Das Bergwerk Prosper Haniel ist das letzte aktive Steinkohle Bergwerk im Ruhrgebiet. Ende 2018 schließt die Ruhrkohle AG (RAG) das Bergwerk. - © picture alliance/dpa
Das Bergwerk Prosper Haniel ist das letzte aktive Steinkohle Bergwerk im Ruhrgebiet. Ende 2018 schließt die Ruhrkohle AG (RAG) das Bergwerk. | © picture alliance/dpa

Kommentar Ende des Steinkohle-Bergbaus: Vorbild für die Autobauer

In Bottrop gehen am Freitag mehr als 150 Jahre Steinkohle-Bergbau offiziell zu Ende. Ein Kommentar

Thomas Seim
21.12.2018 | Stand 21.12.2018, 09:16 Uhr

Man hätte alles schon viel früher, schneller haben können! Hätte man? In Bottrop gehen am Freitag im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mehr als 150 Jahre Steinkohle-Bergbau offiziell zu Ende. Seit 1968, als sich die Zechen des Ruhrgebiets nach der ersten großen Kohlekrise zur RAG zusammenschlossen, kann man den Niedergang der Kohleförderung beobachten. Bis dahin hatte sie für meist private Kohle-Unternehmer zum Teil erhebliche Gewinne abgeworfen. Herausragende Leistung Dann wurde sie teuer. Für alle. Der Bodenschatz der Deutschen, der nach dem Zweiten Weltkrieg manch kleine Familie ernährt und manch kleine Hütte gewärmt hatte, liegt schlicht zu weit unten, um ihn rentabel zu fördern. Jedenfalls war das so, als man 2007 sein endgültiges Aus beschloss. Die Steuerzahler konnten dafür nicht mehr in Anspruch genommen werden. Heute dürfen wir vor allem im Blick auf die Herausforderungen eines um sich greifenden Klimawandels froh darüber sein, dass es so gekommen ist. Aber man muss auch darauf verweisen können und dürfen, welch herausragende Leistung für Frieden und Zusammenhalt in der Gesellschaft in diesem Prozess vollbracht worden ist. Über 50 Jahre lang haben alle dafür gezahlt, dass das schwarze Gold zu teuer gefördert wurde – ja. Damals allerdings – in den 60ern – arbeiteten mehr als 400.000 Beschäftigte im Bergbau. Heute sind es noch wenige hundert. Dieser Umbau war richtig Es war und ist die Stärke des deutschen Sozialstaats, dass er diesen gigantischen Umbau einer Industrie- und Kohlegesellschaft zwar nicht ohne Konflikte und Streit, wohl aber ohne Revolution oder erhebliche Unruhen schaffen konnte. Das loben heute auch jene, die damals den Bergbau verfluchten und zum Teufel wünschten – manchmal gar glaubt man zu erkennen, dass sie mit Stolz in ihren Stimmen ihre frühere Gegnerschaft bis zur Unkenntlichkeit übertönen wollen. Es bleibt: Dieser Umbau war richtig. Er ist und wird verbunden bleiben mit vielen Namen. Einer der wichtigsten unter ihnen ist Werner Müller, der Ideengeber und langjährige Kohlestiftungschef, der schwer erkrankt ist. Gut 150 Jahre Steinkohle-Bergbau gehen zu Ende. Am Freitag in Bottrop. Es hätte sicher alles viel schneller gehen können. Aber heute zeigen gerade die Nachfolger der Kohle, wie man aus dem Niedergang erfolgreich Unternehmens- und Investitionsgeschichte entwickeln kann. Vielleicht sollten wir das gelegentlich unserer heutigen Automobilindustrie in Erinnerung rufen. Kontakt zum Autor

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