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Drei von vier: Angelika Bachmann, Sonja Lena Schmid und Iris Siegfried (von links) vom Frauenquartett Salut Salon. - © Andreas Frücht
Drei von vier: Angelika Bachmann, Sonja Lena Schmid und Iris Siegfried (von links) vom Frauenquartett Salut Salon. | © Andreas Frücht

Bielefeld „Salut Salon“ zeigen sich hochvirtuos mit neuem Programm in Bielefeld

Das Damen-Quartett wandelt auf den Spuren von Camille Saint-Saëns

Christoph Guddorf
05.11.2016 | Stand 04.11.2016, 19:51 Uhr

Bielefeld. Mit ihrem neuen Programm „Ein Karneval der Tiere und andere Phantasien" begeben sich Salut Salon auf Entdeckungsreise in nahe wie fern liegende, zumeist tierisch tönende Territorien. Wie immer treffsicher arrangiert, brillant bis akrobatisch interpretiert und originell in Szene gesetzt, plaudern Angelika Bachmann (Geige), Iris Siegfried (Geige), Sonja Lena Schmid (Cello) und Olga Shkrygunova (Flügel) auf unvergleichliche musikalische Weise, wie ihnen die stilsicheren Schnäbel, wieselflinken Hände und tadellosen Talente gewachsen sind – und wandeln dabei freilich immer wieder auf den Spuren von Camille Saint-Saëns. Majestätisch wie hochvirtuos geben sie dem König der Tiere die Ehre und singen davon, was ihm gut schmeckt, lassen fulminant die „Fluchttiere" los, „Bachs Schafe" hingegen in einem sanft strömenden Klangbett „sicher weiden", klopfen „Fossilien" frei, bitten Skelette mit Xylophon, klappernden und knackenden Streicherklängen zum „Danse macabre", lassen Schildkröten einen chilligen Cancan tanzen, die Enten mit dem Hinterteil wackeln. Hühner und Hähne lassen sie mit- und gegeneinander gackern, die Hummel ums Cello kreisen (Rimsky-Korsakow) und den Flohwalzer springen. Duettierend erzählen sie Geschichten vom „kleinen weißen Esel" (Jaques Ibert) und weiteren „Persönlichkeiten mit langen Ohren" (Saint-Saëns), die sich untereinander „anzicken". Im nächsten Moment zwitschert es selig aus allen Instrumenten wie aus einem „Vogelhaus", singt der Schwan(-ensee) auf der schwingenden Säge (bezaubernd nuancenreich: Angelika Bachmann), glitzern die Fische im „Aquarium", bevor sich dann „Der weiße Hai", „Das Boot" und „Die Moritat von Mackie Messer" zu einem bedrohlich-stimmigen Medley treffen und Piazzollas „Hai" durch das Tango-Becken gezogen wird. In einem „Liebeslied" hingegen brennt Iris Siegfried nur für eine Leuchtqualle, lullt die Schlange Kaa aus dem „Dschungelbuch" als vermeintlicher „Schutzengel" genüsslich zischend und flötend auch das Publikum ein („Hör auf mich"). Verführerisch wie verwegen ist an diesem „Karneval der Tiere" insbesondere, wie fantasievoll sich Vokal- und Instrumentalstücke in einem närrisch arrangierten Klang-Zoo zusammenfügen. „Wirklicher" Karneval klingt im Walzer aus Aram Khachaturians „Masquerade"-Suite, in brasilianischen Rhythmen aus „Aquarelo do Brasil" und karnevalesken Anleihen aus der Peking-Oper an. Da auch Salut Salon wissen, wie der Mensch in der Maskerade zum Tier werden kann, lassen sie es zuletzt noch einmal richtig krachen: Im „Wettstreit zu viert" widmen sie sich in allen erdenklichen körperlichen wie instrumentalen Positionen Vivaldis „Sommer", Weills „Mackie Messer" und Mozarts „Sonata facile". „Leicht" geht anders – „klassisch verführt" dagegen kaum: Salut Salon sind und bleiben eine Marke, der das Publikum auch an diesem Donnerstagabend einmal mehr verfallen ist.

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