinnung aufs Regionale fest. Heimat erfahre „neuen Wert und neue Wertschätzung". Ex-Fußballprofi und TV-Promi Hans Sarpei legt es großzügig aus: „Meine Heimat ist Tema in Ghana, meine Heimat ist Köln, meine Heimat ist die Welt", sagt er. Sein früherer Chef beim FC Schalke 04, Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies, macht den Heimatbegriff an einem klassischen Samstag fest: „Morgens in Rheda der Austausch und die Gespräche an den Marktständen", erzählt der Fleischfabrikant. Kurz noch einen Espresso „und dann ab auf Schalke – das ist Heimat". Watzke: "Heimat ist ein Gefühl" Da ist er sich mit seinem Rivalen aus dem Ruhrgebiet einig. Ihm gehe es vor allem um Vertrautheit, sagt Heimatbotschafter Hans-Joachim „Aki" Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Außerdem gehörten für ihn Geborgenheit, Verlässlichkeit und Sicherheit dazu – neben Freunden und Familie. „Heimat ist ein Gefühl", sagt Watzke, „tief in mir drin." Im Rheinland denken sie vor allem an den Kölner Dom. Wenn er aus der Ferne die Türme sieht, „dann ist das Heimat", sagt Rainer Maria Kardinal Woelki und zitiert einen Karnevalshit: „Kölle es e Jeföhl." Sternekoch Nelson Müller sieht das genauso, er sagt: „Da wo dein Herz ist, ist dein Zuhause." Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) denkt ebenfalls an einen Dom, allerdings an den in Aachen, seiner „europäischen Heimatstadt". Der Recklinghäuser Schauspieler Ralf Möller bringt seine Heimatliebe knackig auf den Punkt: „Familie, Freunde, Erinnerungen."

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