Gefasst: Das Bild zeigt, wie ein Einbrecher ins Herforder Amtsgericht gebracht wird. Der Georgier war Bandenmitglied. - © Jobst Lüdeking
Gefasst: Das Bild zeigt, wie ein Einbrecher ins Herforder Amtsgericht gebracht wird. Der Georgier war Bandenmitglied. | © Jobst Lüdeking

Kreis Herford Wie Banden aus Georgien die Polizeibehörden in OWL beschäftigen

Organisierte Kriminalität: Wie die Männer bei ihren Einbrüchen und Diebstählen vorgehen

Jobst Lüdeking
18.03.2016 | Stand 18.03.2016, 13:02 Uhr

Kreis Herford. Die Tat erscheint vergleichsweise harmlos, ist für die Polizei aber fast tägliche Routine: Am Montag wird in einem Herforder Supermarkt ein Ladendieb erwischt. Seine Mittäter können fliehen. Wie sich herausstellt, kommt der 33-Jährige aus Georgien. Er gehört zu einer Täterklientel, mit der sich mittlerweile sogar das Bundeskriminalamt befasst. Auch die ostwestfälischen Polizeibehörden treffen immer wieder auf diese Klientel. "Mobile Diebesbanden aus Ost- und Südeuropa stellen uns vor eine große Herausforderung", erklärt der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch. "Mit gezielten Aufträgen, wie zum Beispiel Wohnungseinbrüchen, werden die Täter losgeschickt und grasen ganze Regionen ab." Die Beute werde anschließend im Inland über Hehler weiterverkauft oder ins Ausland geschafft. "In einem Projekt haben wir ausgewertet, dass die Hälfte der georgischen Tatverdächtigen als Asylbewerber registriert sind", sagt Münch. "Allerdings geht die Anerkennungsquote bei Asylbewerbern aus Georgien gegen null." Der Grund ihrer Reise nach Deutschland liege damit auf der Hand, ergänzt Münch. "Sie nutzen die Dauer ihres Asylverfahrens zur Begehung von bandenmäßig organisierten Eigentumsdelikten." Täter sind schnell wieder auf freiem Fuß Die lokalen Aktivitäten von kriminellen Netzwerken würden häufig als Klein- und Massenkriminalität wahrgenommen, so der BKA-Chef. Dahinter stünden aber vielfach organisierte Banden. Für Ermittler ist das jedoch kaum nachweisbar. Die Straftaten - oft werden Kosmetika, Zigaretten oder Elektroartikel erbeutet - werden erfasst, die Personalien der Tatverdächtigen aufgenommen, manchmal werden sie erkennungsdienstlich behandelt. Danach sind die Männer, vor allem dann, wenn sie einen festen Wohnsitz nachweisen können, wieder auf freiem Fuß, so wie auch der in Herford gefasste Georgier. Die Polizei in Bielefeld, so eine Sprecherin, verzeichnete 2015 eine Zunahme von Tatverdächtigen aus Georgien im Bereich Diebstahl von 167 auf 197 Fällen. Im Kreis Minden-Lübbecke wurden 131 Männer festgesetzt, 105 wegen Diebstahls. Teils unkonventionelle Methoden Im Kreis Herford hat sich die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen 2015 von 78 auf 148 fast verdoppelt. Am häufigsten registrierte die Kreispolizeibehörde Herford Ladendiebstähle von Georgiern. Die Tätergruppe ist nach Einschätzung der Herforder Ermittler auch maßgeblich für den Anstieg der Ladendiebstähle in Bünde und Vlotho verantwortlich, so Polizeisprecher Michael Albrecht. Dabei suchen die Banden Geschäfte mehrfach heim, teils mit unkonventionellen Methoden, wie ein Detektiv berichtet. Dabei gehen die Täter mit großen Taschen in Drogerie- und Supermärkte und räumen regalweise Pflegeprodukte ab. Anschließend marschieren sie nach draußen und sind weg - zumindest vorerst.

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