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Panoramafreiheit? Sie gilt aufgrund der Lichtinstallation des Künstlers Michael Batz nicht.  - © picture alliance / imageBROKER
Panoramafreiheit? Sie gilt aufgrund der Lichtinstallation des Künstlers Michael Batz nicht.  | © picture alliance / imageBROKER

Urheberrecht Soziale Medien: Wegen Fotos von Blue Port in Hamburg zur Kasse gebeten

Ein Protest gegen die Vorgehensweise der VG Bild-Kunst zeigt Wirkung

Talin Dilsizyan
11.09.2019 | Stand 13.09.2019, 13:25 Uhr

Hamburg. Seit 2008 lässt der Künstler Michael Batz alle zwei Jahre den Hamburger Hafen in blauem Licht erstrahlen. Vom 6. bis 12. September als "Blue Port Art" und noch einmal während der "Cruise Days" können dieses Jahr Besucher das Farbspektakel bewundern und fotografieren. Viele Hobbyfotografen, die die Bilder über soziale Medien geteilt hatten, dachten, dass die Panoramafreiheit (§ 59 UrhG "Werke an öffentlichen Plätzen") gilt - ein Trugschluss. Tausende Fotos von der Elbphilharmonie, den Landungsbrücken, der Speicherstadt und dem Handelshafen finden sich auf Instagram. 12.000 Licht-Elemente hat Michael Batz für sein Kunstwerk installieren lassen. Der Künstler und die Verwertungsgesellschaft VG Bild-Kunst, die seine Rechte als Urheber vertritt, haben sich jedoch den Unmut zahlreicher Hobbyfotografen zugezogen. Die Stadt Hamburg hatte wie auch schon 2017 einen Fotowettbewerb um das schönste Bild von der "temporären Kunstaktion" gestartet. Teilnehmer luden ihre Beiträge allerdings nicht nur über das Formular der Seite hamburg.de hoch. Sie setzten sich über diesen Hinweis zu Bildern vom Blue Port hinweg: "Nutzungen auf Social-Media-Plattformen sind ohne Genehmigung nicht zulässig und zudem grundsätzlich kostenpflichtig". Die VG Bild-Kunst forderte unter anderem Hobbyfotografin Saskia (@sieham_post) auf, entweder 28 Euro zu zahlen oder ein Foto von dem "urheberrechtlich geschützten Kunstwerk" zu löschen. Zum Löschen gezwungen Sie entschloss sich, das Foto zu löschen, äußerte aber zusammen mit der Hobby-Fotografen-Gruppe @hh.schooterz ihren Protest auf Instagram. Hunderte Nutzer solidarisierten sich mit dem Anliegen. Am Mittwoch hat die Stadt Hamburg reagiert. Auf der Website zum Blue Port ist nun zu lesen, dass zwar für die "temporäre Kunstaktion" die Regeln des Urheberrechts gelten. Da es eine Vielzahl von Nachfragen gegeben habe, um Bilder auf Social-Media-Plattformen zu nutzen, gebe es nun aber eine Lösung. Solange die nicht-kommerzielle Nutzung sichergestellt ist, ist keine Lizenzierung durch die VG Bild-Kunst erfoderlich. Aufnahmen etwa für Werbe-Zwecke oder zur Bebilderung von Produkten bedürfen weiterhin einer Lizenz der VG Bild-Kunst. Hobby-Fotografen begrüßen dieses Entgegenkommen: Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ihr Lieben!!! Es ist so toll, dass ihr alle mitgeholfen habt, dieses leidige Thema an die Öffentlichkeit zu bringen. Und jetzt: RAN AN DIE KAMERAS!!! 😃😃😃 #blueport #hamburg #hamburgliebe #hamburglove #hh_shooterz Ein Beitrag geteilt von hh.shooterz (@hh.shooterz) am Sep 11, 2019 um 2:17 PDT Rechtlich ist die Situation eindeutig, denn nach dem deutschen Urheberrecht muss ein Fotograf bei Kunstwerken im öffentlichen Raum, die nur für eine bestimmte Zeit zu sehen sind, die Künstlerrechte klären. Er müsste den Künstler um seine Erlaubnis für die Verwendung fragen, gerade, wenn er Fotos in sozialen Medien teilt. Denn: Für Facebook, Instagram und andere Plattformen gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die dem Dienst selbst gewerbliche Rechte an Fotos der Nutzer einräumen. Somit liegt eine kommerzielle Nutzung bereits durch das Veröffentlichen dort vor. Wer beispielsweise August Rodins "Der Denker" im öffentlichen Raum vor der Bielefelder Kunsthalle fotografiert und dieses Foto auf Instagram einstellt, der kann sich auf die Panoramafreiheit berufen. Zudem ist der Künstler bereits seit mehr als 70 Jahren tot. Als Christo und Jeanne Claude den Berliner Reichstag verhüllten, konnten sich Fotografen jedoch nicht im Rahmen der Panoramafreiheit Bilder erstellen und veröffentlichen - auch wenn die Installation frei von außen einsehbar war. Die Künstler verboten die gewerbliche Nutzung. Die rein private Nutzung ist davon ausgenommen - etwa das Zeigen der Fotos im Freundeskreis über einen PC wäre erlaubt gewesen. Aus Sicht des Museums Marta in Herford sollte die Panoramafreiheit viel großzügiger interpretiert werden: Es ist nach wie vor unbegreiflich, warum für Kunst im öff. Raum nicht die gleiche #Panoramafreiheit greift wie für #Architektur. Das muss sich neben vielem anderen dringend ändern! #RN_@n8iger — Marta Herford (@martamuseum) September 11, 2019

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