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Schlicht und edel: Chor, Orchester und Solisten lassen die knapp 1.000 Seelen im Saal aufleben. - © Andreas Frücht
Schlicht und edel: Chor, Orchester und Solisten lassen die knapp 1.000 Seelen im Saal aufleben. | © Andreas Frücht

Bielefeld Konzert in der Oetkerhalle Bielefeld zeigt stimmige „Elias“

Aufführung mit den Bielefelder Philharmonikern, dem Universitätschor und der Kantorei Sennestadt

Christoph Guddorf
15.11.2016 | Stand 14.11.2016, 21:51 Uhr

Bielefeld. Was mit einer verheerenden Verkündigung Elias’ einer langjährigen Dürre seinen Lauf nimmt, fügt sich am Ende in einer fulminanten Fuge über die Preisung der Herrlichkeit des Herrn. Bei der Aufführung des Mendelssohnschen Oratoriums „Elias“ in der Oetkerhalle konnte allerdings kaum von einer „Durststrecke“ gesprochen werden, konnten sich doch Dorothea Schenk, die Bielefelder Philharmoniker, der Universitätschor Bielefeld sowie die Evangelische Kantorei Sennestadt mit einer insgesamt stimmigen, äußerst respektablen Darstellung des prophetischen Wirkens empfehlen. Durchweg stehend und nur durch die Pause unterbrochen, kann der mächtige Chorapparat (gemessen am 400-köpfigen bei der Uraufführung hingegen überschaubar) nach der doch recht unbeweglich und in der Tat „trocken“ tönenden Ouvertüre eine Spannung aufbauen, die er bis zum Schlussgesang aufrecht erhält. Der Orchesterklang sollte sich jedoch alsbald zu einem beseeltem wandeln. Bereits im „Aber der Herr sieht es nicht“ ist eine wunderbare Balance von aufgebrachter Volksmenge und choralhafter Glaubensstärke zu verspüren, die in einem warmherzig leuchtenden „Wohl dem“ ihren Fortgang nimmt. Ein nachdrückliches „Baal, erhöre uns!“, ein herrlich brausendes „Dank sei Dir, Gott“ im ersten Teil, ein entschieden anklagendes „Wehe ihm, er muss sterben!“, zarte Sopran-Spitzentöne im „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig“ und eine beeindruckende Kontrastierung von zerstörerischen Naturgewalten und göttlichem Säuseln im „Der Herr ging vorüber“ oder auch eine feurige Himmelsentrückung Elias’ überzeugen schlichtweg.Mit klarer Diktion das verdunkelte Herz erhellt Was ebenso auf die erstklassige Solistenriege zutrifft. Sebastian Noacks mit bassprofunder prophetischer Gewissheit („So wahr der Herr“), spöttisch-böse rollendem „R“ („Rufet lauter!“) und zornig vorgreifendem „G“ („Greift die Propheten Baals“) vibrierend sprechender Elias (geradezu bildhaft in der Arie „Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer“) hätte es allein in den lyrischen Passagen (bei „Herr Gott Abrahams“ und „Es ist genug!“) etwas mehr „von Engelsflügeln getragen“ strömen lassen können. Johanna Winkels Sopran erhebt in der Szene mit den Arien „Höre, Israel“ und „Ich bin euer Tröster“ ihre mahnende Stimme, um die Verhüllung des Antlitzes („Wohlan denn, gehe hinaus“) und das mit dem Banne geschlagene Erdreich („Drum ward gesendet“) in zartestes Pianissimo einzuhüllen. Sicherlich Höhepunkte des Abends. Georg Poplutz erhellt mit klarster tenoraler Diktion und geschmeidiger Stimmführung das verdunkelte Herz („So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ und „Dann werden die Gerechten“), Altistin Dshamilja Kaisers wiederum verleiht ihren Parts als Witwe und Königin eine demütige, teils zerbrechlich ersterbende Zurückhaltung beziehungsweise grausam starke, dunkle Seite. Die Rolle des Knaben verkörpert Anna-Sophie Brosig (ebenso im Terzett) mit packender Brillanz, während sich Sarah Rombergers Mezzo nahtlos in das Ensemble fügt, welches somit auch im Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln“ einen jegliche übertriebene Sentimentalität ablehnenden Mendelssohn auf schlichte wie edelste Weise vertritt. Alles in allem also ein „Elias“, der (nicht nur) die knapp 1.000 Seelen im Saal aufleben lässt.

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