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Eine Luftwärmepumpe steht im Keller eines Wohnhauses: Die Bundesregierung plant eine Offensive zum Einbau von Wärmepumpen als umweltfreundlicher Alternative zur Öl- und Gasheizung. - © Silas Stein
Eine Luftwärmepumpe steht im Keller eines Wohnhauses: Die Bundesregierung plant eine Offensive zum Einbau von Wärmepumpen als umweltfreundlicher Alternative zur Öl- und Gasheizung. | © Silas Stein

Energiekrise Abschied vom Gas: Können Wärmepumpen eine Alternative sein?

In Deutschland sollen ab 2024 pro Jahr 500.000 Wärmepumpen neu installiert werden. Die Herausforderungen sind groß.

Thea Schmidt
29.06.2022 | Stand 29.06.2022, 17:34 Uhr

Erdgas galt beim Heizen lange als Brennstoff der Wahl: Günstig, sauber und in rauen Mengen verfügbar. Gut jeder zweite Haushalt in Deutschland verfügt heute über eine Gasheizung. Als die Debatte um den Klimawandel Fahrt aufnahm, bekam das grüne Image des flüchtigen Energieträgers tiefe Risse. Und seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine haben sich auch die Preis- und Verfügbarkeitsvorteile erledigt.

Innerhalb weniger Jahre sind Erdgasheizungen vom Goldstandard zum Auslaufmodell geworden. Als „nicht mehr zu verantworten“ hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Einbau neuer Geräte zuletzt bezeichnet. Die Bundesregierung setzt auf Alternativen wie die als umweltfreundlich geltende Wärmepumpe.

An diesem Mittwoch trafen sich Habeck und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) mit Vertretern der Wärmebranche zu einem Gipfelgespräch, um Hindernissen für den weiteren Ausbau der Heiztechnologie aus dem Weg zu räumen.

Die Ziele sind ehrgeizig. Bis 2024 soll der Absatz von rund 150.000 Wärmepumpen im Jahr 2021 auf 500.000 Wärmepumpen pro Jahr gesteigert werden. Langfristig soll es so bis 2030 deutschlandweit 6 Millionen Anlagen geben. „Alle haben gesagt, dass das ein erreichbarer Ziel ist“, sagte Habeck. Kabinettskollegin Geywitz bezeichnete die Stimmung bei dem Treffen als „sehr optimistisch“. Deutschland stehe eine „riesige Transformation“ bevor. Hinsichtlich des Ausstieges aus fossilen Brennstoffen spiele die Wärmepumpe eine große Rolle.

Wärmepumpe als umweltfreundliche Alternative

Das Prinzip der Wärmepumpe ist einfach: Sie entzieht der Erde, der Luft oder dem Grundwasser Energie. Wird für den Betrieb der Pumpe Ökostrom verwendet, kommt sie ohne fossile Energieträger aus. Dennoch kommen Wärmepumpen bislang nur wenig zum Einsatz. Im vergangenen Jahr etwa haben sich dem Handelsblatt zufolge nur rund 16 Prozent derer, die eine neue Heizung installiert hatten, für eine Wärmepumpe entschieden. Für Gas entschieden sich demnach rund 70 Prozent.

Es muss sich also etwas tun - vor allem bei Bestandsimmobilien. Die Herausforderungen sind groß, denn die Pumpen funktionieren am besten bei Temperaturen zwischen 30 und 50 Grad. Um mit dieser vergleichsweise niedrigen Vorlauftemperatur die Wohnung richtig heizen zu können, muss die Wärme über eine möglichst große Fläche abgegeben werden. Das kann beispielsweise ein Fußbodenheizung sein, wie sie häufig in Neubauwohnungen verbaut wird. In Altbauwohnungen, in denen klassische Heizkörper installiert sind, ist die Wärmepumpentechnologie deshalb schwierig umzusetzen. Hinzu kommt, dass Wärmepumpen in der Anschaffung deutlich teurer sind als etwa Erdgasheizungen.

Was also will die Bundesregierung für den Umstieg tun? Viele Details dazu blieben am Mittwoch unklar. Lösungen könnten im Herbst präsentiert werden, wenn Bundesregierung und Branchenvertreter erneut zum Spitzengespräch aufeinandertreffen.

Das reicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht aus. „Damit die Wärmepumpe breitflächig eingesetzt wird, sind dringend konkrete Maßnahmen und gesetzliche Verbindlichkeit notwendig“, sagt DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz. „Dass am Tag eines Wärmepumpen-Sondergipfels noch immer öffentliche Förderung für Gasheizungen beantragt werden kann, ist absurd.“

Immerhin eine Zusage macht die Regierung schon jetzt: Die weitere Erforschung der Heizmethode will sie großzügig unterstützen. So solle das nötige Wissen über die Technologie den Unternehmen bereitgestellt werden, sagt Habeck. „Es ist auch ein Technologieprojekt“ sagt er. Geywitz betont, wie wichtig es sei, dass Deutschland selbst Wärmepumpen produziere. „Wir dürfen nicht in die nächste Abhängigkeit rutschen“, sagt sie. Außerdem müsse der Prozess für die Installation von Wärmepumpen „entbürokratisiert“ werden, um einen Massenhochlauf der Technologie zu erreichen.

Fachkräftemangel als Herausforderung

Doch wer soll die Geräte entwickeln? „Es ist unstrittig, dass wir ein Fachkräfteproblem haben. das betrifft auch das Handwerk im Bereich Wärmepumpe“, sagt Habeck. Die Attraktivität des Berufs darzustellen, Weiterbildungen stärker zu unterstützen und die Ausbildungsprüfung zu flexibilisieren seien mögliche Maßnahmen, um dem Problem zu begegnen.

Die Wärmepumpe soll allerdings nicht die einzige Technologie sein, die künftig in Deutschland zum Heizen genutzt werden soll. „Wir müssen grundsätzlich technologieoffen sein“, sagt Geywitz. Auch aus Habecks Sicht soll es keine Konzentrierung auf eine einzelne Technologie geben. Es werde auch andere Nutzungssysteme geben, wie etwa Fernwärme.

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