Der Philologenverband will eine härtere Benotung von Abiturienten. Das hilft niemandem. - © Pixabay
Der Philologenverband will eine härtere Benotung von Abiturienten. Das hilft niemandem. | © Pixabay

Meinung Strengere Abinoten? Das Bildungssystem hat andere Probleme

Der Deutsche Philologenverband fordert strengere Abiturnoten. Diese Forderung geht am eigentlichen Problem vorbei, kommentiert unsere Autorin

Die Prüfpraxis zu lax, die Noten zu gut, die Grundschulempfehlung zu unverbindlich. Die Kritik des Deutschen Philologenverbandes an den Abiturprüfungen und der Grundschulempfehlung für weiterführende Schulen klingt wie eine Kritik aus längst vergangenen Zeiten. Der Verband will, dass die Prüfungsanforderungen verschärft werden und begründet diese Forderung mit der Vorbereitung auf das Arbeitsleben und das Studium. Dort könne es schwierig werden, wenn die Leistungseinschätzung in der Schule zu lasch gewesen ist. Am eigentlichen Problem vorbei Der Verband vertritt in Deutschland rund 90.000 Lehrkräfte, vor allem an Gymnasien. Schade, dass er seine Wirkungsmacht in der Debatte über so ein wichtiges Thema nicht für die eigentlichen Probleme des Bildungssystems in Deutschland verwendet. Und das eigentliche Problem im deutschen Schulsystem sind nicht etwa vermeintlich laxe Anforderungen in Abiturprüfungen oder dass, wie in Nordrhein-Westfalen, die Grundschulempfehlung nicht verbindlich ist. Das Problem ist, das zeigen nun wirklich genügend Studien, dass die soziale Herkunft eines Einzelnen hierzulande nach wie vor wesentlich über seinen Erfolg in der Schule und im Studium entscheidet. Erst im Oktober hat eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Deutschland – schon wieder – ein ungerechtes Bildungssystem bescheinigt. Kinder von Eltern mit hohen Bildungsabschlüssen erreichen deutlich häufiger akademische Zeugnisse als Kinder von Eltern mit geringeren Schulabschlüssen, so das Ergebnis. Herumdoktern nützt nichts Dieses Problem dürfte es in einem reichen Land wie Deutschland gar nicht geben. Wie es zu beseitigen ist, darüber sollten wir diskutieren und daran sollte die Politik weiter arbeiten. Eines jedoch ist klar: Mit dem Herumdoktern an Prüfungsanforderungen wäre es nicht getan. Eine Verschärfung birgt sogar das Risiko, dass sich der Leistungsdruck in Schulen weiter erhöht, es am Ende nur noch darum geht, eine bestimmte Note zu erreichen. Die Grundschulempfehlung wieder verbindlicher zu machen, wäre fatal. Diese frühe Entscheidung ist eher Teil der Bildungsungleichheit in Deutschland, sagen Forscher. Kontakt zur Autorin

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