Kindererziehung ist einer der größten Gründe für Frauen in Teilzeit zu gehen. - © picture alliance / Bildagentur-online/Begsteiger
Kindererziehung ist einer der größten Gründe für Frauen in Teilzeit zu gehen. | © picture alliance / Bildagentur-online/Begsteiger

Düsseldorf Teilzeit ist für Frauen ein "Karriere-Killer"

Tagesthema: Warum Männer im öffentlichen Dienst bei Beförderungen bevorzugt werden

Lothar Schmalen
04.09.2017 | Stand 04.09.2017, 13:46 Uhr

Düsseldorf. Frauen werden im öffentlichen Dienst immer noch stark benachteiligt, vor allem bei Beförderungen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Deutsche Beamtenbund NRW jetzt im Vorfeld der geplanten Änderung des Landesbeamtengesetzes vorlegt. In der Änderung soll die von der früheren rot-grünen Landesregierung einführte und verfassungsrechtlich umstrittene Frauenförderungspassung wieder gestrichen werden. Die Studie weist nach, dass Frauen zwar mehr als die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in NRW ausmachen (58,7 Prozent), aber in den höheren Besoldungsgruppen, also in Führungspositionen, stark unterrepräsentiert sind. So beträgt etwa in der Justizverwaltung der Frauenanteil bei A 9, einer unteren Einkommensgruppe, mehr als 80 Prozent, bei hohen Gehältern, aber nur knapp über 20 Prozent. Nicht anders ist es in der Finanzverwaltung, wo 65 Prozent Frauen in den unteren kaum mehr als 15 Prozent in den hohen Besoldungsgruppen gegenüberstehen. Bei Polizei und Innerer Verwaltung sinkt der Frauenanteil in den unteren Gruppen von 40 Prozent auf unter zehn Prozent in den hohen Besoldungsgruppen. Deutliche Verschiebung zu Ungunsten der Frauen Vor allem in der Gruppe der 31- bis 47-Jährigen werden Frauen bei der Beförderung offenbar benachteiligt. Laut Studie hängt dies vor allem mit der Teilzeitbeschäftigung zusammen. Der Anteil der Ganztagsbeschäftigten sinkt bei Frauen in der genannten Altersgruppe von 90 auf 40 Prozent, bei den Männern hingegen sinkt er nie unter 90 Prozent. Die Folge: Im öffentlichen Dienst sind 86,1 Prozent der Teilzeitbeschäftigten Frauen. In den für die Beförderungen entscheidenden Beurteilungen seien Teilzeitbeschäftigte deutlich benachteiligt gegenüber Ganztagsbeschäftigten. Ergebnis: Männer erhalten bis zu doppelt so häufig die Bestnote "Hervorragend" wie Frauen. Kommentar Dringender Handlungsbedarf Die Zahlen der neuen Studie zur Situation von Frauen im öffentlichen Dienst sind eindeutig. Während sie insgesamt in der Mehrheit unter den Beschäftigten sind, werden sie vor allem bei den Beförderungen benachteiligt. Wie anders wäre es zu erklären, dass die deutliche Mehrheit in den Führungspositionen plötzlich zu einer kleinen Minderheit wird. Die Zahlen belegen auch, dass Frauen vor allem wegen der bei ihnen weit verbreiteten Teilzeitbeschäftigung im Nachteil sind. Die Studie hat herausgearbeitet, dass Teilzeitbeschäftigte schon bei den Beurteilungen benachteiligt werden, so dass sie dann natürlich auch bei den Beförderungen das Nachsehen haben.Der Versuch der alten Landesregierung, nicht schon an den Beurteilungen, sondern erst bei den Beförderungen anzusetzen, um der Benachteiligung von Frauen Herr zu werden, war untauglich und rechtlich nicht haltbar. Wenn die neue Landesregierung die Regelungen, von denen Kritiker sagen, dass sie auch Frauen mit weniger guten Qualifikationen bevorzugen würden, jetzt wieder abschaffen will, so geschieht dies, um Rechtssicherheit herzustellen. Eine schlichte Rolle rückwärts aber wäre es, wenn sie es dabei bewenden ließe. Die Benachteiligung von Frauen muss anders und wirkungsvoller bekämpft werden. Der Hinweis der Verwaltungswissenschaftler, dass die Ursachen bereits in den Beurteilungen liegen, die Frauen und Teilzeitbeschäftigte (und damit wieder meistenteils Frauen) benachteiligen, zeigt in die richtige Richtung. Er sollte nicht ungehört verhallen. Kontakt zum Autor

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