0
Kollegah bei seinem Auftritt in Bielefeld 2011. - © Andreas Frücht
Kollegah bei seinem Auftritt in Bielefeld 2011. | © Andreas Frücht

Rap und Co. Wegen Hetze: NRW-Beauftragte fordert Selbstkontrolle für Musiktexte

In der Region gab es häufig Proteste gegen Konzerte von Musikern, die solche Texte verbreiten. Diese Aktionen verhindern den Auftritt aber nicht unbedingt, sie können auch den Kartenverkauf anregen.

02.12.2019 | Stand 02.12.2019, 17:24 Uhr

Düsseldorf (lnw). Zeilen wie „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" oder „mache mal wieder ’nen Holocaust" brachten den Rappern Kollegah und Farid Bang mehrere Strafanzeigen ein. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erkannte aber keine Strafbarkeit und stellte die Ermittlungen ein. Wesensmerkmal des „Gangsta-Rap" sei nun mal die Glorifizierung von Kriminalität und Gewalt, so die Juristen.

Düsseldorf (lnw). Zeilen wie „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" oder „mache mal wieder ’nen Holocaust" brachten den Rappern Kollegah und Farid Bang mehrere Strafanzeigen ein. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erkannte aber keine Strafbarkeit und stellte die Ermittlungen ein. Wesensmerkmal des „Gangsta-Rap" sei nun mal die Glorifizierung von Kriminalität und Gewalt, so die Juristen. Die Antisemitismus-Beauftragte des Landes NRW, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, fordert jetzt eine freiwillige Selbstkontrolle für Musik-Texte. „Die gibt es zwar bei Filmen und Computerspielen, im Fall der Musik aber nicht", sagte sie der Bild-Zeitung. „Ich denke allerdings, dass wir so etwas unbedingt brauchen." Hetze in Rap-Texten Insbesondere in Rap-Texten werde laut Leutheusser-Schnarrenberger häufig Hetze verbreitet. „Ich halte diese Szene und vor allem den Gangsta-Rap für sehr gefährlich. Denn die oft antisemitischen oder homophoben Songs erreichen meist junge Menschen von 12 bis 18 Jahren", sagte sie der Zeitung. Auch Kollegah droht in seinen Texten Schwulen mit Aussagen wie: "Ich komm mit ner Horde Hunde plus Zuhältern, die dich ermorden, Tunte." In der Region gab es häufig Proteste gegen Konzerte von Musikern, die solche Texte verbreiten. In Bielefeld hatte es 2011 schon Wochen vor einem Auftritt von Kollegah Streit wegen dessen diskriminierender Texte gegeben. Eine Absage des Konzerts wurde gefordert. Doch die Werke des Rappers wurden auch als bewusste, genreübliche Provokationen und Satire verteidigt - die Nachfrage für das Konzert stieg sogar. Erfolgreicher waren dagegen die Gegner des Auftritts der Gangsta-Rap-Gruppe „187 Strassenbande" auf dem Sommerfestival der Paderborner Universität im Jahr 2018. Vorwürfe, die Hamburger Band sei sexistisch, homophob und menschenverachtend wurden laut. Das Konzert wurde schließlich abgesagt. „So sickern antisemitische Gedanken aus den Kopfhörern und Musik-Boxen immer weiter in die Gesellschaft ein." Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich für eine Studie aus, um die Wirkung des Antisemitismus im Rap auf junge Menschen zu erforschen. „Und dann brauchen wir unbedingt Formen der Selbstkontrolle - auch in der Musik."

realisiert durch evolver group