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In NRW tobt ein Streit um G8 und G9. - © dpa
In NRW tobt ein Streit um G8 und G9. | © dpa

Düsseldorf Schülervertreter fordern inklusive Gesamtschule

Streit um G8 und G9: NRW-Landesschülervertretung lehnt jede Form von Schulzeitverkürzungen ab.

Carolin Nieder-Entgelmeier
20.01.2017 | Stand 19.01.2017, 17:11 Uhr

Düsseldorf. Der Streit um die Schulzeitverkürzung hält an. Seit dem 5. Januar sammelt die Elterninitiative „G9 Jetzt” Unterschriften für ein Volksbegehren gegen das Turboabitur. Die Initiatoren des Volksbegehrens wollen erreichen, dass an Gymnasien in NRW das Abitur wieder nach neun (G9) statt nach acht Jahren (G8) abgelegt wird. Auch das gebundene Ganztagssystem soll nach Willen der Initiative abgeschafft werden. Auch die Landesschülervertretung NRW fordert die Rückkehr zu G9, hat aber einen eigenen Vorschlag zur Lösung des Streits um die Schulzeitverkürzung: Die inklusive Ganztagsgesamtschule. Die Landesschülervertretung (LSV) NRW spricht sich bereits seit einigen Jahren gegen jede Form von Schulzeitverkürzungen aus. „Wir Schüler fühlen uns unter Druck gesetzt und sind häufig überlastet. Unsere Jugend verbringen wir mit Hausaufgaben”, erklärt LSV-Vorstandsmitglied Christian Mohr aus Düsseldorf. Schuld an der Überlastung sei nicht das Modell der Ganztagsschule, sondern die Schulzeitverkürzung. Individuelle Lernmöglichkeiten Als Alternative fordert die LSV in NRW die inklusive Ganztagsgesamtschule, um Schülern mehr individuelle Lernmöglichkeiten zu ermöglichen und die Schule auch als Lebensraum sinnvoll gestalten zu können. Mit dieser Forderung verbinden die Schülervertreter die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, um die Selektion nach der Grundschulzeit zu beenden. „Eine Gesamtschule für alle ist das, was wir brauchen", sagt Mohr. Der Ganztag sei der zentrale Bestandteil des Konzepts, der frei einteilbare Lernzeit samt Regenerationspausen ermögliche. Nach Angaben von Mohr fördert das Konzept der inklusiven Ganztagsgesamtschule auch die Inklusion und damit auch die Chancengleichheit. Eine weitere Forderung der LSV ist die Einrichtung einer flexiblen Oberstufe, die Schüler in zwei bis vier Jahren durchlaufen können. „Die Einführungsphase kann übersprungen werden. Die darauffolgende Qualifikationsphase kann zwei bis drei Jahre dauern", erklärt Mohr. Damit wollen die Schülervertreter die Individualisierung der Lernzeit und das Setzen persönlicher Interessenschwerpunkte stärken. „Außerdem könnten Schüler mit weniger Leistungsdruck im eigenen Tempo lernen", ergänzt LSV-Vorstandsmitglied Luca Samlidis von der Bezirksschülervertretung Ennepe-Ruhr. Auch die westfälisch-lippische Landjugend setzt sich für Änderungen in der Schulpolitik ein. In ihrem Positionspapier fordern sie die Integration von Alltagsbildung in den Unterricht, die Einführung verbindlicher Jahresprojekte in den Schulalltag, die Ausweitung von Freizeit zur Stärkung des außerschulischen Engagements und nachhaltige Planung bei der Umsetzung der Inklusion. Der Verband kritisiert vor allem die Schließung von Förderschulen scharf.

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