Nach der Testfahrt: Der neue Intercity 2 im Leipziger Hauptbahnhof. - © Franz Purucker
Nach der Testfahrt: Der neue Intercity 2 im Leipziger Hauptbahnhof. | © Franz Purucker

Bielefeld/Magdeburg Der doppelstöckige Intercity der Bahn im Test

Der neue IC 2 macht einen angenehmen Eindruck, hat aber auch seine Nachteile

Franz Purucker

Bielefeld/Magdeburg. Der neue Intercity 2 der Bahn: Vom Grundaufbau ähneln die neuen Züge den Dosto-Doppelstockwagen der Bahn, die aktuell im Regionalverkehr auf der Linie RE 6 Aachen-Bielefeld eingesetzt werden. "Der Eindruck täuscht nicht", bestätigt Kai Hähnchen von der Herstellerfirma Bombardier: "Es ist der gleiche Zugtyp, aber moderner ausgestattet". Von den Vernetzungen der Zugtechnik wird der Fahrgast nicht viel mitbekommen, dafür aber von der Innenausstattung. Wie im Fernverkehr üblich, verfügt der Zug über Kopfpolsterung und Fußstützen. Auch die Sitzabstände sind mit denen im Fernverkehr vergleichbar. Während an Steckdosen an jedem Sitzplatzpaar und LTE-Mobilfunkverstärker gedacht wurde, fehlen WLAN und Bordentertainment, um etwa mit den Fernbussen mithalten zu können. Doch Mathias Semrau von DB Fernverkehr erklärt: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir noch nachrüsten". Neuer "Am-Platz-Service" Die aktuell eingesetzten Züge auf der Intercity-Linie von Bielefeld Richtung Köln haben schon lange kein Bordbistro mehr. Das wird sich in den neuen Zügen zumindest ein Stück weit ändern. Die Lufthansatochter LSG übernimmt das Catering an Bord der neuen Züge. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Klasse gibt es einen "Am-Platz-Service" mit Snacks wie Croissants, Frühstücksboxen und Müsliriegeln sowie Getränken. Gemeinsam mit dem Kaffeehersteller Lavazza kommt außerdem eine neue Aufbrühform zum Einsatz. Das Kaffeepulver befindet sich bereits im Becher und wird vom Bedienpersonal nur noch durch Abziehen einer Schutzfolie freigelegt. Anschließend wird heißes Wasser aufgeschüttet. "Frisch aufgebrühter Kaffee also", meint Luca Schlosser, Mitarbeiter im Bereich Train Development beim Caterer LSG. Ein wirkliches Highlight ist das mit großzügigem Platz ausgestattete Kinderabteil, welches sich, wie schon heute im Fernverkehr üblich, explizit reservieren lässt. Anders als im ICE läuft der Zwischengang leider direkt durch den Kinderbereich. Eltern von Kleinkindern werden es außerdem schwer haben, ihren Kinderwagen ins Oberdeck des Zuges zu schleppen - dort befindet sich das Abteil nämlich. Mathias Semrau verteidigt die Platzierung des Kinderabteils: "Kinder wollen immer gerne oben sitzen". Oben fehlt Stauraum für Gepäck Nicht nur Kinder: Durch die großen Fenster ergibt sich vom Obergeschoss aus eine tolle Aussicht auf die Strecke. Im Gegenzug verzichtet man auf Stauraum für Gepäck. Reisenden mit Koffern wird deshalb bei Reservierungen die untere Etage empfohlen. Fahrradabteile wie in den aktuellen Intercity-Zügen gibt es im IC 2 nicht mehr. Statt dessen verfügt jeder Wagen über ein Fahrradabteil im Eingangsbereich. Die Bahn führt die neue IC-Generation vor allem aus Kostengründen ein. Die älteren Wagen, insbesondere die einstigen Interregio-Garnituren, haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht und sind in der Instandhaltung sehr teuer. IC wird in Zukunft regionale Ziele verbinden Außerdem werden durch die Doppelstockbauweise bei gleicher Kapazität weniger Wagen benötigt. Zusätzlich arbeiten die Fahrzeuge rund 20 Prozent effektiver. Damit kehrt die Bahn den Trend um, unwirtschaftliche Linien einzustellen, erklärt Mathias Semrau: "Stattdessen senken wir die Kosten, um die Strecken weiterbetreiben zu können." Die neuen IC-Garnituren sollen auf lange Sicht alle nicht modernisierten IC-Wagen ablösen und auf neuen Strecken zum Einsatz kommen. Bis 2030 will die Bahn ihr Streckennetz mit Hilfe der Züge um 25 Prozent vergrößern. Dabei wird der IC in Zukunft vor allem regionale Ziele miteinander verbinden, während der ICE Langstrecken verknüpft. Alte IC-Linien wie etwa Hannover-Amsterdam werden zu ICE-Linien.

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