Das frühere Britenviertel an der Siegfriedstraße in Detmold. - © Archivfoto: Bernhard Preuss
Das frühere Britenviertel an der Siegfriedstraße in Detmold. | © Archivfoto: Bernhard Preuss

Detmold/Bielefeld Millionenstreit um von britischen Streitkräften verlassene Areale

Bürgermeister der Städte Bielefeld, Detmold, Gütersloh, Herford und Paderborn fordern vom Bund einen für die Kommunen verkraftbaren Kaufpreis. Sie schreiben zur Klärung an den Bund


Bielefeld/Detmold. Sozialwohnungen, Gewerbeflächen oder ein Bildungscampus: Die Pläne für eine künftige Nutzung der von britischen Streitkräften verlassenen Areale in Ostwestfalen-Lippe sind in den betroffenen Kommunen vielfältig. Für die Vermarktung zuständig ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Doch der Übergabeprozess in Form von Immobilienverkäufen gestaltet sich schwierig. Es geht um viel Geld. Denn nach Ansicht der Bürgermeister der betroffenen Kommunen Bielefeld, Detmold, Gütersloh, Herford und Paderborn sind die finanziellen Forderungen der BImA für den Verkauf der entsprechenden Immobilien zu hoch. Sie haben deshalb eine gemeinsame Resolution an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages verfasst, um hier eine Klärung in ihrem Sinne herbeizuführen. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht weiterkommen", begründet der Detmolder Bürgermeister Rainer Heller (SPD) den Vorstoß der Stadtoberhäupter aus OWL. In seiner Stadt geht es um den Ankauf von Reihen- und Mehrfamilienhäusern mit 320 Wohneinheiten durch die Stadt Detmold. Doch die Preisvorstellungen zwischen Kommune und BImA klaffen sehr weit auseinander. In einem der Neuen Westfälischen vorliegenden Papier der Stadt Detmold ist von einer Differenz von bis zu 100 Prozent die Rede. Neues Wohnquartier geplant Die unterschiedlichen Taxierungen kommen daher, dass die BImA den jetzigen Gebäudebestand taxiert, während die Kommune sich am Wert der künftigen planungsrechtlichen Nutzung der Fläche und Immobilien orientiert. Der Finanzausschuss solle feststellen, dass dies die richtige Herangehensweise ist, so die Bürgermeister. Dies habe der Haushaltsausschuss im Jahr 2012 so festgelegt. Auf dem in Detmold betroffenen Konversionsareal will die Stadt zunächst einen Teil der bestehenden Immobilien abreißen und dort ein neues Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen sowie Grünflächen entwickeln. Die unterschiedlichen Vorstellungen der Stadt und der BImA über den Kaufpreis machen nach Angaben von Bürgermeister Heller einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag aus. Die BImA ihrerseits beharrt auf ihren Vorstellungen. Auch zur Stärkung der Planungshoheit der Kommunen und Verbilligung von Grundstücken, die später für den sozialen Wohnungsbau genutzt werden sollen, haben die Kommunen deutliche Forderungen an die Bundesfinanzpolitiker gestellt. Sie sollen keinen finanziellen Ausgleich mehr zahlen müssen, weil die Siedlungen nicht mehr ihrem Zweck als militärisch genutzte Wohnungen dienen. Schulterschluss mit anderen Städten Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) sagt zur Motivation für die gemeinsame Resolution: „Angesichts der großen Herausforderung, die die Konversion für unsere Stadt in den kommenden Jahren darstellt, müssen wir unsere Interessen unter planungsrechtlichen und auch wirtschaftlichen Gründen wahren." Deshalb sei es „für uns auch sehr wichtig, das mit dieser Resolution im Schulterschluss mit den anderen Städten zu tun." Dieses Ansinnen unterstützt auch der Paderborner Landrat Manfred Müller (CDU), Vorsitzender der Landrätekonferenz in Ostwestfalen-Lippe. „Es ist uns daran gelegen, dass es weitergeht", sagt Müller auf Anfrage dieser Zeitung zum begonnenen Konversionsprozess. Der Bedarf für Wohnraum sei überall in der Region gegeben. Zumeist gehe es hier zudem um „Wohnungen für Haushalte, die es dringend nötig haben."

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