Die Juristin Elke Büdenbender und Eckhard Nagel, Transplantationsmediziner, haben ein Buch über das Sterben verfasst. - © Britta Pedersen
Die Juristin Elke Büdenbender und Eckhard Nagel, Transplantationsmediziner, haben ein Buch über das Sterben verfasst. | © Britta Pedersen

NW Plus Logo Interview „Das Sterben ist ein Teil des Lebens“

Der Tod gehört also zum Alltag – und wird doch zunehmend daraus verdrängt. Ein Gespräch mit Elke Büdenbender und Eckhard Nagel über ihr dazu jetzt erscheinendes Buch.

Ulrich Steinkohl

Ein Buch über das Sterben und den Tod – was hat Sie veranlasst, es zu schreiben?

Elke Büdenbender: Ich war gerade im Jahr 2020 erschüttert über die Todeszahlen infolge der Pandemie. In Pflegeheimen sind so viele Menschen gestorben, und ich habe mich gefragt: Warum bekommen wir das nicht in den Griff? Und vor allem: Warum sprechen wir darüber so wenig? Dann habe ich überlegt, ich würde gerne etwas dazu machen. Auch über die Frage der Einsamkeit des Sterbens. Das war ja damals unglaublich hart. Aus einem Interview, das ich dazu gegeben habe, ist dann die Buchidee gemeinsam mit Eckhard Nagel entstanden.

Eckhard Nagel: Anfangs waren wir nicht sicher, ob sich aus unserem Dialog inhaltlich die Grundlage für eine Verschriftlichung ergeben würde. Aber dann ist daraus eine Gedankenreise geworden, die wir gemeinsam unternommen haben – durch unsere Leben und unsere Erfahrungen, persönlich und beruflich. Daraus ist dann ein Buch geworden. Aber es war keineswegs sicher, ob uns das tatsächlich gelingen würde.

Büdenbender: Ja, das stimmt. Es war für alle ein Experiment. Ich glaube, wir sind wirklich so gut wie alle Aspekte des Sterbens und des Todes durchgegangen und haben für uns sehr viel gewonnen. Es ist ein Thema, dass jede und jeden angeht. Der Tod betrifft uns alle!

Und trotzdem ist er fast ein Tabuthema.

Nagel: Die Frage, wie intensiv man in einer Gesellschaft mit dem Tod umgeht, hängt ja sehr mit ihrer Verfasstheit zusammen, mit ihren Idealen, mit den Dingen, nach denen man strebt. Wir haben aufgezeigt, dass es vor allem im Mittelalter eine „ars moriendi“ (Kunst des Sterbens) gab, eine klare Vorstellung, wie man die Welt verlassen sollte. Damals wollte man das Sterben bewusst wahrnehmen, sich darauf vorbereiten. Das hat sich völlig geändert. Das Zerbrechliche oder Gebrechliche, das Begrenzte steht heute nicht hoch im Kurs. Wir machen möglichst einen Bogen darum. Insofern ist der Tod selbst und damit die Endlichkeit der menschlichen Existenz immer weiter aus unserem Alltag geschwunden.

Büdenbender: Ich denke auch, dass mit dem Schwinden der Religiosität und des Glaubens viel Orientierung verloren gegangen ist, wenn wir über unser eigenes Ende, unser Sterben oder den Tod nachdenken.

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