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Brutal und packend: Die Journalistin Rahimi (Zar Amir Ebrahimi) ist einem Serienmörder auf der Spur. - © Alamode Film
Brutal und packend: Die Journalistin Rahimi (Zar Amir Ebrahimi) ist einem Serienmörder auf der Spur. | © Alamode Film

Filmstart "Holy Spider“: Im Schatten des Serienkillers

Basierend auf einem wahren Kriminalfall: Unaufgeklärte Morde an Prostituierten halten die Heilige Stadt Maschhad im Iran in Atem. Der „Spinnenmörder“ geht um.

André Wesche
15.01.2023 , 10:00 Uhr

Mit 3,5 Millionen Einwohnern ist Maschhad die zweitgrößte Metropole im Iran. Sie gilt als „spirituelle Hauptstadt“ des Landes und als Pilgerstätte. Es wird hierzulande so manchen verwundern, dass es in dieser City auch einen Straßenstrich und drogenabhängige Prostituierte gibt.

Der iranisch-stämmige Filmemacher Ali Abbasi will mit seinem auf Wahrheiten basierenden Thriller nicht speziell die alltäglichen Widersprüchlichkeiten seiner Heimat aufzeigen, er bezieht sich vielmehr auf alle Länder, in denen Frauen unterdrückt und gedemütigt werden. Und damit ist er, wie aktuelle Nachrichtenbilder zeigen, leider brandaktuell.

Maschhad zu Beginn des neuen Jahrtausends: Schon mehrere „Bordsteinschwalben“ sind ermordet worden, aber die Polizei hütet sich davor, von einem Serienkiller zu sprechen, selbst wenn das Muster der Taten stets dasselbe ist. Als sich eine junge Mutter nachts von ihrem schlafenden Kind verabschiedet, ahnt sie nicht, dass sie nicht nach Hause zurückkehren wird. Sie gerät in die Fänge von Saeed Hanaei (Mehdi Bajestani), den die Öffentlichkeit hinter vorgehaltener Hand den „Spinnenmörder“ nennt. Der Killer waltet seines Amtes und entsorgt die Leiche anschließend via Motorrad am Stadtrand. Dann taucht Hanaei wieder in die Anonymität der Großstadt ein. Deren nächtlichen Lichter bilden das Netz, in dem die Spinne bald wieder Beute schlagen wird.

Die Journalistin Rahimi (Zar Amir Ebrahimi) wird in die Stadt geschickt, um in dem Fall zu recherchieren. Schon beim Einchecken ins Hotel legt man ihr nahe, ihr Haar besser zu bedecken. Und überhaupt: Als Alleinreisende hat sie keinen Anspruch auf ein Zimmer. Hier zeigt Rahimi zum ersten Mal, wie sie gestrickt ist. Die resolute junge Frau kommt auf die Spur des Mörders, der schließlich verhaftet wird. Hanaei sieht sich auf einem Jihad gegen die Sittenlosigkeit und macht vor Gericht auf dicke Hose. Die Frau des Familienvaters steht voll hinter ihm. Schlimmer noch, viele Menschen machen sich für eine Freilassung des Täters stark, sie unterstützen dessen Sippe und sammeln Unterschriften.

Wenig überraschend hat Ali Abbasi nicht an Originalschauplätzen, sondern im jordanischen Amman gedreht. Entstanden ist ein zutiefst beeindruckender und verstörender Thriller mit einer grandiosen Hauptdarstellerin, der den Alltag im Iran erlebbar macht. Im Bemühen, Aufsehen zu erregen, schießt der Filmemacher allerdings bei einigen unnötig expliziten Szenen übers Ziel hinaus. Trotzdem sehr empfehlenswert.

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