Hinweisschild: So wie hier auf einem REWE-Parkplatz kennzeichnen Unternehmen die Parkbedingungen vor Supermärkten. - © dpa
Hinweisschild: So wie hier auf einem REWE-Parkplatz kennzeichnen Unternehmen die Parkbedingungen vor Supermärkten. | © dpa

Bielefeld/Düsseldorf Knöllchen-Gefahr: Immer mehr Supermärkte lassen ihre Parkplätze überwachen

Für die Kunden kann es teuer werden, wenn sie sich nicht an die Vorgaben halten

Carolin Nieder-Entgelmeier
11.05.2017 | Stand 11.05.2017, 13:50 Uhr

Bielefeld/Düsseldorf. Auf deutschen Supermarktparkplätzen weht zurzeit ein rauer Wind. Wer dort zu lange parkt oder vergisst, eine Parkscheibe ins Auto zu legen, muss mit teuren Knöllchen rechnen. Schon das Überschreiten der Parkzeit um wenige Minuten kann 30 Euro kosten. In Extremfällen werden Autos abgeschleppt. Als moderne Wegelagerei empfinden das viele Betroffene. Die Händler verteidigen ihr Handeln dagegen als Notwehr. In Ostwestfalen-Lippe berichten Kunden mitunter von kuriosen Fällen. Neu sind Knöllchen auf den Parkplätzen der großen deutschen Supermarktketten Aldi, Edeka, Lidl, Rewe und Real nicht, allerdings entscheiden sich immer mehr Händler für die Überwachung der Parkplätze durch externe Firmen. Auf Anfrage erklärt die Sprecherin der Edeka-Regionalgruppe Minden-Hannover, Mareike Polonius, dass das üblich ist, weil viele Parkplätze missbräuchlich genutzt werden, vor allem in der Nähe von Bahnhöfen. „Um unseren Kunden weiter die Möglichkeit des bequemen und barrierefreien Parkens in direkter Nähe unserer Märkte anbieten zu können, ist Parkplatzüberwachung durch externe Dienstleister leider häufig notwendig", sagt Polonius. Insbesondere dann, wenn Behindertenparkplätze ohne entsprechenden Ausweis genutzt werden. Die Entscheidung für eine Überwachung liege jedoch in der Verantwortung der Händler oder Vermieter. „Ständig belegte Parkplätze sind ein Wettbewerbsnachteil" Laut Handelsverband OWL spielt die Überwachung von Parkplätzen vor allem bei großen Geschäften mit vielen Stellflächen eine immer größere Rolle. „Ständig belegte Parkplätze sind ein Wettbewerbsnachteil, den sich kein Händler leisten kann", sagt Geschäftsführer Thomas Kunz. Daher sei die Überwachung von Parkplätzen ein Service für die Kunden, die auch tatsächlich einkaufen. „Außerhalb von Parkplätzen müssen sich Autofahrer auch an Regeln halten. Zudem sind die Parkbedingungen deutlich sichtbar." Die Unternehmen befürchten, dass Kunden zur Konkurrenz fahren, wenn Parkplätze dauerhaft belegt sind. „Wir können nicht einfach zusehen, wenn Pendler oder die Mitarbeiter benachbarter Büros die Kundenparkplätze belegen", bestätigt ein Rewe-Sprecher. In solchen Fällen beauftragen Marktverantwortliche oder Vermieter gerne Unternehmen wie „Park & Control" oder „Playfair-Parking". Rechtlich ist das in Ordnung, solange mit Schildern deutlich auf die Parkbedingungen und die Folgen von Zuwiderhandlungen hingewiesen wird. Zudem handelt es sich um privaten Grundbesitz. Das Gleiche gilt laut Rechtsschutzversicherer Arag für das Kassieren einer Strafe für überlanges Parken oder das Fehlen einer Parkscheibe. „Viele Händler wissen gar nicht, wie schlecht das bei Kunden ankommt" Das Vorgehen sorgt trotzdem für böses Blut. „Viele Händler wissen gar nicht, wie schlecht das bei Kunden ankommt", erklärt Rechtsanwalt Thomas Hollweck. Das Konfliktpotenzial sei besonders groß, wenn etwa eine Parkscheibenpflicht neu eingeführt werde. Zudem mehrt sich die Kritik an unverhältnismäßig hohen Strafen und an dem Verhalten der Kontrolleure. Die Bielefelderin Elke Vieth wurde auf dem Parkplatz einer Rewe-Filiale dazu aufgefordert, die Parkscheibe nicht hinter die Front-, sondern die Heckscheibe zu legen, weil sie vorwärts in eine Parklücke gefahren ist und dort eine Hecke dem Kontrolleur die Sicht versperrt hat. Doch als Vieth ihre Parkscheibe beim nächsten Einkauf im Kofferraum ihres Smarts platziert, weist sie ein anderer Kontrolleur darauf hin, dass er Parkscheiben nicht im Kofferraum sucht. Übrigens: Wer auf diesem Parkplatz die Parkscheibe vergisst, muss 19,90 Euro zahlen. Ähnliche Bedingungen herrschen auf dem Parkplatz einer Lidl-Filiale in Minden. Die zweifache Mutter Klara Brinker bemerkt an der Eingangstür des Marktes, dass sie die Parkscheibe vergessen hat, geht mit ihren beiden Kindern im Einkaufswagen zurück zu ihrem Auto und platziert die Parkscheibe. Als das der Kontrolleur sieht, stellt er ihr ein Knöllchen mit der Begründung aus, dass das Auto bereits einige Minuten ohne Parkscheibe auf dem Parkplatz gestanden hat. Ärger scheint nicht zuletzt durch die Art vorprogrammiert, wie das Vertragsverhältnis zwischen Überwachungsfirmen und Parkplatzbesitzern geregelt wird. Oft ist die Überwachung für die Parkplatzbesitzer kostenlos. Das heißt: Geld verdient das Unternehmen nur durch die Knöllchen. Kulantes Vorgehen ist demnach oft unerwünscht. Mit Material von dpa

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