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Ein Kind mit Smartphone ist in Kinderzimmern ein immer häufigerer Anblick. - © picture alliance / dpa Themendienst
Ein Kind mit Smartphone ist in Kinderzimmern ein immer häufigerer Anblick. | © picture alliance / dpa Themendienst

Kommentar Medienkonsum bei Kleinkindern: Abschirmen statt berieseln lassen

Experten fordern eigene Handys für Erstklässler, Eltern parken Kinder dauerhaft vor dem Smartphone. Das kann nicht sein, findet unsere Autorin

Anneke Quasdorf
05.08.2019 | Stand 05.08.2019, 13:35 Uhr

Der Digitalverband Bitkom fordert eigene Handys für Erstklässler, während Eltern systematisch Smartphones und Tablets nutzen, um schon Kleinkinder zu beschäftigen und Bücher und Stifte durch entsprechende Apps ersetzen. Allein aus medienpädagogischer Sicht gibt es eine lange Liste von Argumenten, die ganz klar gegen diese Entwicklungen sprechen. Zu viele Funktionen, zu wenig Kontrolle, kognitive Überforderung statt digitaler Eloquenz. Experten, darunter auch ein Bielefelder Kinderarzt, schlagen deshalb Alarm. Allerdings braucht es keine Experten, sondern schlichtweg gesunden Menschenverstand, um selbst zu diesem Schluss zu kommen. Es wird doch allgemein auch nicht als sinnvoll betrachtet, Fünfjährigen einen eigenen Fernseher zu schenken oder sie allein mit einem scharfen Messer herumlaufen zu lassen. Der Grund ist derselbe und gilt auch fürs Smartphone oder Tablet: weil kleine und jüngere Kinder mit diesen Gegenständen noch nicht umgehen können. Herausgesaugt aus dem echten Leben Wir erleben doch bei uns selbst, wie schnell uns die digitale Welt heraussaugt aus der echten, welche Verlockung Whatsapp, Instagram und Co darstellen und wie schwer uns das Abschalten fällt. Bei Kindern geht es noch um etwas anderes: Sie entdecken die reale Welt gerade erst, erleben und erfahren hier vollauf genug. Vor Smartphone und Tablet lernen sie vor allem eins: sich berieseln zu lassen. Kinder haben Rechte, ja, aber Eltern haben auch Pflichten, und zwar die, ihren Nachwuchs zu schützen und ihm attraktive Reize aus dem echten Leben zu bieten. Das hat nichts damit zu tun, Kinder im Elfenbeinturm zu weltfremden Wesen zu erziehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns selbst kaum hinterherkommen, vor allem beim technischen Fortschritt. Kinder auf diese Welt mit all ihren Herausforderungen und Gefahren nicht vorzubereiten, wäre genauso fahrlässig, wie ihnen die Regeln im Straßenverkehr vorzuenthalten. Was es dazu braucht, sind Einblicke in vernünftigen Dosierungen, Eltern, die Vorbild sind und nicht selbst ständig am tickern. Und was Kinder vor allem nicht brauchen, ist ein eigenes Smartphone im Grundschulalter. Kontakt zur Autorin

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