Engagiert: Immer mehr Jugendliche sind politisch aktiv - so wie bei dieser Diskussionsveranstaltung im Schweriner Landtag während eines Workshops über Formen der Jugendbeteiligung. - © picture alliance / dpa
Engagiert: Immer mehr Jugendliche sind politisch aktiv - so wie bei dieser Diskussionsveranstaltung im Schweriner Landtag während eines Workshops über Formen der Jugendbeteiligung. | © picture alliance / dpa

OWL Trendwende: Junge Leute stärker an Politik interessiert

Repolitisierung: Wachsendes Engagement wirkt sich auf Eintrittszahlen zu Parteien, Kirchen und Gewerkschaften aus. Frauen ergreifen öfter das Wort als Männer


Bielefeld. Junge Menschen engagieren sich wieder und interessieren sich für Politik. „Man kann von einer globalen Repolitisierung sprechen. Alle profitieren davon, sowohl Parteien, Kirchen als auch Gewerkschaften", sagt Daniel Dettling, Politikwissenschaftler vom Zukunftsinstitut. Auch in OWL setzen sich immer mehr Menschen ein. Während die SPD in OWL im kompletten Jahr 2016 nur 47 Parteieintritte verzeichnete, traten in diesem Jahr bereits 55 Personen ein. Auch die regionale CDU, die Grünen und die FDP bestätigen regen Zulauf. Allein in den vergangenen vier Wochen habe die FDP in OWL 50 Neumitglieder gewonnen, beim CDU-Kreisverband Gütersloh waren es 2017 bereits 35. 15 Personen traten seit November den Grünen bei. Hans-Jürgen Wentzlaff, Geschäftsführer der IG Metall Bielefeld, kann den Trend auch für seine Gewerkschaft feststellen: „Wir haben seit zehn Jahren den höchsten Anteil an Mitgliedern in Betrieben, seit sechs Jahren haben wir keine Verluste." 43 Prozent der neuen Mitglieder seien unter 27 Jahre alt. Repolitisierung seit der Finanzkrise Neben der Mitgestaltung der Arbeitswelt der Zukunft treiben auch die aktuellen politischen Diskussionen die Menschen an, sich in Gruppen zu engagieren. Die Gewerkschaft Verdi bezieht klar Stellung gegen populistische Strömungen und bekommt dafür Zuspruch von jungen Menschen, berichtet Martina Schu, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi in Bielefeld. Dem Erzbistum Paderborn liegen keine aktuellen Zutrittszahlen vor, „gefühlt ist das gesellschaftliche Engagement aber größer geworden", sagt Sprecher Thomas Throenle. Die Bewegung der Repolitisierung besteht seit der Finanzkrise 2008/09, so Dettling. Ihren Höhepunkt habe sie mit der „Brexit"-Entscheidung der Briten im vergangenen Jahr erreicht. Ein Anstoß für die Jugend, politischer zu werden: „Die Krisen kommen näher. Junge Menschen haben etwas zu verlieren. Es geht plötzlich um ihre Zukunft", sagt Dettling. Der Trend werde noch etwa fünf bis zehn Jahre anhalten. „Das ist kein Hype, der in einem bis zwei Jahren vorüber geht", so der Experte. Dass sich insbesondere junge Leute engagieren, liegt daran, dass sie „zeitreicher sind als Ältere", so Dettling. Frauen seien sensibler als Männer, wenn es um einen gesellschaftlichen Rückfall von errungenen Werten, Freiheit und Gleichberechtigung geht. Außerdem seien sie mutiger, um dafür einzustehen. Zuletzt sei die Wahl Trumps ein Indikator für Frauen gewesen, das Wort zu erheben.

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