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Emil Noldes „Rentner" von 1920. - © Philipp Ottendoerfer
Emil Noldes „Rentner" von 1920. | © Philipp Ottendoerfer

Kunsthalle Nolde-Bild kehrt nach Bielefeld zurück

Die Nazis hatten das Werk „Rentner“ 1937 als „entartet“ beschlagnahmt und verkauft. Jetzt hat die Kunsthalle es zurückgekauft.

Stefan Brams
13.02.2020 | Stand 13.02.2020, 13:57 Uhr

Bielefeld. Vor 100 Jahren hat Emil Nolde sein Bild „Rentner“ gemalt. Ein visionäres Werk, das das Altsein imaginiert. Eine Arbeit, in der der Künstler seine eigene Physiognomie spiegelt und ein allgemeinmenschliches Thema eindrucksvoll und berührend umgesetzt hat.

Ein Kunstwerk, das von 1929 bis zum Jahr 1937 im Kunsthaus Bielefeld, dem Vorläufer der Bielefelder Kunsthalle zu sehen war. Dessen Leiter Heinrich Becker hatte es für die eigene Sammlung aus einer dort gezeigten Nolde-Ausstellung heraus angekauft. Doch am 23. August 1937 wurde es zusammen mit 135 weiteren Werken, die den Nazis als „entartet“ galten, beschlagnahmt, nach Berlin gebracht und als „international verwertbares“ Kunstwerk verkauft.

Das Bild wurde für 680.000 Euro auf dem Kunstmarkt angeboten

Doch nun kehrt das Bild zurück in die Kunsthalle Bielefeld. Denn dieser ist es gelungen, das Werk, das 2018 aus Privatbesitz wieder auf dem Kunstmarkt auftauchte, für die die eigene Sammlung zurückzukaufen. Laut Mitteilung der Kunsthalle gelang dies „dank Fördermitteln der Kulturstiftung der Länder und dank der Unterstützung Brigitte und Arend Oetkers sowie anderer privater Geldgeber und unter Beteiligung der Stadt Bielefeld“. Letztere machte 45.000 Euro frei für den Rückkauf.

Über die genaue Rückkaufsumme wurde gestern nichts mitgeteilt. Angeboten worden war das Bild im Jahr 2018 auf dem Kunstmarkt zum Preis von 680.000 Euro. Die Kunsthalle äußerte sich gestern, „glücklich zu sein“ über die Rückkehr des Bildes. Es ist nach dem Bild „Sämann“ von Christian Rohlfs das zweite 1937 beschlagnahmte Hauptwerk, das seinen Weg zurück in die Sammlung findet.

Die Kunsthalle besitzt zwei weitere Werke von Nolde

Die Kunsthalle besitzt neben dem „Rentner“ zwei weitere Werke von Nolde – „Männerköpfe“ aus dem Jahr 1912, das 1961 erworben wurde, und „Tropenwald“ (1914), das der Kunsthalle von der Firma Dr.. Oetker 1951 geschenkt wurde. Noldes „Rentner“ füge sich kongenial in den Sammlungsschwerpunkt „Klassische Moderne“ ein, so die Kunsthalle.

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KOMMENTAR

Richtig so

Es mutet schon befremdlich an, dass die Kunsthalle Bielefeld für den Rückkauf eines Bildes, das ihr bis zur Beschlagnahmung durch die Nazis gehörte, nun erneut zahlen muss. Wieso kann der Verkauf aus dem Willkürakt von 1937 eigentlich legal sein, so dass jetzt 680.000 Euro fließen müssen, um das Bild zurückzukaufen?
Dennoch war es richtig, Noldes Werk wieder für die Sammlung zu erwerben. Gut, dass sich die Kunsthalle dafür erfolgreich stark gemacht und Partner gefunden hat.

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