Die Zukunft ist weiblich, heißt es auf diesem Plakat. Nur: Wann ist es soweit? - © picture alliance / Sina Schuldt/dpa
Die Zukunft ist weiblich, heißt es auf diesem Plakat. Nur: Wann ist es soweit? | © picture alliance / Sina Schuldt/dpa

Meinung Kommentar zum Weltfrauentag: Es ist noch viel zu tun

Wie frau es macht, macht sie’s verkehrt. Bleibt sie mit Kind und Kegel zu Hause, um sich ganz dem Nachwuchs zu widmen, gilt sie als wenig zielstrebig, als Hausmütterchen und Verschwenderin von Ausbildungsressourcen. Gibt sie ihre Kinder für viele Stunden am Tag in die Kita oder zur Tagesmutter (so sie denn einen Platz ergattert hat), muss sie sich bis heute gegen den Vorwurf wehren, ihre Mutterschaft wohl eher als eine von vielen abgehakten Stationen in der Vita zu begreifen. Teilzeitmütter und -berufstätige sitzen eigentlich zwischen allen Stühlen und müssen sich ihre spärliche Rentenerwartung, drohende Altersarmut und die unwürdige Abhängigkeit vom Partner vorhalten lassen. Diese Diskussion übersieht etwas Wesentliches: Männer, auch wenn sie Väter sind, sind ihr in der Regel nicht ausgesetzt. Sie haben aber ebenfalls schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Die gläsernen Decken gibt es noch immer Frauen, die im Beruf vorankommen wollen, müssen sich gut überlegen, ob und wann sie eine Familie gründen. Noch immer wirkt ein Kind als Karrierehemmnis, fassen Frauen nach der Babypause schlecht oder gar nicht mehr Fuß im alten Beruf. Dass sie die Kompetenzen einer Familienmanagerin mitbringen, wird noch nicht überall als willkommene Zusatzqualifikation betrachtet. Die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Bascha Mika, legte mit ihrem 2011 erschienenen Bestseller „Die Feigheit der Frauen" eine Streitschrift vor, die den Frauen wegen ihrer erlernt defensiven Haltung in Karrierefragen eine Mitschuld an der eigenen Misere zuwies. Sie prägte den anschaulichen Begriff der „gläsernen Decken", durch die die Frauen zwar neugierig schauen könnten in Richtung Chefetage, die sie aber nur selten durchbrechen, um an den Konferenztischen von Politik und Wirtschaft Platz zu nehmen. Ein markantes Bild für die Illusion von der Gleichberechtigung. Nach oben wird die Luft für Frauen dünn Mikas Befund gilt noch immer: Nach oben wird für die meisten Frauen die Luft dünn. Doch ist es zu kurz gesprungen, die Frauen selbst dafür verantwortlich zu machen. Sie müssen kämpferischer sein als Männer, um die gläsernen Decken zu durchbrechen. Zu oft wird ihnen ihr biologisches „Risiko", schwanger zu werden, zum Verhängnis. Zu etabliert sind männliche Seilschaften, die einander in Sachen Karriere die Steigbügel halten. Noch viel zu tun also, auch 2019. Es ist ein weiter Weg, bis Frauen sich weder für den einen noch den anderen Lebensentwurf rechtfertigen müssen. Für die Karrierewilligen ist die Frauenquote, wenngleich eine Krücke, bislang der ehrlichere Weg. Allen anderen bietet ausgerechnet die von Ängsten begleitete Digitalisierung der Arbeitswelt Chancen, die Lebenssphären in Einklang zu bringen. Etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice. Gleichberechtigt genutzt – als Option für Frauen wie für Männer. Kontakt zur Autorin

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