Die Herausgeberin Bettina Zurstrassen ist über das Vorgehen des Bundesinnenministeriums verärgert. - © Universität Bielefeld
Die Herausgeberin Bettina Zurstrassen ist über das Vorgehen des Bundesinnenministeriums verärgert. | © Universität Bielefeld

Bielefeld/Berlin Schulbuch-Streit: Arbeitgeber fordern Überarbeitung

Der Sammelband der Bielefelder Herausgeberin Bettina Zurstrassen bekommt ein Beiblatt

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld/Berlin. Im Onlineshop der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) ist das Schulbuch „Ökonomie und Gesellschaft“ der Bielefelder Herausgeberin Bettina Zurstrassen nach dem Vertriebsverbot „in Kürze wieder verfügbar“. Nach der Kritik der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) an dem Sammelband wird das Buch jedoch einen Zusatz erhalten. Das Bundesinnenministerium hat die BPB damit beauftragt, das Buch mit einem Beiblatt zu versehen. „Die inhaltliche Erarbeitung ist gerade abgeschlossen“, bestätigt BPB-Sprecher Daniel Kraft. Sobald das Zusatzblatt den noch vorhandenen 3.346 Bänden beigelegt wurde, läuft der Vertrieb wieder an. Bislang sind nach Angaben von Kraft 1.734 Exemplare der Unterrichtsmaterialien versendet worden. „In dem Beileger wird auf das breite Spektrum der BPB zu ökonomischen und sozioökonomischen Themen hingewiesen“, ergänzt Kraft. Der Zusatz werde demnach kein Korrekturverzeichnis, wie von der BDA gefordert, beinhalten. Stattdessen geht es lediglich um einen Hinweis auf weitere Publikationen der BPB sowie eine Inhaltsangabe.Wechselverhältnis von Ökonomie und Gesellschaft Ziel des Buches, an dem mehrere Autoren beteiligt sind, ist, das Wechselverhältnis von Ökonomie und Gesellschaft anhand von Beispielen zu verdeutlichen. BDA-Hauptgeschäftsführer Peter Clever hat im Juni dem Bundesinnenministerium in einem Brief sein „Befremden“ über das Buch mitgeteilt. Die Unterrichtsmaterialien entsprächen „einseitiger Propaganda gegen die Wirtschaft“. Er bitte daher darum, „den Band in dieser Form nicht weiter zu vertreiben“. „Die einseitige Verengung des Themas muss kommentiert werden, deshalb sind wir zufrieden damit, dass es ein Beiblatt geben wird“, sagt die stellvertretende Leiterin der BDA-Bildungsabteilung, Donate Kluxen-Pyta. In den Unterrichtsmaterialien werden nicht alle Denkschulen berücksichtigt. Das ist nach Angaben von Herausgeberin Zurstrassen nicht möglich und auch nicht Ziel der Veröffentlichung. „In dem Buch wird angekündigt, dass nicht alle Perspektiven enthalten sind, weil das schlicht nicht möglich ist“, so Zurstrassen. Ein inhaltlicher Hinweis als Beiblatt sei deshalb überflüssig. „Es wäre doch vermessen zu behaupten, dass irgendein Buch alle Perspektiven eines Themas beleuchten kann“, ergänzt Zurstrassen. Der Arbeitgeberverband hofft trotzdem auf eine inhaltliche Überarbeitung des Schulbuchs. „Der wissenschaftliche Beirat der BPB hat sich zwei Mal mit dem Band beschäftigt und auch über die Qualität geurteilt, da Arbeitgeber einseitig dargestellt werden“, sagt Kluxen-Pyta. Ein Protokoll der Beiratssitzung existiert noch nicht. Nach Informationen dieser Zeitung aus dem Beirat ist eine Überarbeitung jedoch nie empfohlen worden.

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