0
"Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit und Demokratie": Die Macher von South Park kontern Chinas Zensur mit Humor. - © picture alliance / Everett Collection
"Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit und Demokratie": Die Macher von South Park kontern Chinas Zensur mit Humor. | © picture alliance / Everett Collection

Zensur China verbietet "South Park": Macher reagieren mit Spott

Sie nehmen die chinesische Politik aufs Korn. Dass ihre Serie in China nun verboten wird, dürfte den Erfindern von "Southpark" als Steilvorlage dienen.

Lieselotte Hasselhoff
08.10.2019 | Stand 08.10.2019, 22:00 Uhr

Peking. Medienberichten zufolge hat China offenbar die Satire-Zeichentrickserie "South Park" gänzlich verboten und im Internet unzugänglich gemacht. Alle Hinweise auf die Show wurden aus dem chinesischen Netz gelöscht. Was ist passiert? Die neue Folge mit dem englischen Titel "The China Probrem" enthält zahlreiche Anspielungen auf die chinesische Zensur, der sich Vertreter der Welt des Sports und der Massenmedien zuletzt schon mehrfach gebeugt hatten. In Reaktion auf die Zensur haben sich die "South Park"-Macher Trey Parker und Matt Stone nun auf ihre Weise entschuldigt: "Wie die NBA, so heißen auch wir die chinesischen Zensoren in unseren Herzen und unserem Zuhause willkommen", heißt es in dem Text. "Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit und Demokratie." Die Stellungnahme nimmt unter anderem Bezug auf einen Vorfall zwischen China und Daryl Morey, dem Manager der Basketballmannschaft Houston Rockets der National Basketball Association (NBA). Morey hatte via Twitter seine Unterstützung für die Protestbewegung in Hongkong zum Ausdruck gebracht. Der chinesische Basketballverband beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit dem NBA-Team, China hat die Übertragung einiger NBA-Spiele gestoppt. Wohl aus Angst, dass sonst keine Spiele der Houston Rockets mehr in China gezeigt werden würden, wurde der Tweet schleunigst gelöscht und die NBA veröffentlichte eine Entschuldigung. Ähnlicher Fall beim E-Sport Es ist nicht der einzige Vorfall dieser Art. Ein bekannter Hongkonger E-Sportler wurde vom Computerspiele-Entwickler Blizzard für ein Jahr suspendiert, weil er in einem Interview nach einem Match in dem Blizzard-Spiel "Hearthstone" gerufen hatte: "Befreit Hongkong! Die Revolution unserer Zeit." Dabei trug er eine Ski- und eine Atemmaske, wie es viele Demonstranten in Hongkong tun. Das habe die Wettkampfregeln verletzt, hieß es von Blizzard. Der chinesische Spieleriese Tencent hält fünf Prozent der Firmenanteile an Blizzard. In der "South Park"-Folge, die zum chinesischen Verbot der Serie führte, hat der Protagonist Stan Marsh ebenfalls mit der chinesischen Zensur zu kämpfen: Ein Film über dessen Metal-Band, der derzeit in Arbeit ist, muss ständig verändert werden, um nach Fertigstellung auch in China ausgestrahlt werden zu können. Chinas Staatschef wird mit Winnie Puuh verglichen Unterdessen reist Stans Vater Randy Marsh nach China, in der Hoffnung, dort sein illegales Marihuana-Geschäft ausweiten zu können. Dafür kommt er in ein Gefangenenlager. Im Lager trifft er auf verschiedenste Disney- und Marvel-Figuren, darunter auch Winnie Puuh. Die honigliebende Kinderfilmfigur steht in China seit 2017 auf der schwarzen Liste. Zu oft hatten Regimekritiker das Aussehen des Bären mit dem von Xi Jinping verglichen - dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China. Auch darauf nimmt die sogenannte "Entschuldigung" der "South Park"-Macher Bezug. Diese betonen nämlich: "Xi sieht wirklich ganz und gar nicht aus, wie Winnie Puuh." Und zum Abschluss: "Sind wir wieder Freunde, China?"

realisiert durch evolver group