0
Cindy aus Marzahn bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Stadthalle. - © FOTO: BARBARA FRANKE
Cindy aus Marzahn bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Stadthalle. | © FOTO: BARBARA FRANKE

Kampfkugel auf Männersuche

Cindy aus Marzahn riskierte näheren Blick ins Bielefelder Publikum

VON NINA WÜLLNER
12.04.2010 | Stand 12.04.2010, 10:06 Uhr

Bielefeld. Wenn Frau Cindy einen Besuch in Bielefeld abstattet, dann ist die Stadthalle restlos ausverkauft. Cindy aus Marzahn, korpulent gebaut, stets in Pink gehüllt und mit einem extrem großem Selbstbewusstsein und dem dazu passenden Mundwerk ausgestattet, gehört zu der A-Liga der deutschen Comedyszene.

In bester DJ Ötzi-Manier eröffnete Cindy ihre Show musikalich: "Nicht jeder Prinz kommt uff’m Pferd", so lautet sowohl der Titel vom Eröffnungslied wie auch ihr aktuelles Programm. Mitgebracht hatte der "Traum in Pink", wie Cindy auch gerne genannt wird, ihre kurzweiligen Geschichten aus dem Berliner Plattenbau, ein selbstgeschriebenes Aufklärungsbuch und einen überdimensionalen, pink-goldenen Thron.

Cindy ist auf Männersuche. Was ist da naheliegender als einen genaueren Blick ins Bielefelder Publikum zu riskieren? Fan Danilo schenkte der Frau Cindy ein schwarzes Plüschschaf, fiel aber leider aus Cindys Zielgruppe, da er sofort sagte, dass er mit seinem Freund da sei. Herbert war Cindy mit 65 Jahren zu alt, aber Sven aus der zweiten Reihe hatte es Cindy angetan: Sie neckte ihn das gesamte Programm über auf ihre derbe Art.

"Glatze sucht Matratze"-Party

Cindy nimmt nie ein Blatt vor den Mund und manchmal auch die Faust zur Hilfe, um ihre Argumente zu unterstreichen. Dass das so nicht weitergehen kann, dachte sich auch Cindys ARGE-Beraterin und schickte die Hartz IV-Empfängerin zu einem Anti-Agressionstraining. Eine Kursleiterin mit kaputter Brille und eine noch ungehaltenere Frau aus Marzahn waren das Resultat. Aber die gelockte Blondine mit dem pinken Blumenpuschel im Haar gibt so schnell nicht auf.

Zusammen mit ihrer "extrem hässlichen" Freundin Britney Schulze, machte sich Cindy auf die "Marzahner Mühle" um auf einer "Glatze sucht Matratze"-Party ihren Mann fürs Leben zu finden. Das hat leider nicht geklappt, aber Cindy wäre nicht Cindy, wenn sie nicht sofort wieder aufraffen würde. Sie sang das Lied "Wo sind die Prinzen hin", bei dem Feuerzeug-Schwenk-Stimmung aufkam. Ilka Bessin hat die Figur Cindy erdacht und wurde quasi über Nacht, durch einen Sieg beim "Quatsch Comedy Club" berühmt.

Von Cindy aus Marzahn kann man eine Menge lernen: Die eigene Meinung frei heraus zu sagen, sich weder von der Arbeitsagentur noch vom eigenen Übergewicht beeindrucken zu lassen und auch die Sache mit der Liebe und dem Sex nicht zu ernst zu nehmen. An diesem Abend wurde alles gut: Traumprinz Sven kam auf die Bühne, bekam ein T-Shirt geschenkt und mußte auf einem Münzschaukelpferd für Kinder reiten. Frau Cindy, dett war een doller Abend, kommse ma wieda!

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group