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Der Showklassiker "Wetten, dass..?" im ZDF kehrt auch in diesem und im nächsten Jahr zurück. - © picture-alliance / dpa
Der Showklassiker "Wetten, dass..?" im ZDF kehrt auch in diesem und im nächsten Jahr zurück. | © picture-alliance / dpa

Nostalgie-Welle Wieso 90er-Shows gerade ihr Comeback feiern - und was das Problem daran ist

Die Neunziger sind zurück! Einige der TV-Shows aus der Zeit werden aktuell neu aufgelegt. Nur eine davon wird von einer Frau moderiert - ein Zufall?

Katharina Thiel
26.02.2022 , 10:00 Uhr |

Wer hätte gedacht, dass Michelle Hunziker auch im Jahr 2021 noch auf der Couch von Thomas Gottschalk Platz nimmt und ein Baggerfahrer wettet, dass er mit seiner Maschine Frisbeescheiben fangen kann? Oder, dass Kandidaten sich zwischen Tor 1, 2 und 3 entscheiden müssen und am Ende als Trostpreis mit dem Zonk nach Hause gehen? Beide Shows haben im vergangenen Jahr erneut Premiere gefeiert, moderiert werden sie weiter von Thomas Gottschalk und Jörg Draeger. Auch "Der Preis ist heiß" mit Kult-Moderator Harry Wijnvoord und "Die 100.000 Mark Show" - damals wie heute mit Ulla Kock am Brink - kommen zurück.

Doch warum feiern so viele Neunziger-Jahre-Shows gerade ihr Comeback? Vor allem bei "Wetten, dass...?" liegt ein Grund auf der Hand: Die Show sei ein "generationenübergreifendes Medien-Event" gewesen, das Erinnerungen wachrufe, erklärt Anja Peltzer vom Institut für Medien- und Kommunikations­wissenschaft der Universität Mannheim. Dabei können die Erinnerungen für jeden anders sein: "von 'länger aufbleiben dürfen als sonst' oder 'endlich sind mal alle friedlich zusammen auf der Couch', bis zu 'endlich nicht mehr 'Wetten, dass...?' mit den Eltern gucken müssen'".

Außerdem repräsentiere "Wetten, dass...?" ein Fernsehen, das es so nicht mehr gibt. Peltzer erklärt die Show als Familienalbum, in dem man gemeinsam stöbert. "Es lässt sich ein bisschen damit vergleichen, wie wenn auf Familienfesten Fotos von früher angeschaut werden - sei es in Form von Dias, über den Beamer, im Album oder auf dem Handy - da wird sich dann zusammen erinnert, gefrotzelt, korrigiert - das stiftet in erster Linie Kommunikation und Verbindung." Und es sei auch den Machern bewusst, "dass hier eigentlich auf der Grabplatte der 'großen Unterhaltungsshows' getanzt wird - sei es durch den nuschelnden Gottschalk dank seiner 3. Zähne oder eines Kinderkandidaten, der überhaupt nicht weiß, wer Thomas Gottschalk ist". Dadurch entstehe ein sehr unterhaltsames Moment, das den Abschied vom Fernsehen dieser Art gebührend feiert und gleichzeitig mit etwas mehr Gelassenheit auf den digitalen Wandel blicken lässt.

Es fällt jedoch auf, dass bis auf "Die 100.000 Mark Show" all diese wiederkommenden Shows von Männern moderiert werden. Zufall? Marijke Amado, die jahrelang die "Mini Playback Show" moderiert hat, kritisiert genau das: "Es ist schön, dass die alten Sendungen wiederkommen und offensichtlich von den Zuschauern wieder gewünscht werden", sagte sie der Bild-Zeitung. "Wir brauchen mehr Sendungen mit Herz, die anscheinend viele Zuschauer erreichen. Allerdings finde ich es schade, dass Retroshows mit Frauen noch nicht wieder zurückkehren." Doch welche wären das überhaupt? Unsere Fotostrecke zeigt ein paar Beispiele.

Fotostrecke

"Thomas Gottschalk kann auch mit 70 noch 'Wetten, dass...?' moderieren und graue Haare und Falten werden als Ausweis von Erfahrung und Kompetenz, vielleicht sogar Sex-Appeal gewertet. Dass für Marijke Amado oder Linda de Mol das Gleiche gilt, halte ich für unwahrscheinlich", sagt Sabine Schäfer, Akademische Geschäftsführerin der Bielefeld Graduate School in History and Sociology. Sie hat bereits in den Neunziger-Jahren zum Thema ModeratorInnen geforscht. "Gerade im Bereich Moderation von Unterhaltungssendungen spielt das Aussehen und damit auch das Alter sicherlich noch eine große Rolle. Ich glaube, da müsste sich die Gesellschaft doch noch sehr stark bewegen, um ein Comeback für ältere Frauen möglich zu machen."

Doch nicht nur ältere Frauen, auch jüngere finden in aktuellen Produktionen kaum einen Platz: "Frauen werden als Moderatorinnen für Samstagabend-Shows nicht wahrgenommen", sagte Komikerin Carolin Kebekus im Juni 2020. Da hatte der ehemalige ARD-Programmdirektor Volker Herres gerade ein Interview gegeben, das die Überschrift trug: "Hat die ARD ein Frauenproblem?" - auf dem Bild dazu mehrere Moderatoren abgebildet. "Hier sieht es eher nach einem Männerproblem aus", spottete Kebekus daraufhin. Auch ARD-Moderatorin Eva Schulz schaltete sich damals ein: "Unter den Kolleginnen gibt es so viel 'empathische und zugewandte' Frauen. Wie kann es sein, dass Sie uns nicht wahrnehmen?", fragte sie auf Twitter und lieferte eine lange Liste mit Moderatorinnen im deutschen Fernsehen.

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