Rauchen im Auto kann Kinder stark schädigen. - © picture alliance / dpa Themendienst
Rauchen im Auto kann Kinder stark schädigen. | © picture alliance / dpa Themendienst

Kommentar Rauchen im Auto: Kinderschutz ist wichtiger als die Freiheit der Raucher

Bislang ist es versäumt worden, etwas gegen extrem schädlichen Qualm im Auto zu unternehmen.

Da werden Kindheitserinnerungen wach: Dichter Zigarettenqualm bei der Autofahrt in den Urlaub, niemand ist angeschnallt, egal wie schnell der Familienvater den Pkw in Richtung holländischer Nordseeküste steuert. Heute wissen wir: So wichtig wie der Gurt für die Sicherheit der Autofahrer in einem vielfach verdichteten Autoverkehr ist, so gesundheitsschädlich ist der Zigarettenqualm im engen Auto besonders für Kinder. Während aber das Anschnallen längst gesetzliche Pflicht ist und ein Zuwiderhandeln mit empfindlichen Geldbußen bestraft wird, ist es bislang versäumt worden, etwas gegen den extrem schädlichen Qualm im Auto zu unternehmen. Die Fakten liegen auf dem Tisch Dabei liegen die Fakten klar auf dem Tisch. Die Passivrauch-Konzentration ist für Minderjährige nirgends so hoch wie in einem Auto. Die Konzentration krebserregender Stoffe steigt trotz gegebenenfalls geöffnetem Fenster auf das über 200-fache an. Nach Messungen des Deutschen Krebsforschungsinstituts liegt die Schadstoffkonzentration in einem verrauchten Auto fünf Mal so hoch wie in einer durchschnittlich verrauchten Bar. In deutschen Gaststätten aber ist das Rauchen längst verboten. Warum dann nicht in Autos, in denen Kinder sitzen? Es ist nicht erstaunlich, dass sich für die Initiative von Familienpolitikern, die sich für ein entsprechendes Rauchverbot in Autos mit Kindern einsetzen, jetzt endlich eine breite politische Mehrheit findet. Erstaunlich ist eher, dass eine solche Initiative erst jetzt erfolgreich werden kann. Kinderschutz ernst nehmen Dabei kämpfen nicht nur in NRW Familienpolitiker für das kinderschützende Rauchverbot. In Schleswig-Holstein hat der Landtag schon im Sommer des vergangenen Jahres parteiübergreifend ein bundesweites Rauchverbot in Autos, in denen Minderjährige sitzen, gefordert. Dass es andere europäische Länder gibt, in denen längst ein vergleichbares Rauchverbot gilt, rundet das Bild, dass Deutschland in diesem Punkt eher hinterherhinkt, weiter ab. Übrigens ist das Rauchverbot, das Kinder im Auto schützt – anders als beispielsweise ein Tempolimit, das alle Autofahrer schützen würde –, nicht einmal unpopulär. Zwei wissenschaftliche Umfragen gab es zu dem Thema in den vergangenen Jahren. In einer befürworteten 71 Prozent der Deutschen das Rauchverbot. Selbst 67 Prozent der Raucher waren dafür. In der anderen Umfrage waren 87 Prozent der Befragten dafür. Was spricht also dagegen, den Kinderschutz im Auto wichtiger zu nehmen als die individuelle Freiheit der Raucher? Nichts!

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