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Aktuell gibt es keine Angebote für Grundschüler ohne Religionszugehörigkeit, 
so entfallen pro Schuljahr 85 Unterrichtsstunden. Das will die NRW-Landesregierung ändern. - © picture alliance / dpa
Aktuell gibt es keine Angebote für Grundschüler ohne Religionszugehörigkeit, 
so entfallen pro Schuljahr 85 Unterrichtsstunden. Das will die NRW-Landesregierung ändern. | © picture alliance / dpa

Düsseldorf Plan: Pflichtfach Philosophie für konfessionslose Kinder

Aktuell gibt es keine Angebote für Grundschüler ohne Religionszugehörigkeit, 
so entfallen pro Schuljahr 85 Unterrichtsstunden

Carolin Nieder-Entgelmeier
14.12.2017 | Stand 14.12.2017, 13:40 Uhr

Düsseldorf. Der Religionsunterricht an Schulen wird stetig erweitert: In NRW wird mittlerweile in den acht Bekenntnissen evangelisch, katholisch, syrisch-orthodox, orthodox, jüdisch, islamisch, alevitisch und mennonitisch unterrichtet. Alternativangebote für konfessionslose Kinder gibt es hingegen nur an weiterführenden Schulen, für Grundschüler entfällt die Unterrichtszeit. Doch das soll sich bald ändern. Die Landesregierung arbeitet bereits an der Einführung von Ethikunterricht an Grundschulen. Mehr als 110.000 Kinder könnten profitieren Die schwarz-gelbe Koalition setzt damit ein Versprechen ihres Koalitionsvertrags um. In einem Antrag an die Landesregierung fordert nun auch die grüne Landtagsfraktion ein Pflichtfach für konfessionslose Grundschüler. In ihrer Zeit in der abgewählten rot-grünen Landesregierung haben die Grünen das Fach nicht eingeführt. Im Antrag der bildungspolitischen Sprecherin Sigrid Beer aus Paderborn und weiteren Abgeordneten heißt es: „Damit sich alle Kinder mit Sinn- und Wertefragen befassen können, wird Philosophieunterricht an Grundschulen in NRW als Ergänzung des Religionsunterrichts notwendig." Von der Einführung des Fachs könnten mehr als 110.000 Kinder profitieren, sagt Philosophieprofessor Klaus Blesenkemper von der Universität Münster. Im Schuljahr 2016/17 haben von 632.693 Schülern 521.803 Schüler am Religionsunterricht teilgenommen. „Somit wurde 110.890 Schülern ein Unterricht zu Grundfragen der menschlichen Existenz und des generellen Weltverständnisses nicht erteilt." Grundschule in Münster erprobt Philosophieunterricht So fallen für die Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, pro Schuljahr etwa 85 Unterrichtsstunden aus, weil sie in Auffanggruppen betreut, aber nicht unterrichtet werden, ergänzt Anne Goebels, Mitarbeiterin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung Köln. „Diese Situation ist weder für wissbegierige Kinder und ihre Erziehungsberechtigten noch für Lehrer akzeptabel und widerspricht dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule." Die Primus-Grundschule in Münster erprobt Philosophieunterricht bereits. „Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht, deshalb gibt es keinen Grund, die Einführung nicht umzusetzen", sagt Pädagogin Barbara Wenders. Philosophieunterricht wird zum Teil schon seit Jahrzehnten in acht Bundesländern in Grundschulen angeboten, ergänzt Blesenkemper. Der Unterricht sollte allerdings nicht als Ethikunterricht bezeichnet werden. „Mit Ethik ist nur ein Bereich der Philosophie angesprochen."

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