Effektiv, aber gefährlich: Die Flamme von Unkrautbrennern ist bis zu 1.800 Grad heiß. - © picture-alliance / dpa/dpaweb
Effektiv, aber gefährlich: Die Flamme von Unkrautbrennern ist bis zu 1.800 Grad heiß. | © picture-alliance / dpa/dpaweb

Bielefeld Brandgefährliche Gartenarbeit mit Gasbrennern

Hobbygärtner vernichten so nicht nur Unkraut, sondern auch Häuser. In den vergangenen Wochen mussten die Feuerwehren in Ostwestfalen-Lippe wieder mehrfach ausrücken.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. In kurzen Hosen und Schlappen, ausgestattet mit Gasbrennern, rücken sie aus, um dem Unkraut zu Leibe zu rücken. Immer dann, wenn sich der Frühling von seiner schönsten Seite zeigt, werden in Gärten die ungeliebten Pflanzen vernichtet. Mit der bis zu 1.800 Grad heißen Flamme zerstören die Hobbygärtner jedoch auch Hecken, Bäume, Carports und Häuser. In Ostwestfalen-Lippe mussten die Feuerwehren in den vergangenen Wochen wieder mehrfach ausrücken, um Brände zu löschen. Am 20. Mai setzt ein Hobbygärtner in Spenge im Kreis Herford beim Abflämmen von Unkraut eine 3,50 Meter hohe Zypresse in Brand. Die Feuerwehr kann das Übergreifen der Flammen auf das danebenstehende Einfamilienhaus gerade noch verhindern. Fünf Tage später fackelt ein Hausbesitzer in Schloß Holte-Stukenbrock gleich mehrere Zypressen ab, als er mit einem Propangasbrenner Unkraut abflämmt. Als die Feuerwehr anrückt, ist die Hecke trotz der Löschversuche des Hausbesitzers bereits komplett abgebrannt und das Feuer dehnt sich von einem Dachüberstand auf den Dachstuhl des Hauses aus. 30 Einsatzkräfte löschen das Feuer und müssen anschließend Teile des Daches abdecken, um auch die Glutnester abzulöschen. Im Mai 2016 verliert eine Familie in Bad Salzuflen ihr Haus Einen weiteren Brand verursacht am 26. Mai ein Hausbesitzer in Bielefeld. Der Mann setzt mit einem Unkrautbrenner eine Hecke in Brand. Als der Notruf die Feuerwehr ereilt, brennen die Lebensbäumen bereits lichterloh. Die Feuerwehr löscht die 2,50 Meter hohe Hecke, entdeckt anschließend jedoch noch einen Schwelbrand am Haus. Die 20 Einsatzkräfte müssen die beschädigte Verkleidung des Schornsteins abnehmen, um eine Ausweitung des Brandes zu verhindern. Auch im vergangenen Jahr haben mehrere Hausbesitzer in Ostwestfalen-Lippe mit Unkrautbrennern schwere Brände verursacht. In Bad Salzuflen hat im Mai 2016 sogar eine Familie ihr Haus verloren, weil ihr Nachbar einen Mann zum Unkrautvernichten mit einem Propangasbrenner beauftragt hat. Die Feuerwehren raten deshalb dringend vom Unkrautvernichten mit Gasbrennern ab. „Gasbrenner sollten nicht von Laien genutzt werden, weil sie die Faktoren Windstärke, Funkenflug und Windrichtung nur schwer einschätzen können", erklärt Thomas Deckers vom Verband der Feuerwehren in NRW. Beachtet werden müssen auch herumfliegende Samen oder Pollen, die wie Feuerbrücken wirken und durchzünden. „Trockene Pflanzen geraten explosionsartig in Brand" Besonders gefährlich ist der Einsatz von Unkrautbrennern in der Nähe von trockenen Hecken, Sträuchern und Bäumen. Insbesondere Zypressen oder Buchen, da die Pflanzen nicht trocken aussehen. „Von außen sind Zypressen grün, innen aber meist trocken", erklärt der stellvertretende Wehrführer der Feuerwehr Spenge, Klaus Greulich. „Trockene Pflanzen geraten explosionsartig in Brand und können in der Regel nicht mehr von Laien mit einem Gartenschlauch gelöscht werden", ergänzt Deckers. Ein Übergriff der Flammen von Pflanzen auf Gebäude sei dann häufig die gefährliche und teure Folge. Brände sind jedoch nicht die einzige Gefahr beim Abflämmen von Unkraut. „Wer mit Gasbrennern hantiert, sollte Schutzkleidung tragen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren", rät Deckers. Kurze Hose und Schlappen reichen nicht aus, denn die Flamme des Gasbrenners strahlt von Asphalt oder Pflastersteinen ab. Professionell setzen vor allem Handwerker Gasbrenner ein. Dachdecker nutzen die bis zu 1.800 Grad heiße Flamme zum Beispiel für das Erhitzen der Schweißbahnen von Teerdachpappen, allerdings in passender Kleidung.

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