Auf der Schiene unterwegs: Der Flixtrain. - © picture alliance/dpa
Auf der Schiene unterwegs: Der Flixtrain. | © picture alliance/dpa

Kommentar Flixtrain auch in NRW: Bahn-Kunden dürfen auf Wettbewerb hoffen

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Ableger von Flixbus langfristig einen nennenswerten Marktanteil erreicht. Das wäre gut für Bahn-Kunden, kommentiert unser Autor

Berlin. Am Fernverkehr auf der Schiene haben sich schon einige Unternehmen verhoben. Gegen die hier übermächtige Deutsche Bahn hatten sie keine Chance. Das ändert sich nun, zumindest ein wenig. Die grüne Flixtrain will ihr Angebot auf langen Strecken ausbauen und bereits ab Frühjahr zwischen Berlin und Köln, also auch durch NRW fahren. Die Chancen für Flixtrain stehen nicht schlecht Anscheinend läuft das Geschäft auf der Testroute zwischen Berlin und Stuttgart gut genug, um die nächsten Strecken anzugehen. Der Ableger des Fernbusunternehmens Flixbus wird zwar noch lange brauchen, um einen nennenswerten Marktanteil zu erreichen. Doch die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Frühere Versuche scheiterten letztlich an den hohen Barrieren, die Neulinge im Bahngeschäft erwartet. Züge sind teuer und die Deutsche Bahn hat ausrangiertes Material lange lieber in andere Länder verkauft, als sie potenziellen Konkurrenten anzubieten. Hohe Trassengebühren machten deutlich günstigere Tarife als die des Branchenriesen kaum möglich. Vor allem aber kannte die Alternativen zur Deutschen Bahn kaum ein Kunde, sträubte sich der Konzern doch lange gegen die Aufnahme der Wettbewerber in die Fahrplanauskunft. Diese Hindernisse sind mittlerweile weitgehend beseitigt. Flixtrain kennt die Reisewünsche der Kunden Weitaus wichtiger ist jedoch das pfiffige Geschäftsmodell von Flixbus. Im Grunde vermittelt das Unternehmen über seine Internetplattform Fahrgäste an selbständige Bus- oder Bahnunternehmen, die ihre Dienste unter dem grünen Logo verrichten. Mit vielen Millionen Busreisenden verfügen die Münchner über den Zugang zu potenziellen Bahnreisenden und kennen deren Reisewünsche. Die Kunden können mittelfristig auf etwas mehr Wettbewerb im Schienenverkehr und eine preiswerte Alternative zur Fahrt mit der Deutschen Bahn hoffen. Die Sorge, dass Sozialdumping bei Zugbegleitern und Lokführern eine Kehrseite der Medaille werden könnten, ist zumindest derzeit nicht begründet. Der Arbeitsmarkt für diese Fachkräfte ist leergefegt. Mit schlechten Arbeitskonditionen würden Bahnkonkurrenten kaum das notwendige Personal finden.

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