Der Diesel ist sauber, ist Ralph Pütz überzeugt. - © picture alliance / Christian Charisius/dpa
Der Diesel ist sauber, ist Ralph Pütz überzeugt. | © picture alliance / Christian Charisius/dpa

Diesel-Skandal Dieser Experte bricht eine Lanze für den Dieselmotor / Er reinige die Luft

Ralph Pütz ist Professor und Spezialist für Nutzfahrzeugforschung und Abgasanalytik an der Hochschule Landshut. Der Diesel sei sauber

Ralf Müller

Herr Pütz, mit einer neuen Software sollen Dieselautos, die schon auf den Straßen unterwegs sind, sauberer werden, was die Stickoxide angeht. Ist das so einfach? Ralph Pütz: Wenn man durch Software-Update innermotorisch die Stickoxide reduziert, steigen Verbrauch und auch die Partikelemissionen. Beides geht zu Lasten des Kunden, weil er höhere Treibstoffkosten und unter Umständen mehr Werkstattkosten durch Versotten der Abgasrückführventile hat. Kann man diesen Mehrverbrauch quantifizieren? Pütz: Das kommt darauf an, inwieweit die Stickoxide reduziert werden sollen. Es gibt einen Zielkonflikt zwischen Partikelausstoß und Verbrauch einerseits und Stickoxiden andererseits, wenn man innermotorisch optimiert. Am besten, man stellt den Motor auf optimalen Verbrauch ein und reduziert die Stickstoffoxidemissionen durch Abgasnachbehandlung. Das ist die Technik mit AdBlue. Man kann also die Diesel-Fahrzeuge, die schon auf den Straßen unterwegs sind, nicht nachrüsten, ohne erhebliche Nachteile in anderen Bereichen in Kauf zu nehmen? Pütz: So ist es. Ganz klar. Könnten wir dann wieder ein Feinstaub-Problem bekommen? Pütz: Das glaube ich nicht, denn die meisten Dieselfahrzeuge sind ja mit Partikelfilter ausgerüstet. Das heißt, neben der Versottung der Abgasrückführventile werden die Partikelfilter vorzeitig beladen, was frühzeitigere Werkstattbesuche erfordert, um die Partikelfilter zu regenerieren. Wird bei der Hauptuntersuchung festgestellt, ob der Filter noch richtig funktioniert? Pütz: Man kann es feststellen, wenn der Partikelfilter mit Abgasgegendrucksensoren ausgestattet ist. Wenn der Abgasgegendruck einen bestimmten Wert überschritten hat, merkt man, dass der Filter voll beladen ist. Aber in der Regel sind die Emissionen vom TÜV gar nicht mehr nachprüfbar. Die fahrzeugeigenen Systeme sagen, ob der Partikelfilter in Ordnung ist oder nicht. Das ist so, als würde ich meinen Studenten die Klausuren zurückgeben und sagen: Bewertet euch selber. Können Sie nicht doch eine Hausnummer nennen, um wie viel die jetzt debattierten Software-Updates den Kraftstoffverbrauch erhöhen? Pütz: Schwer zu sagen, aber ich denke, mindestens fünf Prozent. Das würde wieder mehr Treibhausgase bedeuten? Pütz: Jawohl. Kohlenwasserstoff, also Treibstoff, verbrennt idealerweise zu Kohlendioxid. Und damit verhält sich die Kohlendioxidemission direkt proportional zum Treibstoffverbrauch. Im Augenblick liegt der Fokus von Politik und Öffentlichkeit auf Stickoxid und die Einhaltung dieser Grenzwerte. Könnte denn das Aufspielen der Software dazu beitragen, das Stickoxid-Problem zu lösen? Pütz: Das ist möglich, aber inwieweit das Problem komplett gelöst wird, ist zu hinterfragen. Man möchte dem Kunden ja auch nur einen bestimmten Treibstoffmehrverbrauch zumuten. Wie sehen Sie die Zukunft des Diesels: Auslaufmodell oder Übergangstechnik? Pütz: Der Diesel ist hoch sauber. Er ist die CO2-günstigste Verbrennungskraftmaschine. Es gibt eine Abgas-Nachbehandlungstechnik, mit der sogar die Luft gereinigt werden kann. Das heißt: Was ein solcher Dieselmotor ansaugt, ist schmutziger als das, was hinten rauskommt. Der beste Dieselbus der Welt, den wir vor einigen Wochen in Paderborn messen durften, reinigt regelrecht die Luft. Der nachgerüstete Euro-5-Gelenkbus hat Emissionen, die besser sind als die eines Mittelklasse Euro-6-Pkw. Und so etwas soll in einem Pkw nicht gehen? Um wie viel würde ein solcher super sauberer Diesel-Pkw mehr kosten als ein heutiger? Pütz: Mir wurde von dem Hersteller des Linienbusses, der praktisch zum Luftreiniger gemacht wurde, versichert, dass ein solches System für einen Pkw maximal 3.500 Euro kosten würde. Es gibt einen weiteren Hersteller, der einen Pkw für 2.500 Euro auf Euro 6 gebracht hat. Ich würde sagen: 3.500 Euro mehr und das Fahrzeug reinigt die Luft! Forderungen nach einer generellen Abschaffung des Dieselmotors halten Sie also für falsch? Pütz: Diejenigen, die die Abschaffung des Diesels fordern, haben keine Fachkenntnis. Das ist reine Politik, um eine nicht serienreife Elektromobilität zwangsweise in den Markt zu bringen. Der Diesel ist hoch sauber, wenn man die richtige ohne weiteres verfügbare Technik einsetzt.

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