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Seit sechs Wochen werden die Kinder Olivia (6) und Anna  (1) vermisst. - © sosdesaparecidos.es
Seit sechs Wochen werden die Kinder Olivia (6) und Anna  (1) vermisst. | © sosdesaparecidos.es

Kinder verschwunden Vermisstenfall erschüttert Spanien: Warf der Vater seine Töchter ins Meer?

Der Spanier sagte der deutschstämmigen Mutter noch, dass sie ihre Kinder nie mehr wiedersehen werde. Mittlerweile werden die Mädchen seit sechs Wochen vermisst.

Ralph Schulze
10.06.2021 | Stand 11.06.2021, 15:26 Uhr

Seit mehr als sechs Wochen werden auf der Urlaubsinsel Teneriffa zwei kleine Mädchen vermisst. Das Verschwinden der einjährigen Anna und der sechsjährigen Olivia, Kinder einer deutschstämmigen Mutter, löste eine der größten Suchaktionen seit Jahren in Spanien aus. Die bisher vorliegenden Indizien nähren einen grausamen Verdacht der Ermittler: Der Vater, dessen Beziehung mit der Mutter in die Brüche gegangen war, könnte die beiden Kinder ins Meer geworfen haben – um sich an seiner Ex-Frau zu rächen.

Die bisherigen Spuren lassen das Schlimmste befürchten: Die Polizei fand am Tag nach dem Verschwinden der Kinder das leere Motorboot des Vaters, das vor Teneriffa auf dem Atlantik trieb. Die Kripo entdeckte Blut, das dem Bootseigner zugeordnet wird, auf der etwa sechs Meter langen Jacht. Nicht weit vom Boot entfernt bargen die Rettungskräfte aus dem Wasser jenen Autokindersitz, den die kleine Anna üblicherweise im Wagen des Vaters benutzte – auch der Kindersitz, der auf den Wellen schaukelte, war leer.

Vater ebenfalls spurlos verschwunden

In der Nacht des Verschwindens teilte der 37 Jahre alte Vater Tomás G. seiner ehemaligen und zwei Jahre jüngeren Lebenspartnerin Beatriz Z. mit, dass sie ihre Kinder nie mehr wiedersehen werde. Zudem soll er zeitgleich per Telefon Abschiedsnachrichten an Freunde und Familienangehörige verschickt haben. Er selbst ist seit dieser Nacht ebenfalls spurlos verschwunden. Vater und Mutter leben seit Monaten in einem Trennungsprozess.

Am fraglichen Abend des 27. April waren die beiden Mädchen, die nach der Trennung mit der Mutter lebten, beim Vater zu Besuch. Die Bilder einer Sicherheitskamera im Hafen der Teneriffa-Hauptstadt Santa Cruz zeigen, wie der Vater spät abends sein Boot mit großen Taschen und Koffern belädt. Waren darin die Körper von Anna und Olivia versteckt?

Nun machte ein Unterwasserroboter in großer Tiefe, nicht weit entfernt von der Meereszone, in der das leere Boot gefunden wurde, eine weitere beunruhigende Entdeckung: Der Roboter barg einen leeren Bettbezug und eine stählerne Tauchflasche, die offenbar dem Vater gehörten. Ein Spezialschiff sucht per Tiefsee-Sonar nach weiteren Objekten auf dem Meeresgrund, die Aufschluss über das Schicksal von Anna und Olivia geben könnten.

Beweisstücke könnten weggespült worden sein

Auch der stählerne Anker des Bootes wird gesucht, den Tomás G. möglicherweise als Gewicht benutzt haben könnte, um die beiden Kinderkörper im Meer zu versenken. Eine der Hypothesen der Ermittler lautet, dass sich G. anschließend selbst mit einem Sprung ins Wasser das Leben genommen haben könnte. Der Atlantik vor der Küste Teneriffa ist stellenweise mehr als 1.000 Meter tief. Strömungen und Wellengang könnten dafür gesorgt haben, dass weitere Beweisstücke kilometerweit weggespült wurden. Deswegen wird die Suchzone auf dem Meer immer weiter ausgedehnt.

An Land, auf der Insel Teneriffa, durchkämmen unterdessen Suchtrupps die Küste, in der Hoffnung Hinweise auf den Verbleib von Anna und Olivia zu finden. Die Polizei drehte jeden Stein auf der Finca des Vaters um. Leichenspürhunde wurden eingesetzt. Das Privatleben G.s, der aus einer bekannten und wohlhabenden Familie Teneriffas stammt, wurde durchleuchtet. Inzwischen läuft eine weltweite Fahndung nach Vater und Kindern. Der Fall löste große Bestürzung in Spaniens Öffentlichkeit aus.

Mutter hat noch Hoffnung

Die Mutter, Beatriz Z., klammert sich unterdessen an die vage Hoffnung, dass ihr Ex-Mann die Kinder nicht getötet, sondern nur entführt hat: "Ich bin sicher, dass es den Kindern gut geht", schrieb sie in einer Nachricht in den sozialen Netzwerken. In einem öffentlichen Brief, den sie dieser Tage veröffentlichte, appellierte sie an G., den Kindern nichts anzutun. "Ich weiß, dass wir eine große Liebe gemeinsam haben, und zwar unsere Töchter. Und ich weiß, dass du ihnen niemals Schaden zufügen würdest."

Solange keine klaren Beweise für ein Gewaltverbrechen vorliegen, gehe man davon aus, dass die Kinder noch leben, sagt Joaquín Amills. Er ist der Sprecher der spanischen Vermisstenorganisation "SOS Desaparecidos". Diese Organisation unterstützt Beatriz Z. und hilft ihr, eine private Suchkampagne zu organisieren. Unzählige Fotos, Videos und Suchaufrufe durchdringen inzwischen die sozialen Netzwerke.

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Die immer größer werdende Kampagne erinnert zunehmend an die Suche nach der dreijährigen Madeleine McCann, die im Jahr 2004 an der portugiesischen Algarve-Küste verschwand. Ihre britischen Eltern, Gerry und Kate McCann, hatten eine weltweite private Suchaktion gestartet, die maßgeblich dazu beitrug, dass die Ermittlungsbehörden auch mehr als Jahrzehnt nach dem Verschwinden Madeleines nicht aufgaben.

Im vergangenen Jahr rückte im Fall Madeleine ein deutscher Serien-Sextäter ins Visier der Ermittler. Gegen den verdächtigen Christian B., der wegen einer Sexualstraftat und Rauschgiftdelikten in Haft sitzt, wird wegen Mordverdachts ermittelt. Der entscheidende Beweis für die Tat fehlt allerdings offenbar noch. Nur in einem Punkt ist die deutsche Staatsanwaltschaft inzwischen ziemlich sicher: Madeleine lebe vermutlich nicht mehr., eine private Suchaktion. Auch Interpol fahndet mittlerweile weltweit.

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