0
Virginia Roberts zeigt ein Foto, das sie als 16-Jährige zeigt. Zu dieser Zeit, sagt sie, begann der Missbrauch durch den US-Banker und Multimillionär Jeffrey Epstein, der sie auch mit Prinz Andrew zusammengebracht habe. - © picture alliance / abaca
Virginia Roberts zeigt ein Foto, das sie als 16-Jährige zeigt. Zu dieser Zeit, sagt sie, begann der Missbrauch durch den US-Banker und Multimillionär Jeffrey Epstein, der sie auch mit Prinz Andrew zusammengebracht habe. | © picture alliance / abaca

Missbrauchs-Affäre "Dreimal zu Sex mit Prinz Andrew gezwungen"

Opfer von US-Banker und Betreiber eines Sexhandelsring mit Minderjähigen, Jeffrey Epstein, beschuldigt Sohn von Queen Elizabeth II. schwer: "Herumgerecht wie eine Obstschale"

Jochen Wittmann
03.12.2019 | Stand 03.12.2019, 20:28 Uhr

London. Prinz Andrew kann den Skandal um seine Beziehung zum amerikanischen Pädophilen Jeffrey Epstein nicht abschütteln. „Andrews neue TV-Erniedrigung", schrie am Dienstagmorgen die Titelseite der Daily Mail. „Royal Schocker" legte das Massenblatt Sun nach. Anlass für die erneute Aufregung um die Nummer Acht der britischen Thronfolge war das Fernsehinterview eines Opfers von Jeffrey Epstein am Vorabend in der BBC. Darin beschuldigte Virginia Roberts den Prinzen des sexuellen Missbrauchs: Drei Mal sei sie als 17-Jährige von Epstein gezwungen worden, Sex mit Andrew gehabt zu haben.

London. Prinz Andrew kann den Skandal um seine Beziehung zum amerikanischen Pädophilen Jeffrey Epstein nicht abschütteln. „Andrews neue TV-Erniedrigung", schrie am Dienstagmorgen die Titelseite der Daily Mail. „Royal Schocker" legte das Massenblatt Sun nach. Anlass für die erneute Aufregung um die Nummer Acht der britischen Thronfolge war das Fernsehinterview eines Opfers von Jeffrey Epstein am Vorabend in der BBC. Darin beschuldigte Virginia Roberts den Prinzen des sexuellen Missbrauchs: Drei Mal sei sie als 17-Jährige von Epstein gezwungen worden, Sex mit Andrew gehabt zu haben. Das „Panorama"-Programm der BBC deckt die schäbigen Machenschaften des US-Bankiers Jeffrey Epstein auf, der reihenweise minderjährige Mädchen als Masseusen rekrutierte, sexuell missbrauchte und dann an seine Freunde und Bekannten vermittelte. So sei ihr das auch passiert, sagt Roberts, sie sei „wie eine Obstschale herumgereicht worden". Zwischen 2001 und 2002 habe sie drei Mal Prinz Andrew getroffen und mit ihm schlafen müssen. Der zweitälteste Sohn der Queen hat das immer bestritten. „Ich kann absolut kategorisch sagen: Das ist niemals passiert", hatte der Prinz in einem anderen Fernsehinterview Mitte November erklärt. „Ich habe keine Erinnerung, jemals diese Dame getroffen zu haben." Ein Kampf um die Glaubwürdigkeit Wer hat recht? „Ich bitte die Bürger des Vereinigten Königreichs auf meiner Seite zu stehen", wendete sich Roberts direkt an die Briten. „Das ist nicht irgendeine schäbige Sex-Geschichte. Das ist eine Geschichte über Menschenhandel, eine Geschichte über Missbrauch. Und es ist eine Geschichte über einen eurer Royals." Was am späten Montagabend über die britischen Fernsehschirme flimmerte, war ein Kampf um die Glaubwürdigkeit. Und Virginia Roberts machte da einen viel stärkeren Eindruck als vor zwei Wochen Andrew. Der hatte fadenscheinige Gründe angeführt, warum nicht wahr sein könne, dass er mit Virginia Roberts in den Nachtklub Tramp gegangen sei und dort, stark schwitzend, getanzt habe. Zum einen hätte er an dem besagten Abend eine Pizza-Party für seine Tochter Beatrice ausgerichtet. Zum anderen hätte er zu dieser Zeit gar nicht schwitzen können, weil er bei einem Einsatz im Falkland-Krieg unter Beschuss gekommen sei und eine Überdosis Adrenalin ausgeschüttet habe. Das habe zu einer Anhidrose geführt, erst später habe er wieder gelernt zu schwitzen. Wenig glaubwürdig waren auch seine Ausführungen, als er auf ein Foto angesprochen wurde, dass Andrew zusammen mit Virginia Roberts in einer Londoner Stadtvilla zeigt. Da liegt sein linker Arm auf der Hüfte von Roberts, die Andrew ebenfalls um die Taille fasst. Der Prinz will das wegerklären, indem er nahelegt, dass es sich bei der Aufnahme um eine Fälschung handelt. Doch die FBI, die die Vorwürfe gegen Epstein untersucht und die von Roberts besagtes Foto erhielt, geht von dessen Authentizität aus. Auch unabhängige forensische Experten konnten keine Hinweise auf eine Fälschung entdecken. Roberts antwortete auf Andrews Manöver im Panorama-Interview: „Er weiß, was passiert ist. Ich weiß, was passiert ist. Und nur einer von uns sagt die Wahrheit." Die Royal-Expertin Penny Junor sieht die Reputation des Prinzen weiter beschädigt, weil Virginia Roberts „sehr plausibel klingt, während Andrews Entschuldigungen in seinem Interview lächerlich waren. Sie wirkt auch viel sympathischer." Viele Briten sehen das ähnlich. Zwar drohen dem Prinzen in Großbritannien keine strafrechtlichen Konsequenzen, würde sich herausstellen, dass er tatsächlich mit Roberts geschlafen hat, denn im Königreich liegt das Mündigkeitsalter bei 16 Jahren. In Florida allerdings nicht, was den Royal von künftigen USA-Besuchen Abstand nehmen lassen dürfte. Denn dort könnte Prinz Andrew angeklagt werden. "Er war ein regelmäßiger Besucher" Oder zumindest eine Zwangsvorladung für eine Zeugenaussage erhalten, wie David Boies schon ankündigte, der Anwalt von fünf weiteren Frauen, die von Epstein angeblich missbraucht wurden. „Wir haben versucht, Prinz Andrew zu interviewen", so Boies, „er war ein regelmäßiger Besucher." Auch eine Auslieferung des Prinzen ist eine Möglichkeit, die britische Anwälte für möglich halten. Wenn er in den USA angeklagt würde, so die Strafrechtlerin Anna Rothwell gegenüber der „Times", dann wäre ein Auslieferungsverfahren möglich, „denn er ist nicht berechtigt zu irgendeiner Form der Immunität als Mitglied der Königlichen Familie." Allerdings müsste das die britische Regierung absegnen. Ob die einen Royal an die Amerikaner ausliefern, darf bezweifelt werden.

realisiert durch evolver group