Eine medizinische Fakultät an der Universität Bielefeld wird absehbar. - © Sarah Jonek
Eine medizinische Fakultät an der Universität Bielefeld wird absehbar. | © Sarah Jonek

Düsseldorf/Bielefeld 50 Millionen für medizinische Fakultät an der Uni Bielefeld

Bereits seit Jahren kämpfen Politiker, Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Uni für die Errichtung einer solchen Fakultät

Lothar Schmalen
06.06.2017 | Stand 13.06.2017, 18:19 Uhr

Düsseldorf/Bielefeld. Der jahrelange Kampf um eine medizinische Fakultät an der Bielefelder Universität steht vor einem erfolgreichen Abschluss. CDU und FDP haben in ihren Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Landesregierung beschlossen, zunächst 50 Millionen Euro für die Gründung einer „medizinischen Vollfakultät" an der Universität Bielefeld bereitzustellen. Das hat der CDU-Chef und designierte Ministerpräsident Armin Laschet gemeinsam mit Andreas Pinkwart, einer der Verhandlungsführer der FDP, in Düsseldorf bekanntgegeben. Unklar ist noch, bis wann die neue Fakultät eingerichtet werden soll und inwieweit die erst kürzlich angelaufene praktische Ausbildung von angehenden Medizinern an Kliniken in Minden und Herford in Kooperation mit der Universität Bochum an die neue Fakultät angedockt werden kann. Jahrelanges Ringen um Medizin-Fakultät Seit Jahren kämpfen Politiker, die Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Bielefelder Universität um eine medizinische Fakultät. Durch einen entsprechenden Klebeeffekt soll sie vor allem für mehr Ärzte im ländlichen Raum Ostwestfalen-Lippe sorgen. An der Universität Siegen soll außerdem eine Medizinerausbildung in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn eingerichtet werden, sagte Pinkwart, der bereits als Wissenschaftsminister der NRW-Regierung unter Jürgen Rüttgers (CDU) angehört und sich für eine medizinische Fakultät eingesetzt hatte – bis er durch die Wahlniederlage der schwarz-gelben Regierung 2010 gestoppt worden war. Ärztemangel in ländlichen Regionen bekämpfen Unterdessen hat die Apothekerkammer Westfalen-Lippe angesichts des demografischen Wandels zusätzlich eine pharmazeutische Fakultät für Ostwestfalen-Lippe gefordert. „In den nächsten zehn Jahren werden allein in Westfalen-Lippe rund 600 Apotheker in den Ruhestand gehen", sagte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening dieser Zeitung. „Deshalb brauchen wir neben Münster dringend einen zusätzlichen Studienort für die ländlichen Regionen." Auf ein Stellengesuch kämen derzeit 10 bis 14 Angebote, sagte Overwiening. Dies zeige den hohen Bedarf in Westfalen-Lippe. Derzeit zählt die Kammer in ihrem Zuständigkeitsbereich 1.988 Apotheken mit rund 16.000 Angestellten. Die 1.520 Inhaber sind im Durchschnitt 54 Jahre alt – zwölf Jahre älter als ihre Angestellten. „138 Apothekenleiter haben bereits die Altersgrenze von 67 Jahren überschritten und arbeiten wegen der Verbundenheit zu ihren Kunden weiter, ähnlich wie einige Landärzte", sagte die Kammerpräsidentin.

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