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Eine Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, steht vor dem Reichstag. Für das Projekt hat das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" Kritik bekommen. - © picture alliance/dpa
Eine Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, steht vor dem Reichstag. Für das Projekt hat das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" Kritik bekommen. | © picture alliance/dpa

Mahnmal-Installation Künstlerkollektiv entschuldigt sich nach heftiger Kritik für Aschesäule

Nach heftiger Kritik an seiner jüngsten Aktion hat das „Zentrum für politische Schönheit“ Konsequenzen gezogen. Im Internet veröffentlichte die Künstlergruppe eine Entschuldigung und gestand Fehler ein.

04.12.2019 | Stand 04.12.2019, 17:49 Uhr

Berlin (epd). Nach breiter Kritik unter anderem von jüdischen Verbänden an seiner jüngsten Aktion hat das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) eine Kehrtwende vollzogen. Am Mittwochnachmittag veröffentlichte die Gruppe im Internet eine Entschuldigung an Holocaust-Überlebende und Angehörige von NS-Opfern. Die Internetseite für die Aktion unter dem Titel „Sucht nach uns!" wurde abgeschaltet. Das „Zentrum für politische Schönheit" hatte Anfang der Woche zwischen Bundestag und Kanzleramt in Berlin eine Stahlsäule zum Gedenken an NS-Opfer installiert. In der Säule befinden sich nach Angaben der Gruppe auch Asche und Knochenreste von Holocaust-Opfern. Mit der Aktion solle vor einer Zusammenarbeit von CDU/CSU mit der AfD auf Bundes- und Landesebene gewarnt werden. Die Aufstellung der Gedenksäule war den Angaben zufolge vom Grünflächenamt Berlin-Mitte bis Samstag genehmigt worden. Antisemitismus-Beauftragter übt Kritik Die Kunstaktion war auf breite Kritik gestoßen. Unter anderem hatte der Zentralrat der Juden eine mögliche Störung der Totenruhe kritisiert. Auch der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte von den Künstlern die Beachtung jüdischer Religionsgesetze gefordert. „Wir verneigen uns vor Millionen Menschen, den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen", heißt es in der am Mittwochnachmittag veröffentlichen Erklärung des „Zentrums für politische Schönheit". Die Künstlergruppe räumte Fehler ein. Zwar sei ihnen bewusst gewesen, dass sie mit ihrer Aktion die Gefühle von vielen Menschen aufwühlen würden. „Dennoch lag uns nichts ferner, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen. Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben", betonten die Aktivisten. Weiter entschuldigte sich das Künstlerkollektiv auch bei jüdischen Institutionen, Verbänden und Einzelpersonen, „deren Gefühle wir verletzt haben, weil durch unsere Arbeit die Totenruhe nach jüdischem Religionsrecht gestört oder angetastet worden sein könnte". „Das weitere Vorgehen wird beraten" Die Gruppe kündigte an, dass das Kernstück der Säule - ein orangefarbenes Glasmodul, in dessen Innerem sich offenbar von Kunstharz umschlossene Asche und Knochen befinden sollen - verhüllt werden soll. Eine für Samstagnachmittag geplante Aktion, bei der für die temporäre Gedenksäule ein dauerhafter Betonsockel gegossen werden sollte, wurde abgesagt. „Das weitere Vorgehen wird beraten", sagte eine Sprecherin der Gruppe. Es wäre gut, wenn das „Zentrum für politische Schönheit" beim Abbau der Installation einen Rabbiner hinzuzöge, „um wenigstens dann für die Beachtung der jüdischen Religionsgesetze zu sorgen", hatte zuvor der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Klein am Mittwoch im RBB betont. Falls tatsächlich Asche jüdischer NS-Opfer verwendet worden sei, hätten die Aktionskünstler nicht zu Ende gedacht, sagte Klein. „Es ist erschütternd, dass heutzutage Künstler meinen, zu solch drastischen Mitteln greifen zu müssen, um auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Durch das bewusste oder unbewusste Verletzen religiöser Gesetze von Minderheiten tragen sie zur Verrohung der Gesellschaft bei, vor der sie ja eigentlich warnen wollen", erklärte Klein.

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