Der Schienenverkehr in OWL wird sich verändern. - © dpa
Der Schienenverkehr in OWL wird sich verändern. | © dpa

OWL Warum Verspätungen auch in Ostwestfalen-Lippe ein Hauptproblem sind

Themenwoche Bahn in OWL: Schienenverkehr will sich neu erfinden

Matthias Bungeroth

OWL. Die gute Nachricht zuerst: Wer in Ostwestfalen-Lippe mit der Bahn fahren will, findet ein reichhaltiges Angebot an Linien vor, die gut miteinander vertaktet sind. Daran wird sich auch zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember nichts ändern. Rainer Engel, Experte des Fahrgastverbandes Pro Bahn aus Detmold, spricht von einer „vorsichtig positiven Entwicklung“. Der bestehende Fahrplan wird auf einigen Strecken vor allem in den Abendstunden um zusätzliche Verbindungen ergänzt, so dass das Angebot im Regionalverkehr weiter abgerundet wird. Doch es gibt auch zunehmend strukturelle Veränderungen, die die Bahnexperten in Ostwestfalen-Lippe nachdenklich stimmen. „Langfristig sehe ich das Problem, dass der Fernverkehr den Nahverkehr verdrängt“, sagt Engel. Denn in der Regel müssen die Nahverkehrszüge warten, wenn verspätete Fernzüge auf den Gleisen unterwegs sind – was dann wieder Verspätungen im Nahverkehr nach sich zieht. Und Verspätungen im Fernverkehr gibt es aktuell reichlich. Jeder vierte DB-Fernzug ist verspätet."Mangelnde Pünktlichkeit ist unser Hauptproblem" Die mangelnde Pünktlichkeit aufgrund dieses Dominoeffekts bezeichnet Ludger Siemer, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) im Gespräch als „unser Hauptproblem“. Für den VVOWL sei dies „ein Dauerthema und für die Kunden ärgerlich“, fügt Siemer hinzu. Es gibt ein weiteres Hemmnis für den Nahverkehr in OWL. Siemer: „Wir würden gerne in den Hauptverkehrszeiten noch mehr machen. Aber da gibt uns die Infrastruktur Grenzen vor.“ Die Gleise sind aufgrund der hohen Zugdichte zu großen Teilen belegt. Die Güterstrecken sind für den Personennahverkehr aufgrund fehlender Bahnsteige nicht nutzbar. All dieser Widrigkeiten zum Trotz sieht Siemer den Schienennahverkehr in der Region „weiterhin auf gutem Weg“. Der VVOWL bestellt jedes Jahr auf einer Strecke von insgesamt 356 Kilometer Länge 6,7 Millionen Zugkilometer im Jahr. 33 Bahnhöfe sind angeschlossen, pro Werktag werden rund 64.800 Fahrgäste im Nahverkehr befördert. Der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter versorgt ein Schienenstreckennetz von 209 Kilometern. Angeschlossen sind 22 Bahnstationen. Pro Jahr werden rund 3,3 Millionen Zugkilometer bestellt.Marktanteil von rund 27 Prozent Durch Ausschreibungen von Verkehrsleistungen seit der Regionalisierung des Schienennahverkehrs im Jahr 1996 ist die Welt der Bahn in Westfalen-Lippe bunter geworden. Die DB Regio AG verfügt hier im Schienennahverkehr nur noch über einen Marktanteil von rund 27 Prozent, wie der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe in seinem Qualitätsbericht für 2014 ausweist. Dieser Anteil wird ab dem 13. Dezember weiter sinken. Denn ab diesem Tag übernimmt die Bielefelder Westfalenbahn das sogenannte EMIL-Netz. Dahinter verbergen sich die Emslandlinie (RE 15) und die Mittellandlinie (RE 60 und 70), die zwischen Emden und Münster sowie zwischen Rheine und Bielefeld nach Hannover und Braunschweig verkehren. Die Westfalenbahn stellt dafür nagelneue elektrische Züge der Typen FLIRT und KISS aus dem Hause Stadler in Dienst. Besonders letztgenannter dürfte zwischen Bielefeld und Hannover/Braunschweig für Aufsehen sorgen, ist er doch als Doppelstockzug unterwegs und kann ab dem Frühjahr 2016 sogar kostenloses WLAN anbieten. An diesem Sonntag wird die Inbetriebnahme des Netzes durch die Westfalenbahn in Rheine gefeiert.Zusätzliche Verbindungen Zusätzliche Verbindungen gibt es auf der Sennebahn (Bielefeld-Paderborn), der Ravensberger Bahn (Bielefeld-Rahden) sowie dem Haller Willem (Bielefeld – Osnabrück). Die Deutsche Bahn, die in letzter Minute ihren Fahrplan noch einmal überarbeitete, um Änderungen nach dem Stellwerksausfall in Mülheim/Ruhr einzuarbeiten, steigt im Fernverkehr ebenfalls in ein neues Zeitalter ein. Sie präsentiert den neuen IC 2, der mit dem Fahrplanwechsel durch Paderborn und ab Februar auch durch Bielefeld fahren wird. Ihn stellen wir in der nächsten Folge unserer Themenwoche vor.

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