Warten auf ihren Einsatz: Die Lastkraftwagen auf dem Foto stehen auf einem Autobahnrastplatz. Wenn die Speditionen den Fahrermangel nicht in den Griff bekommen, drohen ihnen Engpässe etwa beim Fahrerwechsel. - © usage worldwide
Warten auf ihren Einsatz: Die Lastkraftwagen auf dem Foto stehen auf einem Autobahnrastplatz. Wenn die Speditionen den Fahrermangel nicht in den Griff bekommen, drohen ihnen Engpässe etwa beim Fahrerwechsel. | © usage worldwide

Wirtschaft Speditionen in OWL finden keine Berufskraftfahrer mehr

Für ältere Kollegen fehlt der Nachwuchs

Bielefeld. Wer soll künftig hinterm Lenkrad sitzen? Eine Frage, die Speditionsleitern und Disponenten die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Dem Transportwesen gehen die Berufskraftfahrer aus. Für 30.000 Fahrer, die jährlich bundesweit ausscheiden, kommen etwa 10.000 neue auf den Markt. Zu wenig für eine wachsende Branche. Auch in OWL macht sich der fehlende Nachwuchs bereits bemerkbar. Anzeichen für dieses Problem habe es bereits vor Jahren gegeben, sagt Christoph Kösters, Hauptgeschäftsführer des Verkehrswirtschaft- und Logistikverbandes (VVWL) NRW. Schon damals habe die Altersstruktur der Fahrer darauf hingewiesen, dass zu wenig junge Kräfte nachkommen. „Heute steht die Alterspyramide Kopf.“ Nur drei Prozent aller Fahrer seien jünger als 25, mehr als ein Drittel habe das 50. Lebensjahr bereits überschritten. „Diese Leute scheiden jetzt nach und nach aus“, sagt Ulrich Mihatsch, Ausbildungsleiter bei der Nagel-Group in Versmold. Bundesweit bildet das Unternehmen derzeit 71 Berufskraftfahrer aus. Weil das Transportvolumen wächst, müsste die Zahl der Azubis künftig steigen. Stattdessen geht sie zurück.2.000 Euro Nettoverdienst Auch beim Speditionsunternehmen Reineke in Bad Salzuflen zeichnet sich diese Tendenz ab. „Uns fehlen bereits jetzt die Fahrer“, sagt Disponent Stefan Bobe. Ausgebildet wird bei Reineke nicht. Ausgebildete Fahrer findet Bobe allerdings auch nicht. „Ich habe sogar schon bei Zeitarbeitsfirmen angefragt, aber nicht mal dort bin ich fündig geworden.“ Bobe beschäftigt 20 fest angestellte Fahrer. Er bezahlt jährlichen Schulungen und hat seinen Fuhrpark modernisiert. Eigentlich, sagt er, könnten Fahrer eines mittelständischen Unternehmens gut von ihrer Arbeit leben. Aber falls er damit neue Mitarbeiter gewinnen könne, sei er bereit, mehr zu zahlen. „Die Rübenernte steht vor der Tür, wir brauchen zusätzliche Mitarbeiter, um unsere Arbeit machen zu können.“ Rund 2.000 bis 2.200 netto verdient ein Lkw-Fahrer in der Branche. Von Deutschland aus wurden allein im August Waren im Wert von 88 Milliarden Euro ins Ausland exportiert. Der Güterverkehr wachse, bestätigt eine Prognose des Bundesverkehrsministeriums. Und noch sind laut Bundesamt für Güterverkehr (BAG) genügend Fahrer im Dienst, um Laster und Gut an ihr Ziel zu bringen. Doch die Entwicklungstendenz sagt etwas anderes. In einer Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld geben Transportunternehmen aus OWL den Fahrermangel als größtes Risiko für ihre Geschäftslage an. „Es gibt Anstrengungen, diesem Mangel entgegenzutreten“, sagt Christoph Kösters und verweist auf Aktionen wie „Mach was Abgefahrenes“ – eine Initiative des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und der Straßenverkehrsgenossenschaften (SVG). Aktionen wie diese könnten ein Teil der Lösung sein. „Aber wir stehen im Wettbewerb mit Branchen wie der Gastronomie, die ebenfalls verzweifelt nach Auszubildenden suchen.“Beruf mit Imageproblemen Der Beruf des Kraftfahrers werde häufig als „banal“ abgestempelt, sagt Disponent Bobe. Dabei beinhalte er viel mehr als nur das Sitzen hinterm Lenkrad. „Das hat heute viel mit Technik zu tun“, bestätigt Kösters. Die heutigen Cockpits der Transporter würden über moderne Ausstattungen verfügen. „Gerade für technisch Interessierte und Menschen, die Lust haben, etwas auszuprobieren, ist dieser Beruf zu empfehlen“, sagt er. Doch das Dasein des LKW-Fahrers hat auch Schattenseiten. „Flexibel“ sollen die jungen Fahrer laut Kösters sein – weil sie in in der Regel nur am Wochenende zu Hause sind. Erwartet werden zudem Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein. Denn die geladene Fracht ist oft wertvoll und deutsche Autobahnen häufig verstopft. Eine Herausforderung für junge Berufsanfänger. Disponent Stefan Bobe aus Bad Salzuflen hofft trotz der Umstände auf neue Azubis, die bereit sind, Fahrer zu werden. „Wir kümmern uns darum, dass die Bedingungen im Beruf stimmen. Dass junge Leute in die Ausbildung kommen, darum müssen sich andere kümmern.“Auszubildende in der Region In Ostwestfalen-Lippe werden derzeit 297 Azubis zu Berufskraftfahrern ausgebildet – 112 davon haben ihre Ausbildung in diesem Jahr begonnen. Im vergangenen Jahr wurden noch 14 Azubis mehr in die Ausbildung gebracht. Die Dauer der Ausbildung beträgt drei Jahre, die Bezahlung richtet sich nach der jeweiligen Branche. Nach dem Abschluss müssen Fahrer ihr Wissen in Schulungen auffrischen.

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