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Kopf der Woche Roland Kaiser: "Auf der Bühne ist es meine Aufgabe, zu unterhalten"

Roland Kaiser, mittlerweile 64 Jahre alt, weiß,wie er sein Publikum begeistert. In Dresden etwa spielt der Schlagersänger bei der „Kaisermania“ jährlich vier Open-Air-Konzerte vor Zehntausenden Zuschauern. In dieser Woche wurde ihm für sein soziales Engagement sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen. Bei oberflächlicher Betrachtung mag es überraschen, dass ein Mann wie Kaiser, der liebend gern über Affären, Liebe und sieben Fässer Wein singt, solch eine Ehrung erhält. Doch wer Roland Kaiser privat trifft, merkt, dass der Mann vielschichtig ist. Und dass er wirklich etwas zu sagen hat.

Lennart Krause
10.12.2016 | Stand 09.12.2016, 16:55 Uhr
Roland Kaiser. - © dpa
Roland Kaiser. | © dpa

Herr Kaiser, jetzt sind Sie nicht nur einer der erfolgreichsten Sänger Deutschlands, sondern auch Träger des Bundesverdienstkreuzes. Heben Sie jetzt ab?
Roland Kaiser:
Bestimmt nicht, da können Sie fest von ausgehen.

Nehmen Sie für sich also lieber den Begriff demütig als Beschreibung Ihrer Person in Anspruch?
Kaiser:
Was heißt in Anspruch nehmen? Demut hat man einfach in sich, wenn man im Leben so viel Glück hatte wie ich. Das Schicksal hat mich sehr oft in die Arme genommen. Das weiß ich. Und mit so einem Wissen kann man nur demütig sein.

Roland Kaiser. - © Sony Masterworks
Roland Kaiser. | © Sony Masterworks

Wo war das Schicksal denn besonders gut zu Ihnen?
Kaiser:
In vielen privaten Dingen. Aber natürlich auch beruflich. Es ist schon ein großes Glück, Konzerte vor Tausenden Menschen zu spielen, wie ich es darf. Das ist schon eine große Gnade, die mir da widerfahren ist. Deshalb bin ich aber nicht besser. Und ich erhebe mich auch bestimmt nicht über andere.

Eine selten gewordene Einstellung. Bei so manchem jungen Kollegen hat man das Gefühl, mit dem Ruhm kommt die Eitelkeit. . .
Kaiser:
Das wird in allen Bereich des Lebens Leuten passieren, die zum ersten Mal mit Erfolg in Berührung kommen. Man glaubt dann, dass man der Mittelpunkt der Welt ist. Und das nichts so wichtig ist, wie man selbst. Man glaubt auch, dass man immer Erfolg haben wird. Aber irgendwann wird einen das Leben lehren, dass das nicht so ist. Und dann landet man wieder auf dem Boden der Tatsachen. Das passiert jedem. Man muss nur einen Weg finden, schnell wieder Bodenkontakt zu bekommen.

Liegt in der beschriebenen Bodenständigkeit Ihr Erfolgsrezept für Ihre jahrzehntelange Karriere?
Kaiser:
Die Bodenständigkeit gehört dazu. Aber ein Erfolgsrezept ist das nicht. Und das gibt es auch nicht. Wichtig ist, zeitgemäß zu sein, ohne sich dabei zu verlieren. Dann auch das Glück, gute Titel zu haben, damit sich die Leute für einen interessieren. Nur mit Begabung hat das sicher nichts zu tun.

Glück klingt aber auch sehr unromantisch. Es muss doch mehr dahinterstecken. Hingabe zum Beispiel. Sonst kann ja jeder, der will, ein Star werden. . .
Kaiser:
Ich denke, dass das Ziel ein Star werden zu wollen, in der Tat eine falsche Motivation ist. Das richtige Ziel sollte eher sein: Ich möchte irgendwann auf einer Bühne stehen und eine gewisse Zeit lang Menschen so unterhalten, dass sie nicht gelangweilt weggehen. Aber ohne Glück geht es eben nicht. Und ohne die Erkenntnis, dass man am Anfang seiner Karriere mehr Glück als Fleiß braucht. Das dreht sich aber irgendwann komplett um. Später braucht man viel weniger Glück, muss aber hart und viel arbeiten, damit man weiterhin erfolgreich ist.

Also ist harte Arbeit das eigentliche Erfolgsrezept. . .
Kaiser:
Das gilt doch aber für jeden Beruf. Die Bereitschaft zu harter Arbeit ist notwendig. Wichtig ist aber auch, zuhören zu können. Denn wissen Sie: nicht jede Kritik, die andere an einem üben, ist unberechtigt. Und man muss offen für Neues sein.

Das scheinen Sie zu sein, zumindest sind auf Ihren Konzerten viele junge Leute. Das vermutet man, bei allem Respekt, nicht unbedingt bei einem 64-jährigen Schlagersänger. . .
Kaiser:
Manchmal habe ich während meiner Auftritte das Gefühl, ich bin der älteste Mann auf dem Platz. Aber na gut, das ist nicht schlimm. Viele junge Menschen im Publikum zu haben, heißt schließlich, einen Vertrag mit der Zukunft zu haben. Es gibt immer mehr junge Menschen, die sich zur populären deutschen Musik bekennen, weil sich unser Verhältnis zur Sprache normalisiert hat. Früher haben wir sehr viele Anglizismen und viele englische Schlager übernommen. Jetzt haben wir wieder so eine normale Beziehung, was ich sehr gesund finde.

Ob alt oder jung: Wie merkt man sich als Sänger eigentlich so viele Songtexte? Ihre Konzerte dauern oft zweieinhalb Stunden und länger, da gibt es viel Potenzial, etwas zu vergessen . . .
Kaiser:
Texte muss man lernen, ganz einfach. So wie jeder Schauspieler auch seinen Text lernen muss. Das ist ein Teil meines Berufes. Viele behelfen sich mit einem Teleprompter, aber da habe ich Angst vor.

Wie kommt’s?
Kaiser:
Wenn der ausfällt, dann war es das. Wenn man so ein Gerät erst mal benutzt, dann verlässt man sich darauf und lernt die Texte nicht mehr richtig. Das Ergebnis wäre dann Musik ohne Gesang. Das möchte ich nicht erleben, da lerne ich lieber.

Ihre Hits können Sie bestimmt so auswendig, dass Sie sie eigentlich heimlich schon nerven, oder?
Kaiser:
Gar nicht. Im Gegenteil. Es wäre ja furchtbar, wenn Sie die Dinge, die Sie zum Erfolg gebracht haben, schlecht reden und nicht mehr singen. Mir machen die immer noch Spaß. Das liegt auch daran, dass wir sie ja immer neu arrangieren und zeitgemäß präsentieren.

Sie sind einer der wenigen Künstler, der schon zu Beginn eines Konzertes immer einen seiner größten Hits bringt. Warum eigentlich?
Kaiser:
Das habe ich von Paul Anka gelernt. Ich habe mal eine Show von ihm in Las Vegas besucht. Und da hat der als ersten Song seinen Hit „Diana" gebracht. Ich habe ihn danach getroffen und gefragt, warum er das macht. Er sagte: „Weil speziell Ihr Deutschen spinnt. Ihr wartet und wartet und ganz hinten singt ihr alle eure größten Hits. Komm mit dem größten raus und du bist der König und kannst machen was du willst." Seitdem fange ich immer mit einem bekannten Titel an. Das hat gleich mehrere Vorteile.

Welche?
Kaiser:
Zum einen ist sofort eine gute Stimmung im Publikum. Außerdem sind viele Zuhörer dann so gelockert, dass sie auch offener für neue Songs sind. Und das macht dann als Künstler natürlich umso mehr Spaß.

Hilft Ihnen so ein Hit zu Beginn auch gegen das Lampenfieber?
Kaiser:
Nö, denn Lampenfieber habe ich nicht mehr.

Wirklich nicht? Das ist selten. Liegt das an Ihrer großen Routine?
Kaiser:
Nein, mit Routine legt man das nicht automatisch ab. Seit ich durch eine Organspende gerettet wurde und wieder am Leben teilhaben konnte, hat sich vieles relativiert. Mein Beruf ist wichtig, aber wenn da was schiefgeht – davon geht die Welt nicht unter. Darum bin ich auch nicht mehr mit Lampenfieber geschlagen, sondern mit großer Vorfreude. Ich gehe mit Freude raus und nicht mit der Sorge, dass etwas nicht gut geht. Das ist ein großes Glück, denn ich weiß, dass viele Kollegen aus allen musikalischen Bereichen zittern und Angst haben.

Sie sagen selbst, Ihr Beruf ist wichtig, immerhin erreichen Sie mit Ihren Auftritten viele Menschen. Müssten Sie nicht politischer auf der Bühne sein?
Kaiser:
Ein Künstler muss doch nicht politisch sein. Ich bin zwar beides, trenne das aber sehr genau. Auf der Bühne ist es meine Aufgabe, die Konzertbesucher so gut wie möglich zu unterhalten und sie nach einem gewissen Zeitraum mit einem guten Gefühl nach Hause zu entlassen. Wenn ich etwas von gesellschaftskritischer Natur sagen möchte, dann kann ich das bei passenden Gelegenheiten machen. Da singe ich dann auch nicht. Bei einem Konzert irgendwelche Statements abzugeben, finde ich falsch. Die Leute sind nicht gekommen um Reden zu hören, sondern um Musik zu hören.

Für die SPD Mecklenburg-Vorpommern wählen Sie als Wahlmann nächstes Jahr den Bundespräsidenten, Sie engagieren sich in verschiedenen Stiftungen und sind als Sänger oft unterwegs. Was machen Sie eigentlich privat so?
Kaiser:
Ich fliege sehr gerne. Aber ansonsten versuche ich mein Leben so zu gestalten, dass es entspannt ist und meine Familie und ich gut klarkommen. Ganz normal also.

So normal, dass nicht mal in irgendwelchen Hochglanzmagazinen Homestorys von Ihnen zu lesen sind. Haben Sie keine Lust mehr auf den großen und permanenten Ruhm?
Kaiser:
Wie gesagt, dass mit der Demut meine ich ernst. Ich bin nicht so wichtig, dass ich mein Privatleben anderen auf die Nase binden muss. Und ich muss auch nicht dauernd auf roten Teppichen herumlaufen. Das ist das Gute, wenn man wie ich in Münster oder wie sie in Bielefeld lebt, da gibt es doch eher selten rote Teppiche. Und extra irgendwo hinfahren? Nein, das brauche wirklich nicht. Ich habe gelernt Nein zu sagen und die wichtigen Dinge im Leben zu erkennen und zu genießen. Das ist meine Familie und meine Musik. Damit bin ich wirklich sehr zufrieden.

Information

In Bielefeld

Roland Kaiser blickt auf eine bewegte Karriere zurück – und auf ein bewegtes Leben. Der gelernte Kaufmann, der mit bürgerlichem Namen Roland Keiler heißt, erkrankte Anfang des Jahrtausends an der Lungenkrankheit COPD. Nur die Transplantation einer Spenderlunge 2010 hielt den heute 64-Jährigen am Leben. Kaiser engagiert sich, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, in verschiedenen sozialen Bereichen. Sein nächstes Konzert in der Region gibt er am Sonntag, 9. April, ab 18 Uhr in der Bielefelder Stadthalle. Tickets gibt es in den Geschäftstellen dieser Zeitung und unter erwin-event.de

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