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Das Foto des US-Senders HBO zeigt die Besetzung der „Sesamstraße“ während einer Feier zur 50. Staffel. - © dpa
Das Foto des US-Senders HBO zeigt die Besetzung der „Sesamstraße“ während einer Feier zur 50. Staffel. | © dpa

Bunte Puppentruppe Die Sesamstraße feiert Geburtstag

Die berühmteste Spielstraße der Welt wird 50. Im November 1969 startete in Amerika der Dauerbrenner „Sesame Street“. Was macht die Sendung bis heute so beliebt?

Tilmann P. Gangloff
07.11.2019 | Stand 06.11.2019, 21:47 Uhr

Bielefeld. Ganze Generationen sind mit Ernie, Bert, Grobi und dem Krümelmonster aufgewachsen. Wer einst in jungen Jahren die ersten Folgen von „Sesamstraße" gesehen hat, nähert sich langsam dem Rentenalter. Bei heutigen Vorschulkindern stehen die Klappmaulpuppen zwar nicht mehr an erster Stelle, aber beliebt sind sie immer noch. In diesen Tagen feiert das Original ein beachtliches Jubiläum: Am 10. November 1969 ist „Sesame Street" gestartet. 1971 liefen die ersten Folgen in den dritten Programmen von NDR und WDR, allerdings noch im Original. Vor allem der Bayerische Rundfunk wehrte sich vehement gegen den Ankauf und eine Ausstrahlung im ersten Programm, weshalb die synchronisierten Versionen ab Sommer 1972 nur in einigen „Dritten" zu sehen waren. In Deutschland gab es anfangs viel Skepsis gegenüber der Sendung 1973 gab es die ersten deutschen Beiträge in Form von Spielszenen, für die im Lauf der Zeit viele bekannte Schauspieler gewonnen werden konnten; das Spektrum reicht von Liselotte Pulver und Manfred Krug über Dirk Bach bis zu Annette Frier und Adele Neuhaus. Zunächst war die Reihe jedoch wegen ihrer der Werbung abgeschauten Philosophie mit vielen Wiederholungen umstritten. Der Bayerische Lehrerverband sprach gar von einem „Werbe-, Drill- und Überredungsprogramm". Trotzdem unterstützte die Bundesregierung den Import von „Sesame Street" mit drei Millionen Mark; die Reihe sollte helfen, die damals konstatierte „Bildungskatastrophe" abzuwenden. Deutsche Kinder waren daher die ersten außerhalb der USA, die Freundschaft mit den Puppen schließen durften. Das war der Beginn eines unvergleichlichen Exporterfolgs; heute läuft „Sesame Street" in über 140 Ländern. Die vom NDR verantwortete deutsche Version unterscheidet sich allerdings deutlich von den sonstigen Adaptionen. Die ARD hat sich früh vom Original emanzipiert Während die Macher der gemeinnützigen New Yorker Produktionsfirma Sesame Workshop (früher Children’s Television Workshop, CTW) vielerorts großen Einfluss auf die Anpassung an die jeweiligen einheimischen Vorlieben nehmen, hat sich die ARD früh vom insgesamt doch sehr braven und penibel auf politische Korrektheit bedachten Original emanzipiert. Weil sich die deutsche „Sesamstraße" außerdem an etwas ältere Kinder richtet, können die Eigenproduktionen frecher und witziger sein. Beim Humor sieht Medienwissenschaftlerin Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), ohnehin die größte Stärke von „Sesame Street", zumal es gerade bei Kindern im Vorschulalter sehr schwierig sei, den richtigen Tonfall zu finden; und das schafften die Alltagsgeschichten mit Ernie und Bert oder die nachgespielten Märchen perfekt. Das Original setzt stärker auf die Puppenelemente Für ähnlich gelungen hält sie die Einspielfilme mit realen Kindern, die aus ihrem Alltag erzählen, „weil sie für die Zielgruppe nicht nur spannend anzuschauen, sondern auch sehr anregend für eigene Aktivitäten sind." Das Original setzt dagegen traditionell viel stärker auf die Puppenelemente. Der CTW ist 1968 gegründet worden, um Kinder aus ethnischen Minderheiten zu fördern. Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger betont daher, man müsse den Start von „Sesame Street" im Kontext der damaligen Aufbruchstimmung in den USA und nicht zuletzt der Bürgerrechtsbewegung betrachten: „Es ist ja kein Zufall, dass in den Spielszenen viele afro-amerikanische Schauspieler mitwirkten. Am Anfang des Konzepts stand die Frage: Wie können wir Kinder, die in einer strukturell benachteiligten Umgebung aufwachsen – heute würde man von bildungsfernen Schichten sprechen – zu mehr Chancengleichheit verhelfen? Aus der Erkenntnis, dass die entscheidenden Weichen schon vor dem ersten Schultag gestellt werden, resultierte der Entschluss, ein unterhaltsames Vorschulformat mit Bildungsauftrag zu kreieren. Seit den 80er Jahren steht das soziale Lernen im Vordergrund Für unser heutiges Kinderfernsehen ist das ein alter Hut, aber in der damaligen Zeit war dieser Ansatz geradezu revolutionär." Tatsächlich basiert das Format nicht zuletzt auf der Erkenntnis, dass Kinder die Melodien von Werbespots besser behielten als den Inhalt des eigentlichen TV-Programms. Also hatte man beim CTW die Idee, auf ähnliche Weise Wissen zu vermitteln. In den Anfangsjahren ging es vor allem um Buchstaben und Zahlen; seit den Achtzigern steht das soziale Lernen im Vordergrund. Im deutschen Vorschulfernsehen funktioniert Wissensvermittlung ohnehin schon geraume Zeit sehr spielerisch und viel weniger didaktisch; bestes Beispiel ist „Die Sendung mit der Maus" (WDR). Maya Götz weist allerdings darauf hin, dass sich Lernerfolge vor allem dann einstellen, „wenn Eltern und Kinder gemeinsam schauen. Davon abgesehen lernen Kinder von den Menschen in ihrer Umgebung viel mehr als vom Fernsehen."

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