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Stets freundlich: Gregor Meyle mit Hut, Sonnenbrille und Ehering an einem Sommertag irgendwo in Deutschland. - © RALF SCHOENENBERG
Stets freundlich: Gregor Meyle mit Hut, Sonnenbrille und Ehering an einem Sommertag irgendwo in Deutschland. | © RALF SCHOENENBERG

Porträt "Die Branche ist sehr verhalten"

Hut und sonore Stimme: Gregor Meyle ist in der TV- und Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Neben einer neuen ARD-Show kommt er auch auf Tour nach Bielefeld.

Oliver Herold
19.11.2022 , 09:00 Uhr

Bielefeld. Neue TV-Show, neues Album, neue Tour – und die Weinernte: hervorragend. Eigentlich könnte Gregor Meyle zufrieden sein, es läuft für ihn. Doch sein Blick in die Zukunft fällt nicht ganz so rosig aus wie die Bestandsaufnahme der Gegenwart. Doch der Reihe nach.

Bekannt ist Gregor Fabian Meyle einem Millionenpublikum seit Ende 2007: In der von ProSieben ausgestrahlten Gesangs-Castingshow von Stefan Raab namens „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ (Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf) belegte er den zweiten Platz. Im Jahr darauf erschien sein erstes Album „So soll es sein“, fünf weitere folgten, alle konnten sich in den Hitlisten platzieren.

„80 Prozent der Texte sind selbst erlebt oder autobiografisch, bei dem Rest versuche ich, mich in andere Menschen und Situationen hineinzuversetzen“, berichtet der Künstler. Vielleicht sind sich deswegen Kritiker und Medien einig, dass seine Texte und Lieder „gefühlvoll“ seien, „neugierig“ und „voller Optimismus“. 2014 brachte die Show „Sing meinen Song – Das Tauschkon-zert“ bei VOX noch einmal einen bedeutenden Popularitätsschub für den Schwaben. Kein Jahr später, 2015, bekam er seine eigene TV-Sendung „Meylensteine“, in der er andere Musiker wie Stefanie Heinzmann und Sarah Connor besuchte. Es folgten weitere Arrangements im Fernsehen, zuletzt war er als Moderator in der ARD-Reihe „Playlist Of My Life“ an der Seite von Jeanette Biedermann zu sehen.

MEYLE WIRBT FÜR IMPFUNG

Und weil das gut ankam, geht es am 26. November in die nächste Runde. „Your Songs“ heißt das neue Format, das in der ARD um 23.15 Uhr ausgestrahlt wird und auf das sich Meyle freut. Wieder moderiert er die bereits vorab aufgezeichnete Show gemeinsam mit Jeanette Biedermann – und kann es kaum erwarten. „Your Songs“, schwärmt Meyle, „ist ein einzigartiges Musikerlebnis mit den aktuell größten Popstars Deutschlands und einem internationalen Stargast. Eine Show mit herausragenden Songs und voller emotionaler Geschichten.“ Mit dabei, so Meyle, seien viele Größen des Musikgeschäftes wie Sarah Connor, Max Giesinger, Johannes Oerding, Michael Patrick Kelly und Robbie Williams. Sie performen ihre bekanntesten Songs auf einer Showbühne und werden dabei von einer Studioband und dem MDR-Sinfonieorchester begleitet.

Nebenbei (und auch schon länger) arbeitet Meyle an seinem ersten neuen Album seit 2018, das eigentlich schon zum Herbstanfang hätte erscheinen sollte, von dem jedoch erst einige Songs wie „Gleichgewicht“ auf Youtube veröffentlicht sind. „Ich schiebe das Album jetzt schon mehr als zwei Jahre vor mir her, Corona hat uns da etwas aus dem Rhythmus gehauen“, sagt Meyle, der 2020 selbst Corona positiv war und der der Grund war, weswegen „The Masked Singer“ – Meyle sang damals im Kostüm eines Drachen – eine dreiwöchige Pause einlegen musste. „Es war hart“, sagt Meyle. Auch seine Frau und seine Tochter seien anschließend erkrankt, wobei es die „Kleine“ besser weggesteckt habe. Wohl auch aufgrund dieser Erfahrung empfahl Meyle immer wieder öffentlich die Corona-Impfung. Im Juli 2021 konnten sich Besucher seines Konzerts in Norddeutschland sogar spontan impfen lassen.

Der Musiker will nicht jammern

Jetzt, mehr als ein Jahr später, ist Meyle noch immer auf Tour – oder schon wieder? „Wir spielen jetzt im Herbst die letzte Tour von 2020, die damals verschoben werden musste. Es ist gut so, dass wir die Tour von 2020 noch hatten. Wenn wir neu in den Verkauf gegangen wären, hätten wir sie absagen müssen“, sagt der 44-Jährige. Und zwar nicht wegen der musikalischen Qualität, sondern, weil der Markt „total übersättigt“ sei.

„Die Leute haben Bock auf Superlative, die gehen nicht mehr zu kleinen Konzerten mit 1.000 bis 2.000 Zuschauern, sondern zu Harry Styles, den Backstreet Boys, Coldplay oder Ed Sheeran“, erklärt Meyle. Das kriege man bei den Vorverkäufen extrem zu spüren, bis zu 70 Prozent weniger Tickets als vor Corona würden derzeit verkauft. „Es reicht gerade so für den Aufwand, den man betreibt. Wir stehen ja mit zehn Leuten auf der Bühne, Freunde und Familie stecken mit drin, das versuche ich zu halten.“

Meyle und Umfeld seien nicht die einzigen Betroffenen. Im Vergleich zu 2019 gebe es ein Drittel der Veranstalter nicht mehr, von den noch übrig gebliebenen plane keiner mehr über ein Jahr im Voraus. „Es bleibt und wird spannend.“ Dennoch: „Jammern“ oder „Schwarzmalen“ wolle er nicht: „Alles cool. Noch ist es so, dass wir touren können und noch über die Runden kommen und nicht draufzahlen. Wir freuen uns sehr, dass wir Menschen einen schönen Abend bereiten können und dass wir wieder im Tourbus unterwegs sind.“

Mehr als ein Hobby: Wein

Besonders positiv, wenn auch aus anderen Gründen, blickt Meyler auf das Jahr 2023. „Der Wein wird gut“, sagt er und er weiß, wovon er spricht. „Ich bin ja in den Weinbergen aufgewachsen und habe als Jugendlicher viel bei der Ernte mitgeholfen“, erinnert er sich. Er sei zwar kein Winzer, kreiere aber seit einigen Jahren mit einer befreundeten Winzerfamilie aus der Pfalz Weine, indem man verschiedene Sorten miteinander kombiniere. „Das ist nicht nur ein Genuss für mich, sondern auch ein großer Spaß.“

Mittlerweile habe man fünf Weine im Angebot, das Ganze sei noch als Hobby zu verstehen, aber ein ernstes: „Wir haben bereits viele Preise mit unseren letzten Weinen gewonnen. Unser Sauvignon Blanc beispielsweise ist der drittbeste Sauvignon Blanc auf der Pfalz von insgesamt 800 Weinen. Das ist fett!“, sagt er. Und vielleicht wird das Hobby ja doch irgendwann zu einem zweiten Standbein neben der Musik. „Wir hatten eine hervorragende Weinernte, weil es diesen Sommer sehr sonnig war und trocken.“ Aktuell lagere die Ernte noch in den Fässern und müsse noch getrennt und geklärt werden. „Im Februar schauen wir uns das mal an.“ Also vielleicht doch Winzer – und Gourmet? Ein Kochbuch zumindest hat er bereits veröffentlicht.

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